Am Montagabend fand das Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin statt. Es war das dritte Telefonat, seit Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt ist. Solche Gespräche folgen in der Regel klaren Vorgaben. Sie werden akribisch im Vorfeld vorbereitet, und die Staatschefs sind nicht allein, wenn sie miteinander sprechen. Antworten auf die wichtigsten (praktischen) Fragen.

Wie telefonieren Trump und Putin miteinander?

Wer denkt, sie könnten das berühmte rote Telefon für ihren Austausch verwenden, liegt falsch. Dieser Apparat wird in militärischen Krisensituationen eingesetzt, für die kurze Leitung zwischen Washington und Moskau. Bei regulären Telefonaten greift der US-Präsident zu einem großen schwarzen Telefon. „Ein Zoom-Call wird es jedenfalls nicht sein“, sagt der US-Forscher Sascha Lohmann von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Es dürfte sich, so Lohmann, um ein abhörsicheres, mit speziellen IT-Sicherheitsvorkehrungen ausgestattetes Telefon handeln. Ähnlich dürfte es sich auf russischer Seite verhalten.

President Putin talks to child on the phone as part of Christmas
Putin am Telefon: Das rote Telefon ist für militärische Krisensituationen vorbehalten.© picture alliance/dpa/Russian President Press Office | ALEXANDER KAZAKOV

Wer bahnt so ein Telefonat an?

In diesem Fall wurde das Telefonat etwa zehn Tage lang geplant und strukturiert. „Normalerweise ist es in den USA der Nationale Sicherheitsberater, also derzeit in kommissarischer Funktion Außenminister Marco Rubio“, sagt Sascha Lohmann. Das Gremium des Sicherheitsberaters, der Nationale Sicherheitsrat, stellt dem Präsidenten Tag für Tag ein koordiniertes Sicherheitsbriefing zusammen, das sich aus Erkenntnissen mehrerer Ministerien ergibt. Der normale Prozess, so Lohmann, sieht einen pyramidenartigen Zuschnitt auf den Präsidenten vor. „Standardmäßig wären außer dem Nationalen Sicherheitsrat das Außen- und Verteidigungsministerium beteiligt sowie mit Blick auf die Sanktionen gegen Russland auch das Handels- und das Finanzministerium.“

Die Vorbereitung würde „detaillierte Gesprächsunterlagen“ enthalten, an denen sich der US-Präsident dann orientieren könnte. Bei Trump, gibt Lohmann zu bedenken, wisse man allerdings nie, ob er sich wirklich an das Skript halte.

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Die Präsidenten führen solche Telefonate in der Regel nicht allein. Wer wird dabei sein?

Auf russischer Seite wird Putins enger Vertrauter und Pressesprecher Dmitri Peskow dabei gewesen sein. Wahrscheinlich war auch der außenpolitische Präsidentenberater Juri Uschakow anwesend, eventuell auch der wirtschaftspolitische Berater Kirill Dmitrjiew. Ob die nächste Verhandlungsrunde höherrangig besetzt wird, bleibt abzuwarten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Auf US-Seite dürfte der Nationale Sicherheitsberater mit im Raum gewesen sein. „Es könnte“, sagt SWP-Wissenschaftler Lohmann, „auch sein, dass Trumps Sondergesandter Steve Witkoff dabei ist. Immerhin hat er die Vorverhandlungen in Moskau geführt.“ Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt könnte ebenfalls anwesend gewesen sein. Vizepräsident JD Vance und Außenminister Rubio dürften es hingegen nicht zum Telefonat nach Washington geschafft haben – sie hielten sich am Montagmorgen noch in Rom auf, wo Vance sich mit dem neuen Papst Leo XIV traf.

Könnten die anderen Anwesenden Einfluss auf das Gespräch nehmen?

Trump gilt als Narzisst, der sich vor allem in seiner zweiten Amtszeit von ihm treu ergebenen Menschen beraten lässt. Dass er sich von anderen beeinflussen lässt, ist deshalb nicht sehr wahrscheinlich. Im Normalfall ist es allerdings so, dass Mitarbeiter dem Präsidenten während eines solchen Telefonats Notizen auf den Tisch legen und theoretisch auf bestimmte Aspekte hinweisen könnten.

Haben Trump oder Putin Vorteile, die dem anderen fehlen?

Eine sprachliche Barriere bleibt – trotz anwesender Dolmetscher in Washington, die sogar auf die Kommunikation mit dem russischen Präsidenten spezialisiert sind. Putin wird Russisch sprechen, Trump Englisch. Der Unterschied ist: Während Trump kein Russisch versteht, spricht der Kremlchef durchaus Englisch – und kann sich, noch während Trump spricht, seine Antwort überlegen.

Wie lange dauert so ein besonderes Telefonat?

Das hängt von der Agenda ab. In diesem Fall dauerte das Telefonat mehr als zwei Stunden. Schon die vorherigen Gespräche zwischen Trump und Putin lagen jeweils zwischen einer und zwei Stunden. „Die Gesprächsdauer in den vorangegangenen Telefonaten zeigt, dass relativ viele Dinge besprochen wurden“, sagt US-Spezialist Lohmann. Und: „So ein Gespräch findet nur statt, wenn es einen echten Klärungsbedarf gibt und man bestimmte Wegmarken setzen will. Es geht auch darum, der Verwaltung des eigenen Landes zu signalisieren: Da wollen wir hin, mit diesen Leuten wollen wir als Nächstes reden.“

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Ukraine – Keine Ruhe, kein Frieden
Im Krisenmodus
 

Und wie geht es nach dem Gespräch weiter?

Nach üblichem Vorgehen in den USA wird anschließend ein Protokoll erstellt, auf dessen Basis das Gespräch analysiert wird und die einzelnen Ministerien weiterarbeiten. Wann ein Protokoll erstellt werden muss, dazu gibt es gesetzliche Vorgaben. „Wir haben allerdings in der Vergangenheit gesehen, dass bestimmte Dokumentations- und Geheimhaltungsschutzpflichten nicht immer eingehalten wurden“, sagt Lohmann. Und: Der US-Präsident unterliege nur sehr eingeschränkten Dokumentationspflichten und habe einen „weiten Spielraum“.

Allerdings, so Lohmann, könne man davon ausgehen, dass Trump später über die sozialen Netzwerke versuchen wird, eine Botschaft zu senden, mit Blick auf das, was besprochen wurde. „Trump steht unter Druck: Am Sonntag hat es den schwersten Drohnenangriff auf Kiew seit Beginn der Vollinvasion gegeben. Es stellt sich die Frage, ob die vorherigen Absprachen das gehalten haben, was sie versprochen haben.“ Erst am Freitag hatte sich Trump als derjenige inszeniert, der als Einziger den Krieg beenden könnte – komme es nicht zu einem Treffen zwischen ihm und Putin, werde sich überhaupt nichts bewegen.

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Für Russland erwartet Lohmann eine „Gratwanderung“: „Einerseits wird man die Kerninteressen in der Ukraine nicht aufgeben. Andererseits muss man Trump einen gewissen Verhandlungserfolg lassen und darf ihn nicht bloßstellen als einen, der nichts erreicht hat – der Kreml will schließlich nicht bei Trump in Ungnade fallen.“ Beide Seiten werden, so Lohmann, Fortschritte verlautbaren lassen.