Betreten auf eigene Gefahr! Dieser Hinweis an der Eingangstür zum Oval Office wäre für ausländische Staatsgäste allmählich wirklich sinnvoll. Denn der staatspolitische Hinterhalt, in den Ende Februar der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geraten war, als er guten Mutes neben Donald Trump Platz nahm und später mit voller Absicht vom Gastgeber und Vize-Präsident JD Vance gedemütigt wurde, war kein Einzelfall.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Am Mittwoch inszenierte der amerikanische Präsident im Heiligsten des Weißen Hauses in Washington erneut vor der Welt-Öffentlichkeit einen Eklat, und das ganz bewusst. Diesmal saß der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa auf dem „heißen Stuhl”. Er wurde das Opfer einer beispiellosen Demütigung.

Trump demütigt den nächsten Staatschef: Haltlose Genozid-Vorwürfe gegen Südafrika
Der schwarze Staatschef, einst enger Mitstreiter von Volksheld Nelson Mandela, war nach Washington gereist, um gut Wetter zu machen und ein paar Sachen klarzustellen. Trump hatte, angestachelt von seinem aus Südafrika stammenden Top-Berater Elon Musk, über Monate ebenso wüste wie haltlose Genozid-Vorwürfe gegen die Regierung in Pretoria erhoben. Sein Tenor: Gesondert Weiße seien in Südafrika ihres Lebens nicht mehr sicher, würden reihenweise enteignet und sogar getötet.
In einem Akt der Vergeltung ließ US-Außenminister Marco Rubio auf Trumps Geheiß den südafrikanischen Botschafter in Washington ausweisen. Später wurde ein paar Dutzend Südafrikanern, ausnahmslos Weiße, demonstrativ politisches Asyl in den USA gewährt.
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Südafrikas Präsident überschüttet Trump mit Lob – und erntet die Eskalation
Problem dabei: In Südafrika, in dem die schwarze Bevölkerung lange Zeit unter einem weißen Apartheids-Regime litt, bestätigt keine seriöse Institution die Existenz eines Völkermords an der weißen Bevölkerung. Südafrika leidet allgemein unter hoher Gewaltkriminalität. Dass Weiße von einem „Völkermord” betroffen seien, ist nur unter Verschwörungs-Theoretikern gefakte Realität.
Ramaphosa war gekommen, um die Dinge gerade zu rücken und Trump zu einem erneuerten Handelsabkommen zu bewegen, um dessen Strafzöllen zu entkommen. Um dem launischen Gastgeber zu schmeicheln, brachte er südafrikanische Golf-Legenden wie Ernie Els und Retief Goosen mit in die USA und überschüttete Trump mit Lob.
Als der entgegnete, Ramaphosa sei in „einigen Kreisen” hoch angesehen, in anderen nicht so sehr, merkten die anwesenden Journalisten auf und witterten eine Eskalation. Sie kam postwendend.

Trump spielt extra einen Film ab, um angeblichen Genozid zu beweisen
Alle Versuche des Südafrikaners, die Genozid-Story mit fast devot vorgetragenen Fakten aus der Welt zu schaffen, zerschellten, als Trump darauf pochte, es gebe „Tausende von Geschichten”, „Dokumentarfilme” und „Nachrichtenberichte”, die das Gegenteil belegten. Das Ramaphosa drei weiße Kabinetts-Mitglieder als Gegenbeweis für die Genozid-These anführte, ließ Trump an sich abprallen.
Zur Untermauerung wies der Präsident eine Mitarbeiterin an, das Licht im Oval Office zu dimmen, ein Novum in der US-Präsidial-Geschichte, und auf einem eigens dafür vorbereiteten TV-Bildschirm einen Film abzuspielen. Dort war zu sehen, wie Julius Malema von der linksradikalen Gruppe „Economic Freedom Fighters” zur Tötung von weißen Bauern aufrief: „Kill the Boer”.
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„Es tut mir leid, dass ich Ihnen kein Flugzeug als Geschenk mitgebracht habe“
Ramaphosa, verblüfft, konsterniert aber stets die Form wahrend, machte deutlich, dass es sich dabei um den Extremismus einer radikalen Minderheit handele, die er klar ablehne. Trump, sichtbar missmutig, reichte dem Gast einen Stapel von Zeitungsausschnitten herüber, die angebliche Gewalt gegen Weiße zum Inhalt hatten. Seine Botschaft: Ich glaub‘ Dir kein Wort.
Trumps Unmut ging soweit, dass er sich selbst blamierte. Als Reporter das Thema des umstrittenen Jumbo-Geschenks aus Katar anschnitten, was Trump wütend machte, scherzte Ramaphosa: „Es tut mir leid, dass ich Ihnen hier kein Flugzeug als Geschenk mitgebracht habe.” Trumps humorfreier Konter: „Ich wünschte, Sie hätten das getan. Ich hätte es sofort genommen.”

Staatsempfänge ähneln immer mehr Tribunalen
Die neuerliche Episode machte deutlich, dass Besuche im Oval Office für ausländische Staatsgäste kein Spaziergang mit Lächeln und Händeschütteln für die Weltpresse mehr sind. Trump lässt die früher auf wenige Minuten beschränkten Auftritte zu quotenträchtigen Tribunalen von 60 Minuten und mehr ausarten, bei dem ihm seine Lieblingsminister Rubio, Hegseth, Luttnick und Co. auf dem Sofa sitzend oder dahinter stehend (wie diesmal Elon Musk) bewundernd zusehen.
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Weil immer mehr Vertreter von Maga-Propaganda-Medien akkreditiert werden, sind abseitige oder unter die Gürtellinie zielende Fragen („Haben Sie keinen Anzug, Herr Selenskyj?”) inzwischen die traurige Regel. Trump sieht dem wie ein Dompteur im Löwenkäfig zu. Er genießt, so geschehen bei den Besuchen des Briten Keir Starmer, dass seine Gäste ihm auf Teufelkommraus schmeicheln wollen; etwa durch eine überbrachte Einladung des britischen Königs.

Er lacht süffisant, wenn El Salvadors Präsident Nayib Bukele mit diebischer Freude verkündet, dass ein dort zu Unrecht inhaftierter US-Bürger nicht freigelassen wird. Und er beißt sich auf die Zunge, wenn Kanadas blitzgescheiter neuer Regierungschef Mark Carney dem Präsidenten in alle Seelenruhe offen widerspricht, weil er anders als Trump die Fakten auf seiner Seite hat.
In naher Zukunft wird Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus zum Antrittsbesuch erwartet. Er sollte darauf achten, ob TV-Apparate ins Oval Office geschoben wurden. Es könnte passieren, dass Trump ihm Bilder von messerstechenden Flüchtlingen oder AfD-Politikern zeigt, die sich als politisch Verfolgte stilisieren.







