Zusammenfassung
- Dem ukrainischen Geheimdienst SBU ist es gelungen, 40 Kampfflugzeuge in Russland zu zerstören, darunter Bomber vom Typ Tupolew Tu-95
- Tu-95 ist ein strategischer Langstreckenbomber. Er gehört seit den 50er Jahren zur nuklearen Abschreckung der Russen.
- Die Ukraine hat Russland damit empfindlich getroffen und wohl 34 Prozent der strategischen Marschflugkörpers des Aggressors ausgeschaltet
Der ukrainische Geheimdienst (SBU) hat nach eigenen Angaben über 40 Kampfflugzeuge auf Militärflughäfen in ganz Russland zerstört. Vom SBU bereitgestellte Videos vom Sonntag zeigen, wie Drohnen sich auf aufgereihte Bomber vom Typ Tupolew Tu-95 stürzen und sie in Brand setzen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Im Krieg gegen die Ukraine nutzt das russische Militär die Tu-95 vor allem, um Marschflugkörper tief in das Hinterland abzufeuern. Erst wenige Tage vor dem Drohnen-Angriff schossen in einer groß angelegten Attacke Tu-95-Bomber ihre Raketen auf die Ukraine ab. Laut der Datenbank Oryx gelang es der Ukraine vor der Geheimdienstaktion, nur eine Tu-95 zu beschädigen.

Die Tu-95, auch unter dem Nato-Codenamen „Bear“ (Deutsch: Bär) bekannt, ist ein strategischer Langstreckenbomber der russischen Luftstreitkräfte. Entwickelt in den 1950er-Jahren in der Sowjetunion, gehört sie zu den ältesten noch aktiven militärischen Flugzeugen der Welt und ist seit Jahrzehnten Teil der nuklearen Abschreckung Russlands.
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Tupolew Tu-95: 1961 eine 50 MT starke Wasserstoff-Bombe abgeworfen
Im Oktober 1961 warf eine Tu-95 die sogenannte Zar-Bombe im Norden der Sowjetunion ab – dabei handelte es sich um eine Wasserstoff-Bombe, die die größte jemals von Menschen erzeugte Explosion erzeugte. Mit einer Sprengkraft von 50 Megatonnen (MT) – so die sowjetischen Angaben – war die Bombe rund 4000-mal so stark wie die Hiroshima-Bombe („Little Boy“). Kurz nach dem Test-Abwurf schätzten die USA die Sprengkraft gar auf 57 MT.
Das Herausfordernde an dem Abwurf: Die Besatzung der Tupolew hatte wohl nur eine knapp 50-prozentige Chance, die Aktion zu überleben – und soll das gewusst haben. Nach dem Ausklinken der Bombe hatten die Piloten nur 188 Sekunden Zeit, um sich vom Ort des Abwurfs zu entfernen.
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Tupolew Tu-95: Überschall-Propeller verbrauchen nur wenig Treibstoff
Die Entwicklung der Tu-95 begann im Konstruktionsbüro des legendären Luftfahrtingenieurs Andrei Nikolajewitsch Tupolew. Die Sowjetunion benötigte im nuklearen Wettrüsten ein Flugzeug, das in der Lage war, mit Atombomben ausgerüstet das US-amerikanische Festland zu erreichen. Im Jahr 1952 absolvierte die Tu-95 ihren Erstflug – nur ein halbes Jahr nach dem amerikanischen Gegenstück, der Boeing B-52.
Im Gegensatz zu vielen anderen strategischen Bombern wurde die Tu-95 nicht mit Düsentriebwerken ausgestattet, sondern mit vier Turboprop-Propellertriebwerken. Der Vorteil: die mit je zwei gegenläufigen Propellern konzipierten Triebwerke ermöglichen eine bemerkenswerte Reichweite bei vergleichsweise geringem Treibstoffverbrauch. Die Spitzen der Propeller rotieren schneller als der Schall, weshalb sie ein charakteristisches, sehr lautes Geräusch erzeugen, das die Tu-95 zu einem der lautesten Flugzeuge der Welt macht.
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Technische Details der Tu-95
Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Tu-95 mehrfach modernisiert. Die heutigen Varianten, wie etwa die sich seit 2016 im Dienst befindliche Tu-95MSM, dienen primär als Träger für Marschflugkörper und erfüllen auch Aufgaben der strategischen Aufklärung und elektronischen Kriegsführung. Die neueste Variante MSM soll bis in die 2040er Jahre hinein im Einsatz bleiben.
- Spannweite: ca. 50 Meter
- Länge: ca. 46 Meter
- Maximale Geschwindigkeit: etwa 920 km/h (Tu-95MSM)
- Reichweite: bis zu 15.000 Kilometer (je nach Beladung und Variante)
- Antrieb: 4 × Kusnezow NK-12M Turboprop-Triebwerke (jeweils 15.000 PS)
- Besatzung: 7 Personen
Die Tu-95MSM erhielt ein neues Radar vom Typ Novella-NV1.021, das über eine deutlich gesteigerte Zielerfassungsreichweite und höhere Präzision verfügt. Hinzu kommt ein modernes Navigationssystem, das sich auf das russische Navigationssatellitensystem GLONASS stützt, eine russische Alternative zum amerikanischen GPS. Außerdem neu an Bord: eine digitalisierte Cockpitumgebung mit Glascockpit-Elementen sowie ein leistungsfähiges elektronisches Selbstschutzsystem, das mit Störsendern und Täuschkörpern den Bomber schützen soll.
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Bewaffnung: Kh-101 Marschflugkörper und Atombomben
Trotz ihrer altmodischen Technik ist die Tu-95 aufgrund ihrer Reichweite und Nutzlast auch im 21. Jahrhundert noch ein effektives Waffensystem. Die ursprüngliche Tu-95 war mit freien Fallbomben (einschließlich Atombomben) ausgerüstet. Spätere Versionen wie die Tu-95MS oder Tu-95MSM können bis zu 16 Marschflugkörper vom Typ Kh-55 und Kh-101 tragen.
Die 2,4 Tonnen schweren Kh-101-Marschflugkörper kann das Flugzeug dabei nur außen, unter den Tragflächen transportieren. Diese Raketen können konventionelle oder in der Kh-102-Variante nukleare Sprengköpfe tragen und haben eine Reichweite von bis zu 2.800 Kilometern. Laut dem russischen Verteidigungsministerium betrage die Reichweite sogar 4500 Kilometer, was westliche Beobachter bezweifeln. Zur Selbstverteidigung war das Flugzeug ursprünglich mit einem Heckgeschütz ausgerüstet, meist ein doppelläufiges 23-mm-Geschütz. Dieses wird heutzutage jedoch als weitgehend veraltet betrachtet.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
So viele Tu-95-Flugzeuge hat Russland
Während des Kalten Krieges diente die Tu-95 vor allem der nuklearen Abschreckung. Regelmäßige Patrouillenflüge entlang der NATO-Grenzen demonstrierten die Fähigkeit der Sowjetunion (und später Russlands), weltweit zuschlagen zu können. Auch heute noch werden Tu-95-Flüge regelmäßig registriert, etwa im Luftraum nahe Alaska, Großbritannien oder Norwegen, oft von NATO-Jets eskortiert.
Seit den 2010er-Jahren kommt die Tu-95 auch im Rahmen konventioneller Einsätze zum Einsatz. Im Syrien-Konflikt wurden Tu-95MS zur Abfeuerung von Marschflugkörpern gegen Stellungen oppositioneller Gruppen genutzt. Als das brasilianische Luftfahrtunternehmen Embraer 2024 die internationalen Luftstreitkräfte in einem Bericht verglich, bezifferte es die verfügbaren Tu-95 im Besitz Russlands auf 47 Stück.
Tu-95 ist zentraler Bestandteil von Russlands Nuklearstrategie
Die russische Nuklearstrategie umfasst eine nukleare Triade aus landgestützten Interkontinentalraketen, strategischen U-Booten und Langstreckenbombern, zu denen die Tu-95 gehört.
Zwar verfügen die Luftstreitkräfte über mehrere strategische Bombertypen, die als Alternativen oder Ergänzungen zur Tu-95 dienen könnten – dazu zählen der Überschall-Bomber Tupolew Tu-160 sowie der Mittelstreckenbomber Tupolew Tu-22M3 – und dennoch ist die Tu-95 weiterhin das Rückgrat der strategischen russischen Luftwaffe. Das berichtet die von der ukrainischen Regierung betriebene Nachrichtenplattform „United24“.
Die nun durch die Ukraine verursachten Ausfälle werden sich so nur schwer ersetzen lassen. Wie der Geheimdienst SBU auf Telegram schrieb, seien mit dem Angriff 34 Prozent der strategischen Marschflugkörperträger Russlands ausgeschaltet worden.











