Wenn bisher davon gesprochen wurde, dass Russlands Angriff auf die Ukraine bis nach Asien reicht, dann war in der Regel die Beteiligung Nordkoreas gemeint: Der nordostasiatische Ein-Parteienstaat liefert nicht nur Militärgerät an Russland, sondern auch Tausende Männer, die an der Seite russischer Soldaten kämpfen, teils auch sterben. Am Angriff auf einen Drittstaat mitzumachen, so lautete bisher oft die Bewertung, könne nur einem ansonsten eher isolierten Staat wie Nordkorea einfallen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch glaubt man Informationen des Geheimdienstes der Ukraine, bahnt sich auch die Beteiligung eines Staates aus Südostasien an: Ähnlich wie Nordkorea soll Laos planen, Personal in diesen Krieg zu schicken, der sich von der laotischen Hauptstadt Vientiane fast 7.000 Kilometer entfernt abspielt: „Derzeit koordiniert der Kreml den Einsatz einer Pioniereinheit der laotischen Volksarmee zur Durchführung von Minenräumoperationen in der russischen Region Kursk“, so der ukrainische Verteidigungsgeheimdienst DIU.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Ukraine-Krieg: Laotische Ingenieure sollen Minen in Russland beseitigen

Laut einer Mitteilung vom vergangenen Samstag bietet das 7,7-Millionen-Land – das nach UN-Einteilungen zu den „am wenigsten entwickelten Ländern“ der Welt gehört – dem viel größeren Russland auch medizinische Hilfe an. Das Land ohne Meerzugang und mit Landgrenzen zu China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar ermögliche kostenlose medizinische Behandlung verwundeter russischer Soldaten. Für die Beseitigung von Minen in Kursk sollen 50 Militäringenieure zum Einsatz kommen.

Der ukrainische Geheimdienst erkennt darin den Versuch Russlands, den Krieg geografisch und damit auch politisch auszuweiten, dies allerdings unterm Deckmantel humanitärer Unterstützungen laufen zu lassen. Andere Experten erkennen seitens Laos den Versuch, auf der Seite des möglichen Siegers zu stehen. So sagt Chris Monday, Russlandexperte an der südkoreanischen Dongseo-Universität gegenüber dem auf Nordkorea spezialisierten Portal NK News: „Viele Länder sehen Putin kurz vorm Sieg.“

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An Russlands Seite: Laos ist auf ausländische Hilfe angewiesen

Während vor einigen Jahren noch viele Staaten gefürchtet hätten, im Fall einer Unterstützung Russlands diplomatische und handelspolitische Nachteile zu erleiden, sehe man jetzt – wie Nordkorea – vor allem Chancen auf Unterstützung aus Russland. So gab es zuletzt auch Berichte über Beteiligungen am russischen Angriff durch Kuba, Nepal und einige zentralasiatische Staaten. Russlands Präsident Putin werde es so ermöglicht, die urbane Schicht Russlands aus dem Krieg weitgehend rauszuhalten.

Laos ist jedenfalls in eher hohem Maße auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Zwar hat sich der Anteil der Entwicklungszusammenarbeit am Bruttoinlandsprodukt seit 2015 auf rund sechs Prozent halbiert. Im regionalen Vergleich ist dies allerdings noch immer eher viel. Und zwischen Russland und Laos sind die Beziehungen – wenn auch zuletzt weniger in Sachen Entwicklungszusammenarbeit – historisch schon lange eng gewesen.

Laos und Russland führen seit Jahren Gespräche über eine Militärbasis

Im Kalten Krieg zählte Laos, das bis heute ein Ein-Parteienstaat ist, zum kommunistisch regierten Teil der Welt. Vertrauten Austausch hat es auch in jüngeren Jahren gegeben, als die Sowjetunion längst zusammengebrochen und daraus als Nachfolgestaat Russland hervorgegangen war. Auf gemeinsame militärische Ausbildungen und Rüstungshandel folgten bereits gemeinsame Militärübungen.

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg

Gespräche über eine russische Militärbasis auf laotischem Boden begannen schon Jahre vor dem erneuten Angriff auf die Ukraine ab Februar 2022. Im Jahr 2024 unterzeichneten die zwei Staaten schließlich einen bilateralen Vertrag zu militärischer Kooperation. Für Laos, dessen wichtigste Handelspartner die drei Nachbarstaaten Thailand, China und Vietnam sind, gilt die nun engere Beziehung zu Russland insofern auch als Risikodiversifizierung.

Auf symbolischer Ebene hilft man sich schon länger: Als am 9. Mai 2023 mit der jährlichen Militärparade der sowjetische Sieg über Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg gefeiert wurde, war ein auf dem Roten Platz in Moskau vorgeführter, aus der sowjetischen Zeit stammender, aber offenbar noch voll funktionsfähiger T-34-Panzer aus dem Ausland geliefert worden – aus Laos.