Diesem Tag zittern Politik, Unternehmen und Arbeitnehmer rund um den Globus seit Wochen entgegen: US-Präsident Donald Trump will am Mittwoch umfassende neue Zölle auf Einfuhren in die Vereinigten Staaten verhängen. Dafür hat er eigens zu einem Spektakel in den Rosengarten des Weißen Hauses in Washington eingeladen. Trump selbst spricht vom „Tag der Befreiung“ – tatsächlich handelt es sich um eine weitere Eskalation im weltweiten Handelskrieg, den der Präsident gegen Freunde wie Rivalen der USA angezettelt hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Alle bisherigen Entscheidungen und Ankündigungen Trumps beim Thema Zölle – etwa zusätzliche Abgaben auf Importstahl oder -autos – waren nur ein Vorgeplänkel. Jetzt wird es richtig ernst. Zu den Leidtragenden dürften auch die deutschen und europäischen Exporteure mitsamt ihren Beschäftigten gehören. Ein Überblick.
Was genau wird Trump am Mittwoch verkünden?
Das ist noch unklar. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt sagte Anfang der Woche: „Der Präsident wird einen Zollplan bekannt geben, der die unfairen Handelspraktiken beendet, mit denen unser Land jahrzehntelang abgezockt wurde.“ Details nannte die Sprecherin nicht. Sie erinnerte aber daran, dass Trump in der Vergangenheit häufiger von wechselseitigen Zöllen gesprochen hatte. Das bedeutet, dass die USA überall dort die Sätze erhöhen könnten, wo sie bisher weniger verlangen als ihre Handelspartner. Zudem dürfte der Präsident in einzelnen Branchen noch stärker hinlangen, um die heimischen Produzenten vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Trump selbst hatte zuletzt gesagt, dass er Zusatz-Zölle gegen alle anderen Länder verhängen wolle und sie dann, falls notwendig, herunterhandeln könne.

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Worauf machen sich die Europäer gefasst?
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) sagte am Dienstag, dass die Vereinigten Staaten zusätzliche Zölle auf die Einfuhr von Halbleitern, Arzneimitteln und Holz erheben werden. Zudem sei mit einer Ankündigung zu wechselseitigen Zöllen zu rechnen. Diese würden sofort für fast alle Waren und viele Länder gelten und zu den Sonderzöllen hinzukommen, die Trump bereits in Kraft gesetzt oder angekündigt hat.
Für Autos will Trump früheren Angaben zufolge künftig Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent verlangen. Bislang berechnen die USA nur 2,5 Prozent, die Europäische Union hingegen verlangt zehn Prozent Zoll auf importierte Fahrzeuge. Das größte Segment im US-Automarkt sind allerdings nicht normale Pkw, sondern Pickups – und hier werden in den Vereinigten Staaten bereits jetzt 25 Prozent Zoll fällig.
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Was bezweckt Trump mit seiner Zollpolitik?
Trump glaubt, auf diese Weise Industriejobs in die USA zurückbringen zu können. Sein Kalkül: Wenn importierte Produkte teurer werden, kaufen die US-Verbraucher heimische Waren, zugleich bauen ausländische Unternehmen ihre Fertigungskapazitäten in den Vereinigten Staaten aus. Der Präsident betrachtet Zölle auch als gigantische Geldquelle, die er nutzen will, um Steuersenkungen zu finanzieren.
Trumps Handelsberater Peter Navarro hatte unlängst gesagt, die USA könnten aufgrund zusätzlicher Zölle mit Mehreinnahmen im Umfang von 600 Milliarden Dollar (rund 560 Milliarden Euro) pro Jahr rechnen. Wirtschaftsexperten halten das allerdings für zweifelhaft. Die Zollpolitik lastet schon jetzt schwer auf der US-Wirtschaft: Die Preise für Verbraucher und Produzenten steigen. Es ist möglich, dass das Land und die Weltwirtschaft insgesamt in eine Rezession stürzen. Trumps Vorgehen ist bislang auch wenig konsistent: Er hatte schon Zusatz-Zölle auf Importe aus Kanada und Mexiko angekündigt, dann aufgeschoben und schließlich doch in Kraft gesetzt, um sie gleich anschließend teilweise wieder auszusetzen. Die Verwirrung ist groß.
Wie wichtig ist der US-Markt für europäische Unternehmen?
Zwischen den USA und der EU bestehen die umfangreichsten Handelsbeziehungen weltweit. Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von 865 Milliarden Euro gehandelt. Auch für Deutschland sind die USA der wichtigste Handelspartner. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2024 Waren im Wert von 253 Milliarden Euro zwischen beiden Ländern ausgetauscht – wovon 161 Milliarden Euro auf Exporte aus Deutschland in die USA entfielen. Zehn Prozent aller deutschen Ausfuhren gingen zuletzt in die Vereinigten Staaten. Besonders abhängig vom US-Markt sind neben der Automobilindustrie auch die Pharmaindustrie, der Maschinenbau und die Chemiebranche.

Wie wird die Europäische Union auf neue Zölle reagieren?
Sie wird ihrerseits Zölle auf Einfuhren aus den Vereinigten Staaten verhängen – und zwar „entschlossen und verhältnismäßig“, wie Kommissionspräsidentin von der Leyen und ihre Mitarbeiter immer wieder betonen. Wie genau die Reaktion ausfallen wird, ist aber unbekannt. Die Brüsseler Behörde will sich nicht in die Karten schauen lassen. Denkbar ist auch, dass US-Dienstleister – etwa die großen Tech-Konzerne – mit zusätzlichen Abgaben belegt werden.
Als Trump Mitte März Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren in Kraft setzte, reagierte Brüssel zunächst mit zusätzlichen Abgaben auf Bourbon-Whiskey, Jeans, Motorräder, Boote und Erdnussbutter aus den USA. Kurz darauf setzten die Europäer den Beschluss jedoch vorübergehend aus, um Raum für Verhandlungen zu schaffen. Auch am Dienstag betonte die Kommissionspräsidentin: „Unser Ziel ist eine Verhandlungslösung. Aber wenn es nötig ist, werden wir natürlich unsere Interessen, unsere Bevölkerung und unsere Unternehmen schützen.“









