Während Donald Trump prahlt, dass in der Ukraine bald nicht mehr gekämpft werden wird, deutet sich anderswo das Gegenteil an. Ein Friedensdeal, den der seit Ende Januar erneut als US-Präsident amtierende Rechtspopulist angekündigt hat, könnte sich nämlich gerade als Farce entpuppen: nicht nur eine Fortführung des russischen Angriffs auf die Ukraine, die praktisch nicht mehr auf die Unterstützung der USA zählen kann – sondern gar eine neue Offensive.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Mehrere Medien berichten nun, was der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schon Ende März behauptete: Während Russlands Präsident Wladimir Putin öffentlich behaupte, er sei an einem Frieden interessiert, bereite er hinter den Kulissen einen neuen Angriff vor. Berichte des ZDF und der Nachrichtenagenturen Reuters und DPA kommen zu einem ähnlichen Schluss. In die Pläne eingeschlossen ist offenbar der Verbündete Russlands in diesem Krieg: der ostasiatische Nachbar Nordkorea.

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Unterstützung für Russland: 3000 Soldaten aus Nordkorea sind bereits vor Ort

Konkret soll es um den Nordosten der Ukraine gehen, wo Charkiw und Sumy liegen, sowie den Südosten um Saporischschja, wo ein großes Atomkraftwerk liegt. Auf Übungsplätzen soll sich das russische Militär bereits auf eine neue Doppeloffensive vorbereiten. Hinzu kommen eben Soldaten aus Nordkorea, von denen sich bisher wohl um die 3000 in der Region befinden. Der ostasiatische Ein-Parteienstaat könnte aber für Nachschub sorgen. Seine Armee hat Diktator Kim Jong-un auf Kampfbereitschaft gepolt.

Die Beziehungen zwischen Kim Jong-un und Wladimir Putin sind seit Russlands neuerlichem Angriff auf die Ukraine ab Februar 2022 herzlich. Hintergrund waren die Sanktionen liberaler Staaten gegen Russland, woraufhin sich Putin auf die Suche nach engen Verbündeten machte. Nordkorea – im Kalten Krieg ein Partner der Sowjetunion – ist mit seinem Atomprogramm und schweren Menschenrechtsverletzungen schon länger mit schweren Sanktionen belegt.

Wladimir Putin und Kim Jong-Un halten eine rote Mappe hoch.
Der russische Präsident Wladimir Putin (l.) und der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un während einer Unterzeichnungszeremonie ihrer Partnerschaft im Juni 2024.© DPA Images | Kristina Kormilitsyna

Kooperation zwischen Russland und Nordkorea: Was erhoffen sich beide Seiten von dem Deal?

Dann vereinbarten die zwei Staaten eine enge Kooperation. Neben der Beteiligung nordkoreanischer Soldaten im Angriff auf die Ukraine, unterstützt Kim Jong-un Russland auch mit Waffenzubehör. Bei der offenbar neu geplanten Offensive werden demnach auch schwere Waffen aus Nordkorea mitgedacht. So berichtet das ZDF, dass Artilleriegeschütze des Typs „Koksan“ in die von Russland annektierte Region Krim im Süden transportiert worden sind. Deren Reichweite beträgt rund 50 Kilometer.

Für Russland scheint das Kalkül zu sein, dass die Verhandlungsposition umso besser wird, je mehr ukrainisches Territorium es besetzt oder zumindest unter Druck hält. Für Nordkorea besteht die Motivation der Kooperation im Krieg dagegen darin, im Gegenzug ökonomische und militärische Hilfe von Russland zu erhalten. Nordkorea arbeitet an einem Atom- und Satellitenprogramm. Auch landwirtschaftliche Unterstützung für die teils sehr arme Bevölkerung kann das Land gut gebrauchen. Viele Details sind unklar.

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Was dagegen bekannt ist: Diese Woche empfing Nordkorea in der Hauptstadt Pjöngjang erneut hohe Staatsvertreter aus Russland. Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA betonte, es sei „in einer freundschaftlichen Atmosphäre“ gesprochen worden. Die südkoreanische Presseagentur Yonhap berichtet von Plänen, in den Bereichen Militär, Wirtschaft und öffentliche Gesundheit noch näher zu kooperieren. Zudem soll Nordkoreas Kim-Il-Sung-Universität aus Pjöngjang ein Forschungszentrum in Sibirien eröffnen. Hier kann es auch um militärische Forschung gehen.

Kim Jong-un in der Zwickmühle: Was ein Frieden in der Ukraine für Nordkorea bedeuten würde

Aus Nordkoreas Perspektive ist die Aussicht auf ein Ende des Kriegs in der Ukraine ein zweischneidiges Schwert. Diplomatisch hat kaum ein Land vom Krieg mehr profitiert. Sollte es US-Präsident Donald aber doch gelingen, eine dauerhafte Waffenruhe zu verhandeln, gilt es als wahrscheinlich, dass er sich als nächstes Kim Jong-un zuwenden würde, um mit Nordkorea – mit dem die USA verfeindet sind – einen Deal zu bemühen.

Andererseits: Wenn in der Ukraine nicht mehr gekämpft wird, braucht Russland die militärische Unterstützung aus Nordkorea nicht mehr – womit Hilfen aus Russland für Nordkorea abnehmen könnten.