Die Einschläge sind massiv. Schwarze Rauchwolken ziehen über die Landebahn, Flammen stechen empor. Eine Dohne fliegt über die Brände, filmt das, was Fachleute nun als eine der größten Geheimdienstoperationen in der modernen Kriegsgeschichte beschreiben. Die Drohne fliegt über mehrere russische Militärmaschinen, die brennen. Darunter offenbar zerstörte Langstreckenbomber vom Typ Tupolew Tu-95 sowie Tu-22 und spezielle Frühwarnflugzeuge Berijew A-50.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Operation soll einen Decknamen tragen, so wie viele große Aktionen der Nachrichtendienste. Diesmal: „Aktion Spinnennetz“, laut ukrainischen Journalisten wurde sie anderthalb Jahre vorbereitet.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Russische staatliche Stellen bestätigen am frühen Sonntagabend die Angriffe. Das Verteidigungsministerium nennt die Aktion einen „Terroranschlag“. Das Ministerium gibt an, die Polizei habe bereits Verdächtige festgenommen. Mittlerweile kursieren Dutzende Videoaufnahmen der Angriffe auf die Luftwaffenstützpunkte. Sie wirken authentisch.

Auch russische Medien melden „Vorfälle“ an Stützpunkten

Offenbar setzten die Angreifer diverse Drohnen mit Sprengladungen zeitgleich ein. Die Drohnen hätten an insgesamt drei Stützpunkten in Russland rund 40 Kampfflugzeuge getroffen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen ukrainischen Sicherheitsbeamten. Die bisher bekannten Filmaufnahmen lassen keine Schlüsse auf die Gesamtzahl der zerstörten Flieger zu.

Aftermath of drones attack on Russia's Irkutsk region
Rauch über einem Stützpunkt bei Irkutsk in Sibirien, 5500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.© via REUTERS | Governor of Irkutsk Region

Mehrere weitere Medien berichten unter Berufung auf den ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU über die Angriffe. „SBU-Drohnen nehmen Flugzeuge ins Visier, die jede Nacht ukrainische Städte bombardieren“, zitiert die Zeitung „Financial Times“ einen Informanten.

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Weitere Filmaufnahmen, die mutmaßlich durch Handykameras aufgenommen wurden, in den sozialen Netzwerken geteilt werden und durch unsere Redaktion eingesehen werden konnten, zeigen Rauschwaden, die Hunderte Meter über den Militärbasen in die Luft steigen. Satellitenbilder sollen die Brände bestätigen.

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Schaden für Russland könnte zwei Milliarden Dollar betragen

Mehrere Standorte der russischen Luftwaffe waren demnach Ziel der gezielten Drohnenangriffe: die Olenja-Luftwaffenbasis in der Region Murmansk ganz im Norden Russlands, in der Stadt Ivanovo, nordöstlich von Moskau, aber auch in der Militäranlage Belaya, nahe Irkutsk – fast 5000 Kilometer entfernt von der Ukraine, in Sibirien. Der Gesamtwert der zerstörten Flugzeuge könnte nach Einschätzung von Militärexperten bei etwa zwei Milliarden Dollar liegen.

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Details über die Operation sind bisher nur in Teilen bekannt. In den Monaten der Vorbereitung sollen ukrainische Nachrichtendienstler die für den Angriff genutzten kleinen Drohnen nach Russland geschmuggelt haben. Sie versteckten die Drohnen in Lastwagen, die als Holzhäuser getarnt waren, heißt es. Die Dächer dieser Häuser seien am Tag der Attacke ferngesteuert geöffnet und die Drohnen in ihre Ziele gesteuert worden. Andere Videoaufnahmen zeigen eine Drohne, die aus der Ladefläche eines Lastwagens aufsteigt. Im Hintergrund steigen bereits Rauchwolken auf. Die Filmsequenz soll die Militärbasis in Sibirien zeigen.

Beteiligte Personen sollen wieder in der Ukraine sein

Offenbar kamen sogenannte „FPV-Drohnen“ zum Einsatz, sie werden live ferngesteuert durch einen Drohnenpiloten. Unklar ist, von wo sie gesteuert wurden und wer die Drohnen zum Ziel flog. Nur: Alle an der Operation beteiligten Personen seien mittlerweile wieder wohlbehalten in die Ukraine zurückgekehrt, heißt es in ukrainischen Medienberichten mit Verweis auf den Geheimdienst SBU. Dagegen spricht, dass auf einem Video, das auf prorussischen Kanälen veröffentlicht wurde, die Leiche eines Mannes zu sehen ist, der ein Fahrer eines der Lastwagen gewesen sein soll. Die Aktion direkt von SBU-Chef Vasyl Malyuk geleitet und unter Aufsicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymr Selenskyj durchgeführt worden sein. Auch Langstreckendrohnen sollen Teil der Operation gewesen sein, geben Fachleute an.

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Auf den proukrainischen Kanälen herrschte am Sonntag nach Bekanntwerden der Operation Jubel. Die Ukraine habe bewiesen, dass moderne Kriegsführung keine Frage der Größe, sondern der „Präzision, Disziplin und Technologie“ sei, heißt es etwa auf dem Kanal „Ukrainian Militant“. Die ukrainischen Spezialkräfte hätten der Welt gezeigt, wie verwundbar die russischen strategischen Luftstreitkräfte seien und dass sie mit einer Effizienz in der Tiefe Russlands operieren könnten, die bislang nur theoretisch vorstellbar gewesen sei.