Dem Bösen, sagt Eugene David, muss er wöchentlich direkt ins Auge sehen. „Die bösen Geister verlangen denen, die von ihnen besessen sind, oft alles ab“. Das erklärt der Geistliche in einem Büro, das von christlichen Symbolen wie Kreuzen und Jesusfiguren geschmückt ist. „Solche Dämonen können uns zwar erstmal Gefallen tun, uns reich machen, die Zukunft vorhersagen lassen oder so etwas.“ Aber, so David: „Irgendwann werden sie etwas einfordern. Dann wird man krank oder die Beziehungen in der Familie werden schlecht.“

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Und spätestens dann kommen solche „besessenen“ Menschen immer wieder zu Eugene David, damit er ihnen mit seinen Fertigkeiten die bösen Geister austreiben kann. David ist Priester und Exorzist der Erzdiözese Manila, dem Zentrum der Römisch-Katholischen Kirche in der Hauptstadt der Philippinen. Exorzismus, oder Teufelsaustreibung, kennt man in Deutschland vor allem aus Romanen, Horror- oder Actionfilmen. Die Praxis gilt als altertümlich und längst überholt.
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Exorzismus: In den Philippinen floriert die Geisteraustreibung
Dabei wird Exorzismus gerade in katholisch geprägten Ländern bis heute betrieben. Auf den Philippinen mit ihren 114 Millionen Einwohnern floriert die Praxis sogar. So ist Eugen David in Manila längst nicht der einzige seiner Art: An die 300 Exorzisten praktizieren in den Philippinen, allein hier in Manila sind es sieben – Tendenz steigend, denn seit kurzem werden in Manila neue Exorzisten ausgebildet.
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Im Jahr 2022 errichtete die Erzdiözese Manila erstmals ihr eigenes Trainingszentrum. Es soll die wichtigste Einrichtung für Teufelsaustreibungen in ganz Asien werden. „Als ich ausgebildet wurde, musste ich dafür noch nach Rom ziehen“, so Eugene David. In Zukunft sei das nicht mehr nötig, in Manila gibt es nun einen einjährigen Kurs. Denn der Exorzismus – in Deutschland gilt er als Randphänomen – ist in dem Inselstaat Südostasiens allseits bekannt und erlebt einen Aufwärtstrend. Der Andrang sei groß.

Instagram: Soziale Medien mitverantwortlich für den Boom
Der Geistliche Eugene David sieht dafür auch soziale Medien wie Instagram verantwortlich. „Vor allem ärmere Leute sind hier häufig verwundbar gegenüber selbsternannten Heilern, die den Menschen irgendwas versprechen.“ Oft glaubten die Menschen zwar an Jesus Christus, wüssten aber nicht genau, wie sie dem Glauben folgen sollten. „Unser Ziel ist, die Menschen vor diesen Hexendoktoren, die durch YouTube und so weiter populärer werden, mit unseren Angeboten spiritueller Heilung zu bewahren.“
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Pro Jahr behandeln David und seine Kollegen in Manila rund 150 Exorzismusfälle. „Ich persönlich beschäftige mich pro Woche mit ein bis zwei Personen, die manchmal auch längere Zeit mit mehreren Sitzungen brauchen.“ Ihren Ursprung haben exorzistische Praktiken lange vor dem Christentum. Im Alten Orient, im Alten Ägypten, im Hellenismus und in schamanistischen Umfeldern wurden bereits böse Geister ausgetrieben.
Exorzismus: Die katholische Praxis ist stark umstritten
Frühe Christen übernahmen die Praxis des Exorzismus in ihre damals neue Glaubensausübung. Die Katholische Kirche regulierte ihn und hält bis heute dran fest. Schließlich hat laut Bibel auch Jesus böse Geister ausgetrieben – was als ein Grund gilt, warum er eine so große Gefolgschaft aufgebaut habe. Unumstritten ist der Exorzismus aber nicht. In Deutschland starb die Studentin Anneliese Michael 1976 nach erschöpfenden Sitzungen mit Unterernährung.
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Heute sind die Regeln nicht nur in Deutschland strenger als früher, sondern auch in den Philippinen, beteuert Eugene David: „Wer uns aufsucht, muss seine Probleme zuerst detailliert aufschreiben. Dann leiten wir den Fall an Ärzte oder Psychiaterinnen weiter.“ Erst nach psychologischer Beurteilung werde entschieden, ob Exorzismus im konkreten Fall Sinn ergebe. Denn: „Die Grenze zwischen psychologischer und spiritueller Heilung ist sehr schmal.“
Die Mehrheit der Philippiner ist katholisch
Den Exorzismus – bei dem es sich aus Perspektive der Wissenschaft eher um eine Art Placebo-Therapie handelt – auszubauen statt abzuschaffen, ist auch eine Flucht nach vorn. Denn selbst wenn in den Philippinen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung offiziell katholisch sind, meinen es immer weniger Menschen wirklich ernst damit. Das beobachtet etwa Sabrina Gacad, Professorin für Sozialwissenschaften und Gender Studies an der University of the Philippines in Manila.
„Es gibt Studien dazu, dass in den Philippinen eine Art gespaltene Ausübung des Christentums zunimmt“, so Gacad. Das heißt konkret: Viele Menschen fühlten sich zwar der Religion zugehörig, verstehen sich als gläubig, gingen sonntags zur Kirche und orientierten sich an der Bibel. „Aber gleichzeitig erlaubt man sich, hier und da anders zu verhalten, zu sündigen. Und dann geht man am Sonntag wieder in die Kirche und es geht neu von vorne los.“
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Den Exorzismus im Land zu fördern, sei also eine Reaktion darauf, beobachtet John Paolo Rivera vom regierungsnahen Thinktank PIDS: „Die Katholische Kirche ist zwar weiterhin eine einflussreiche Institution im Land. Aber die demografischen Veränderungen haben sich auf ihren Einfluss ausgewirkt.“ So sind heute rund 60 Prozent der Erwachsenen ab den 1980er Jahre geboren und gehören damit der Generation an, die den Katholizismus weniger ernsthaft praktiziert.
Ohne Glaube keine Heilung?
„Das neue Zentrum sehe ich insofern als neuer Schritt, um die Menschen zurück zur Kirche zu bringen“, so Rivera. „Ich hab‘ mich auch schon mit einigen Leuten über die Sache unterhalten. Viele begegnen dem Ganzen aber mit Indifferenz.“ Das ist für Exorzisten jedoch keine gute Ausgangslage. Die Gebete – die von Bitten an Gott bis zu Befehlen gegenüber den Dämonen reichen – seien zwar meist wirksam, so Eugene David, aber die Voraussetzung ist, dass man auch daran glaube.
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„Normalerweise gelingt es mir, mit den Gebeten eine hundertprozentige Heilung der besessenen Person zu erreichen.“ Manchmal müsse er viele Male beten, zehnmal oder mehr. „Nur manchmal gelingt es der Person nicht, vollständig dran zu glauben und dem Herrn zu vertrauen.“ Und wenn der Glaube fehlt, dann gelinge eben auch die Heilung nicht.












