Es ist ein heftiger Schlag für die deutsche Autoindustrie: US-Präsident Donald Trump hat Strafzölle auf Autoimporte aus dem Ausland angekündigt. Jetzt droht ein Handelskrieg. Die EU und viele andere Staaten bereiten schon Vergeltungszölle vor, es könnte auch amerikanische Internet-Angebote treffen. Warum es für Verbraucher teurer wird, was auf Hersteller zukommt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Autozoll: Was hat Trump angekündigt?
Ab 3. April soll für alle Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, die nicht in den USA hergestellt wurden, ein Zoll von 25 Prozent gelten – zusätzlich zu den bereits jetzt erhobenen Einfuhrzöllen. Die Extra-Abgabe wird auch für zentrale Autoteile fällig. Trump machte bei der Ankündigung im Weißen Haus klar, dass die Zölle dauerhaft gelten sollen.
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Wie begründet Trump die Autozölle?
Die USA importieren deutlich mehr Autos, als sie selbst ins Ausland verkaufen. Trumps Plan ist, die heimische Autoindustrie zu stärken und ausländische Hersteller zu zwingen, in den USA zu produzieren – was sie in vielen Fällen schon heute tun. „Wenn sie hier keine Fabriken haben, müssen sie loslegen und sie bauen“, sagte der Präsident. Der Europäischen Union wirft Trump vor, sie belege US-Autoeinfuhren mit zehn Prozent Zoll, die USA umgekehrt nur mit 2,5 Prozent – allerdings sind die US-Zölle auf Pick-ups und leichte Transporter mit 25 Prozent viel höher. Zugleich stört sich der Präsident an europäischen Standards für Sicherheit und Emissionen.

Trumps Handelsberater Peter Navarro beschimpfte die Konkurrenz als „ausländische Handelsbetrüger“, die den einst florierenden US-Produktionssektor in einen „Niedriglohn-Montagebetrieb für ausländische Teile“ verwandelt hätten. Dies bedrohe die „nationale Sicherheit“, weil es auch die Verteidigungsindustrie aushöhle. Allerdings wird die Maßnahme vorerst die Verbraucher treffen: Der Durchschnittspreis eines in den USA gekauften Import-Autos dürfte nach Expertenschätzungen um 5.000 bis 10.000 US-Dollar steigen, im Luxusbereich auch schon mal um 50.000 Dollar und mehr.
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Wie schlimm wird es für Deutschlands Autoindustrie?
Es ist ein neuer Schock. Kein anderes europäisches Land verkauft so viele Fahrzeuge in den USA wie Deutschland: Voriges Jahr waren es 450.000 Autos, fast jedes achte Exportauto ging in die USA – umgekehrt kamen aus den USA 136.000 Autos nach Deutschland, überwiegend europäische Marken aus amerikanischen Werken. Am härtesten trifft es Porsche: Die Zuffenhausener haben kein Werk in den USA, verkaufen aber in Nordamerika fast jedes dritte Neufahrzeug. BMW setzt jedes sechste Auto in Nordamerika ab.
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Bei VW, Audi und Mercedes-Benz lag der Anteil jeweils bei 12 bis 15 Prozent. Die großen Autokonzerne – Mercedes, VW, BMW – produzieren aber längst vor Ort: 900.000 Autos wurden voriges von deutschen Herstellern in den USA gebaut, wie der Verband der deutschen Autoindustrie (VDA) am Donnerstag vorrechnete. „Die Handelsbilanz ist ausgeglichen“, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Für die Autoindustrie ist besonders bedrohlich, dass sie die Preisaufschläge nicht durch eine Fertigung in den USA umgehen kann, solange noch Einzelteile aus Deutschland kommen. Müller forderte eindringlich Gespräche der EU mit der US-Regierung, um die Zölle abzuwenden: „Die Folgen werden Verbraucher und Unternehmen spüren, sie kosten Wachstum und Wohlstand“, sagte Müller. Die Börsen reagierte nervös: Die Kurse europäischer Autohersteller sackten ab, in Deutschland waren vor allem Aktien von Porsche, Mercedes und BMW betroffen.
News aus den USA
Führende Wirtschaftsforscher äußerten allerdings die Erwartung, dass die gesamtwirtschaftlichen Folgen für Deutschland durch die Autozölle selbst gering oder überschaubar wären – vorausgesetzt, es kommt nicht zu Gegenmaßnahmen. Das Kiel-Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet, dass durch die Autozölle das deutsche Bruttosozialprodukt um 0,18 Prozent niedriger ausfällt, womit Deutschland „vergleichsweise glimpflich“ davonkäme. Auch die US-Wirtschaft selbst würde demzufolge mit minus 0,04 Prozent des Bruttosozialprodukts nur minimal leiden, doch erwartet das IfW einen Anstieg der US-Inflation um rund ein Prozent.
Wie reagieren Deutschland und Europa?
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) forderte eine entschlossene Antwort der EU auf die Zölle: „Es muss klar sein, dass wir gegenüber den USA nicht klein beigeben werden. Stärke und Selbstbewusstsein sind gefragt.“ Zuständig für die Handelspolitik ist die EU-Kommission. Ihre Präsidentin Ursula von der Leyen warnte, Zölle seien schlecht für Unternehmen und noch schlechter für Verbraucher – in den USA und in der EU. Zwar plädiert die Kommission weiter für eine Verhandlungslösung, doch hat sie bereits fertige Listen für Vergeltungszölle, die kurzfristig eingeführt werden können. Schon geplant ist, dass Mitte April wieder Sonderzölle auf US-Produkte wie Motorräder, Bourbon-Whiskey, Jeans oder Erdnussbutter eingeführt werden – eigentlich als Reaktion auf die schon beschlossenen US-Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte.

Weitere Maßnahmen will die Kommission erst bekanntgeben, wenn Trump am 2. April sein komplettes Zollpaket präsentiert hat – bis dahin will man ihn im Ungewissen lassen. Ins Visier dürften aber amerikanische Tech-Konzerne geraten, heißt es in Brüssel. Der Chef des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), fordert: „Zölle auf digitale Dienstleistungen, bei denen die USA ein großes Marktinteresse an der EU haben, sollten auf den Tisch kommen.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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US-Digitalkonzerne hätten in Europa mehr Kunden als die USA Einwohner. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm brachte Digitalsteuern ins Gespräch, die im Wesentlichen US-Konzerne treffen würden. Damit rückt ein echter Handelskrieg immer näher: Verbraucher in Europa müssen bei einer Reihe von US-Produkten mit höheren Preisen rechnen, die Amerikaner umgekehrt bei europäischen Waren. Auch die Regierungen in Kanada, Japan und Brasilien drohten Trump mit Gegenmaßnahmen.
Wie geht es jetzt weiter?
In der EU wird befürchtet, dass Trump nach den Autozöllen auch noch zahlreiche weitere Zölle plant. Trump wird sie wahrscheinlich am 2. April ankündigen, er hat diesen Termin schon als „Tag der Befreiung“ bezeichnet. Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass der Republikaner die Abgaben auch wieder aussetzt, wie er es bei ersten Entscheidungen gegen Kanada und Mexiko getan hatte. Doch Trump signalisiert vorerst das Gegenteil: Die neuen Zölle seien „von Dauer“. Der US-Präsident droht der EU und Kanada sogar weitere Aufschläge an, sollten sie zum wirtschaftlichen Schaden der USA zusammenarbeiten. Dann würden beide mit hohen Zöllen belegt, „weit höher als bisher geplant, um den besten Freund zu schützen, den beide Länder je hatten“, erklärte Trump.














