Während die Erde unter ihren Füßen zittert, schauen die Menschen nach oben: Das Hochhaus hinter ihnen bebt und wankt, dann stürzt es in sich zusammen. Die Aschewolke verfolgt die flüchtenden Menschen bis weit auf die Straße hinaus. Einige von ihnen tragen Bauhelme und Warnwesten. Das Gebäude in der thailändischen Hauptstadt Bangkok befindet sich noch im Bau, als es am Freitag in Folge eines schweren Erdbebens einstürzt. Später wird von drei Toten und rund 40 Vermissten die Rede sein. In einem anderen Video sind Wolkenkratzer zu sehen, die sich wie Äste im Wind wiegen. Vom Dach eines Gebäudes schwappen riesige Wassermassen aus einem Pool wie ein Wasserfall in die Tiefe.

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Myanmar in Ruins – Earthquake Amid War
Im Krisenmodus
 

Das schwere Erdbeben ereignete sich um 13.30 Uhr (Ortszeit) und erschütterte gleich mehrere Länder in Südostasien. Das Epizentrum lag in Myanmar, 16 Kilometer nordwestlich der Stadt Sagaing. Doch auch in Thailand, China und Indien war das Beben noch zu spüren. Laut dem deutschen Helmholtz-Zentrum für Geoforschung hatte es eine Stärke von 7,7. Die US-Erdbebenwarte (USGS) sprach ebenfalls von einer Stärke von 7,7.

Nach Erdbeben: Thailands Hauptstadt und Myanmar rufen Notstand aus

In Myanmar, das direkt an Thailand grenzt, stürzten als Folge der heftigen Erdstöße eine Moschee und ein Kloster ein, mindestens 15 Menschen kamen ums Leben, wie die Nachrichtenagentur Khit Thit Media unter Berufung auf Rettungskräfte berichtete. Die Moschee stand den Angaben zufolge in der Stadt Mandalay, die mit 1,6 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Myanmars ist. Zudem sollen in einem eingestürzten Hotel in Aung Ban, einem Ort im Landesinnern nahe des Epizentrums, zahlreiche Menschen eingeschlossen sein. Über ihren Zustand war am Freitag noch nichts bekannt.

Starkes Erdbeben erschüttert Bangkok
Nach dem schweren Erdbeben befindet sich Thailands Hauptstadt Bangkok im Ausnahmezustand.© action press | Pavel Karavashkin

Myanmar ist ohnehin schon seit Jahrzehnten schwer gebeutelt: Die Militärjunta hat sich 2021 wieder an die Macht geputscht und regiert das Land seither mit eiserner Faust und extremer Gewalt. Die Militärjunta hat nach dem schweren Erdbeben für sechs Regionen den Notstand ausgerufen. In einem außergewöhnlichen Schritt bat das Regime wegen der Katastrophe zudem um internationale Hilfe, wie ihr Sprecher am Freitag mitteilte. Aber auch im thailändischen Bangkok bebte es gewaltig. Thailands Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra rief den Notstand für die Hauptstadt aus. Sie hatte zuvor eine Reise abgebrochen, um eine Dringlichkeitssitzung ihrer Regierung abzuhalten.

Erdbeben-Experten rechnen mit Nachbeben

Unsere Redaktion konnte mit einer Augenzeugin sprechen, die das Erdbeben in Bangkok hautnah miterlebte. Nataly Wanhoff lebt seit 18 Jahren in der Region und ist gerade in der Hauptstadt auf Geschäftsreise. Als die Erde anfing zu beben, war sie im Einkaufszentrum „Mega Bangna“, eine riesige Mall im Stadtteil Bang Na. „Ich wollte mir gerade mein Mittagessen bestellen, da fing alles an zu wackeln“, berichtet Wanhoff unserer Redaktion. „Die Menschen haben sich umgeschaut, ich bin direkt zum Ausgang, da kam schon die Durchsage vom Betreiber der Mall: ‚Alle raus, Evakuierung‘.“ Die Menschen seien dann ruhig und geordnet aus dem Gebäude und auf den Parkplatz geströmt. „Panik hat es keine gegeben, die Leute hier sind Erdbeben gewohnt. Aus Myanmar höre ich von Kollegen aber, das sei das Stärkste, was sie seit langer Zeit erlebt hätten“, erzählt sie.

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Wissenschaftler halten die Gefahr weiterer Erdbeben in Myanmar für sehr realistisch. „Wir gehen davon aus, dass Nachbeben stattfinden. Das ist ein typischer Prozess“, sagte der Geophysiker Oliver Heidbach vom Deutschen Geoforschungsinstitut (GFZ) in Potsdam der Deutschen Presse-Agentur. Möglich seien ganze Nachbeben-Serien, die in der Anzahl und Stärke mit der Zeit abnehmen. Die Wissenschaftler rechneten damit, dass es noch in den nächsten Tagen Nachbeben der Stärke 6 bis 6,5 geben könne. Alternativ könnte es aber auch zu einem zweiten, noch stärkeren Beben kommen. „Das ist von großer Bedeutung, weil dann die seismischen Wellen, die durch starke Nachbeben erzeugt werden, schon auf vorgeschädigte Gebäude treffen“, erklärte Heidbach. Rettungsarbeiten könnten dadurch erschwert oder sehr gefährlich werden. 

Thailand: Tausende Deutsche machen dort gerade Urlaub

Thailand ist bei deutschen Urlaubern sehr beliebt und zählt auch weltweit zu den gefragtesten Reisezielen. Nach offiziellen Angaben aus Bangkok besuchen jedes Jahr rund 35 Millionen Menschen das Land in Südostasien. Ob bei dem schweren Erdbeben auch Urlauber verletzt wurden, war am Freitag zunächst nicht bekannt. Auch dem deutschen Reiseverband (DRV) lagen keine Informationen über verletzte deutsche Urlauber vor. Das teilte eine DRV-Sprecherin der Deutschen Presseagentur mit. „Aktuell gehen wir von mehreren Tausend Gästen in Thailand aus, die mit deutschen Reiseveranstaltern dort sind. Die wenigsten davon halten sich in Bangkok auf.“

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Das Auswärtige Amt hat am Freitag zur Vorsicht aufgerufen. Deutsche Staatsbürger in Thailand sollten die Nachrichten verfolgen und die Verhaltenshinweise der örtlichen Behörden sowie ihres Reiseanbieters oder Hotels beachten, hieß es am Freitag in den aktualisierten Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes. Deutsche Staatsbürger sollten sich zudem in die Krisenvorsorgeliste des Ministeriums eintragen. „Halten Sie Ihre Daten auf dem neuesten Stand und aktualisieren Sie diese, sollten Sie sich momentan nicht in Thailand aufhalten“, hieß es weiter. Besucher des südostasiatischen Landes sollten sich mit Verhaltenshinweisen bei Erdbeben vertraut machen. mit dpa