Als am Freitagmittag die Erde anfängt zu beben, ist David Eubank gerade mit einem Team im Dschungel im Süden der Shan-Provinz in Osten Myanmars unterwegs. Sie versorgen Kriegsflüchtlinge. „Plötzlich hat sich der Boden bewegt, wie ich das noch nie zuvor erlebt habe.“ Ein Beben der Stärke 7,7 erschüttert das Land. In der abgelegenen Region, in der Eubank und seine Leute arbeiten, gibt es keine Opfer. Keine, die er gesehen hat. „Die Menschen hier haben ihre Dörfer schon vorher verlassen, weil das Regime ihre Häuser zerbombt hat.“ Die Katastrophe, die jetzt das Land getroffen hat, wirft ein Schlaglicht auf ein wesentlich größeres Unheil, das Myanmar seit vielen Jahren heimsucht – den opferreichen Bürgerkrieg. 

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Myanmar in Ruins – Earthquake Amid War
Im Krisenmodus
 

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Myanmar, bis 1989 als Burma bekannt, wird von einer Militärjunta regiert, die vor vier Jahren die gewählte Regierung der Partei der Friedensnobelpreisträgerin Auung San Suu Kyi aus dem Amt putschte und seitdem einen brutalen Vernichtungskrieg gegen das eigene Volk führt. Frieden kennen die Menschen im Land aber eigentlich nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern. „Das ist der längste Krieg weltweit. Er dauert bereits über 74 Jahre“, sagt David Eubank.  

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Myanmar: Amerikaner leistet seit Jahrzehnten humanitäre Hilfe

Mit seinen „Free Burma Rangers“ ist der evangelikale US-Amerikaner und pensionierte Offizier seit über drei Jahrzehnten im Land aktiv. Sie leisten insbesondere in der Grenzregion zu Thailand humanitäre Hilfe. Unsere Redaktion erreicht ihn in einem Feldlager im Norden der Karen-Region, Heimat einer ethnischen Minderheit, die seit vielen Jahren gegen die Junta kämpft.  

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Eubank berichtet, dass die meisten Opfer der Erdbebenkatastrophe in den Großstädten Mandalay, in deren Nähe das Epizentrum des Bebens war, Rangun und der Hauptstadt Naypyidaw zu befürchten sind. „Freunde haben uns Bilder von völlig zerstörten Brücken, Straßen und Häusern geschickt.“ Aktuell meldet das Regime etwa 1700 Todesopfer, die Zahl könnte aber deutlich steigen, da noch viele Menschen unter den Trümmern vermutet werden. 

In Mandalay suchen Helfer unter den Trümmern nach Verschütteten.
In Mandalay suchen Helfer unter den Trümmern nach Verschütteten. © AFP | SAI AUNG MAIN

Konflikt in Myanmar: Regime bombt trotz des Erdbebens weiter

„Die Lage ist sehr dynamisch und chaotisch, es gibt sehr wenige Informationen“, sagt eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Trotz des Bebens stoppt das Regime seine Angriffe auf die von Rebellen gehaltenen Gebiete nicht. Die Militärjunta kontrolliert aktuell etwa ein Drittel des Landes, darunter fast alle größeren Städte. Zwei Drittel sind mittlerweile unter der Kontrolle einer Vielzahl ethnischer und politischer Gruppierungen, von denen die meisten unter dem Kommando der prodemokratischen „Nationalen Einheitsregierung“ stehen. 

Die Exilregierung hat angesichts der Katastrophe eine zweiwöchige Waffenruhe verkündet. Das Regime aber bombt weiter. „Es gab in den vergangenen Tagen heftige Luftangriffe mit Kampfjets und Drohnen, außerdem Mörserattacken“, erzählt Eubank. Seit dem Militärputsch vor vier Jahren ist der unübersichtliche Konflikt, in den über 150 verschiedene bewaffnete Gruppierungen involviert sind, erneut massiv eskaliert. Das Regime kämpft ums Überleben. 

Starkes Erdbeben in Asien (28.03.2025)
Erdbeben in Asien: Hier lag das Epizentrum des Bebens.© DPA Images | dpa-infografik GmbH

Myanmar: Die Militärjunta gerät zusehends in die Defensive

Vor dem Putsch hatte der Staat jahrzehntelang ethnische Minderheiten wie die Karen im Südosten, die Chin im Nordwesten oder die Rohingya im Westen unterdrückt und bekämpft. Nach dem Putsch vor vier Jahren rebellierten in dem Vielvölkerstaat auch erstmals ethnische Burmesen, die die Bevölkerungsmehrheit stellen, gegen die Militärjunta.  

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Das hat das Regime schockiert. Seitdem erleben wir ein Ausmaß der Gewalt wie nie zuvor. Sie zerstören Krankenhäuser und Kirchen. Früher ist das episodisch geschehen. Jetzt ist es systematisch“, sagt Eubank. Das Regime gerate zusehends in die Defensive. „Aber das geschieht zu einem fürchterlichen Preis. Wir haben nie zuvor so hohe Opferzahlen gesehen.“ 

Etwa 3,2 Millionen Menschen sollen in den vergangenen vier Jahren vor den Feindseligkeiten geflohen sein, viele leben unter prekären Bedingungen in unwegsamen Dschungelgegenden. Über 50.000 Menschen sollen bislang getötet worden sein. Zudem ist die Verseuchung durch Landminen enorm. In keinem anderen Land der Welt wurden im Jahr 2023 ausweislich des „Landminen-Monitors“ so viele Menschen durch Minen getötet oder verletzt wie in Myanmar. 

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Erdbeben in Myanmar: Helfer fordert, der Junta keine Hilfsgelder zu geben

Nach dem Erdbeben hat das Regime das Ausland um Hilfe gebeten. Derzeit scheint es aber für internationale Hilfsorganisationen aus dem Westen schwierig zu sein, ins Land hineinzukommen. Chinesische und russische Rettungsteams sollen bereits vor Ort sein, auch die Nachbarländer Indien und das selbst vom Beben betroffene Thailand leisten Unterstützung. 

Parade der Militärjunta in Myanmar: China, Russland und Nordkorea sind die wichtigsten militärischen Partner des Regimes.
Parade der Militärjunta in Myanmar: China, Russland und Nordkorea sind die wichtigsten militärischen Partner des Regimes. © AFP | Str

China und Russland sind neben Nordkorea auch die wichtigsten militärischen Partner der Militärjunta. Die Rebellen werden Helikoptern und Kampfjets aus russischer und chinesischer Produktion sowie nordkoreanischen Artilleriegeschützen bombardiert. Die Rebellen kämpfen hingegen mit veralteten Waffen, die teilweise aus der Zeit des Vietnamkriegs stammen. „Manche nutzen Musketen“, erzählt Eubank. Militärhilfe aus anderen Ländern erhalten die Aufständischen nicht. „Sie bräuchten zumindest Störsender gegen die Drohnen und Luftabwehrsysteme. Sie bekommen aber nichts außer Sympathie.“ 

Eubank fordert eindringlich: „Gebt der Regierung kein Geld. Sie wird es nur nutzen, um weiter an der Macht zu bleiben.“ Er will sich mit einigen der Untergrund-Kämpfer aus der Region, in der er sich mit seinen Helfern aufhält, auf den Weg in die Erdbeben-Gebiete machen, um dort Unterstützung zu leisten. Trotz Lebensgefahr. Seit 2021, sagt David Eubank, sind bislang 38 Helfer der „Free Burma Rangers“ bei Angriffen des Regimes ums Leben gekommen.