80 zu 20 Prozent. So würden die Rede-Anteile im Oval Office zwischen ihm und dem amerikanischen Präsidenten wahrscheinlich verteilt sein, hatte Friedrich Merz am Morgen prophezeit – und lag damit goldrichtig. Bei seiner Antrittsvisite im Weißen Haus war der Bundeskanzler über weite Strecken der inzwischen gängigen Polit-Reality-Show („Trump trifft …)“ zum Statisten-Dasein verurteilt. Der US-Präsident redete wie ein Wasserfall, vor allem zu Themen, die nichts mit dem Besuch des „sehr guten Mannes“ aus Berlin zu tun hatten (Joe Biden, Chinas Xi Jinping, Elon Musk etc.) und der Christdemokrat hörte, behaglich ihn den Sessel gelehnt, aufmerksam zu.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Fazit vorweg: Alle Befürchtungen, Merz könne ähnlich wie der Ukrainer Selenskyj oder der Südafrikaner Ramaphosa vor der Weltöffentlichkeit vorgeführt und gedemütigt werden, waren grundlos. Trump war zu keiner Zeit der fast 50-minütigen Vorstellung vor dem Mittagessen auf Krawall gebürstet. Auch die kurz zuvor von der „New York Times“ annoncierte Warnung, Trump werde im Gefolge des Auftritts seines Vize-Präsidenten JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz dem Kanzler in puncto „Meinungsfreiheit in Deutschland“ die Leviten lesen, war gegenstandslos. Apropos: Vance saß wie auch Außenminister Marco Rubio mit in der Runde, sagte aber kein Wort.

News aus den USA

Merz bei Trump: Komplimente ohne Ende

Im Gegenteil. Merz bekam Komplimente zuhauf. Mit einem kleinen Eröffnungs-Monolog setze der Hausherr mit dosierter Schmeichelei den Ton. Er gratulierte dem Kanzler („tolle Wahl“) zum Regierungsamt – ohne seinen eigenen Wahlsieg unerwähnt zu lassen. Er erklärte, sein Ziel sei es, eine „großartige Beziehung“ zu Deutschland zu entwickeln. Trump bezeichnete die beabsichtigte Erhöhung der Militärausgaben Berlin als „positiv“ und nannte den Kanzler scherzhaft einen „schwierigen Verhandlungspartner“ und zugleich einen „hervorragenden Repräsentanten Deutschlands“.

Merz betonte die langjährige Allianz („Wir haben so viel gemeinsam. Wir schulden den Amerikanern so viel“) mit den USA und bedankte sich ausdrücklich für die von Trump ermöglichte Ehre, im Gästehaus der Regierung untergebracht worden zu sein. Was dem Präsidenten sichtlich gefiel. Wie auch die Anmerkung Merz‘, dass der US-Präsident weltweit die „Schlüsselfigur“ auf der Suche nach einer Friedenslösung in der Ukraine sei. Trump verglich, eine ganz neue Note, den Krieg der Russen gegen ihr Nachbarland mit dem Streit „kleiner Kinder“, die sich nicht ausstehen können.

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10:1 für die Männer
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Merz im Oval Office: Trump macht schrägen Kommentar zu Englisch-Kenntnissen

Als Merz befragt wurde, ob er der Charakterisierung des Konflikts zustimme, versagte er sich Kritik an Trump und betonte den beiderseitigen Willen, einen Beitrag zur Beendigung des Blutvergießens zu leisten. Über weite Strecken wurde der Gast aus Deutschland von den versammelten Fragestellern im Oval Office ignoriert.

Stattdessen ging es um die Fehde zwischen Trump und Elon Musk. „Ich weiß nicht, ob ich noch eine tolle Beziehung zu ihm habe“, sagte Trump nach der Brachial-Kritik des reichsten Mannes der Welt an Trumps Prestige-Projekt: ein teures Ausgabengesetz, das die Staatsverschuldung um 2500 Milliarden Dollar steigern wird.

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Trump wird dabei sogar persönlich. Tenor: Musk, Boss von Tesla, sei nur deshalb so sauer, weil die Förderung für E-Mobilität wegfalle. Zwischenzeitlich geriet das Ganze zur Komik. Trump, sichtlich beeindruckt von den Sprachkenntnissen des Kanzlers, fragte Merz, ob sein Englisch so gut sei wie sein Deutsch. Merz schmunzelt kurz, sagt dann, es sei nicht seine Muttersprache – aber er verstehe so ziemlich alles. Trump: „Das ist eine Leistung.“