Teure Boutiquen, Anwaltskanzleien und Einkaufszentren: Im Zentrum von Gaza-Stadt, wo vor dem Krieg die Reichen Gazas flanierten, liegt jetzt fast alles im Schutt. Menschen graben in den Trümmern nach Brauchbarem, richten sich im Schatten halb eingestürzter Häuser eine Bleibe ein. Nun ordnete Israels Armee erneut an, dass sie die Gegend verlassen müssen. „Geht in den Süden“, verlautbart ein Armeesprecher auf Arabisch. Und Zehntausende, die in der Kampfpause in den Norden Gazas zurückgekehrt waren, müssen sich erneut auf den Weg machen.
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„Allein in den ersten sieben Tagen nach dem Bruch der Waffenruhe mussten 140.000 Menschen flüchten“, sagt Gavin Kelleher vom Norwegischen Flüchtlingsrat. „Sie haben überhaupt keine Ahnung, wo sie hinsollen. Es gibt keinen sicheren Ort für sie.“ Schließlich greift Israel auch im Süden des Gazastreifens an.
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Und das ist erst der Anfang, warnt Israels Verteidigungsminister Israel Katz. „Ihr werdet immer mehr Gebiete verlieren“, sagt Katz. In einem öffentlichen Schreiben an das Volk von Gaza kündigte Katz an, dass Israels Armee seine Luftangriffe in Gaza ausweiten werden. „Ihr werdet aufgerufen werden, weitere Gebiete zu evakuieren“, sagt Katz.
Israel bestätigt ganz offiziell: Es geht um den massenhaften Transfer von Menschen
Die heftigen Angriffe nähren den Verdacht, dass es Israel nicht nur um einen Schlag gegen die Hamas geht, sondern auch um den Transfer von Menschen aus Gaza – um den Plan von US-Präsident Donald Trump, in Gaza eine „Riviera des Nahen Ostens“ zu schaffen, umzusetzen.
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Will Israel den massenhaften Transfer von Menschen aus dem Gazastreifen? Vor einigen Monaten wurde das noch heftig zurückgewiesen. Nun wird er aber von Israels Regierung ganz offiziell bestätigt. Im Verteidigungsministerium wurde eine eigene Stelle zur Abwicklung der „freiwilligen Emigration“ aus Gaza eingerichtet. „Wer will denn schon in Gaza bleiben?“, fragte Außenminister Gideon Saar in einem Pressegespräch mit ausländischen Journalisten.
Ein paar Hundert Bewohner Gazas wurden bereits ins Ausland gebracht. Derzeit konzentrieren sich die Bemühungen auf Verwundete, die zur medizinischen Versorgung nach Jordanien transportiert werden, aber auch auf Arbeitsmigration nach Indonesien. Werden die Menschen danach wieder nach Gaza zurückkehren können? Niemand weiß es.

In Israel fühlt man sich von Donald Trump bestärkt
Israels Regierung fühlt sich von US-Präsident Trump bestärkt. Für die Menschen in Gaza ist der Plan, Gaza einfach als unbesiedeltes Bauland zu betrachten, ein Schlag ins Gesicht: Für sie war Gaza schon zuvor eine Riviera – bis der Gazastreifen von Israels Armee in Schutt und Asche gelegt wurde, als Reaktion auf den Überfall der in Gaza herrschenden Hamas.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Trump sagte ganz klar, dass es ihm nicht nur darum gehe, in Gaza den Schutt und die Trümmer zu beseitigen – sondern auch die rund 2,1 Millionen Menschen in Gaza. Laut Völkerrechtlern ist das die Ankündigung eines Kriegsverbrechens. Später ruderte Trump zurück: „Niemand vertreibt irgendwelche Palästinenser“, murrte Trump vor zwei Wochen.
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Israels Regierung hatte da schon längst Vorkehrungen getroffen, um Trumps Plan umzusetzen. Finanzminister Bezalel Smotritsch verkündete am Sonntag den Regierungsbeschluss, „den freiwilligen Transfer von Bewohnern in Gaza zu organisieren“.
Um den Vorwurf zu entkräften, dass es sich dabei um ethnische Säuberung handle, betonte Smotritsch, dass dieser Transfer „im Einklang mit israelischem und internationalem Recht“ vonstatten gehen werde.
Gazastreifen: Helfer verzweifelt – „nichts, absolut gar nichts wird hereingelassen“
Was Israel „freiwillige Emigration“ nennt, bezeichnet man in Gaza als das „Lauf weg oder verhungere“-Prinzip: Schon seit dem 2. März verweigert Israels Armee die Einfuhr sämtlicher Lieferungen an Wasser, Treibstoff, Nahrung und Medizin nach Gaza. „Nichts, absolut gar nichts wird hereingelassen“, sagt Clemence Lagouardat von der Hilfsorganisation Oxfam. Es handle sich um die längste totale Blockade seit Beginn des Kriegs.
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Was es noch an Vorräten gibt, kann nicht dorthin gebracht werden, wo es benötigt wird, klagt Gavin Kelleher vom Norwegischen Flüchtlingsrat. „Wir melden Israels Armee die Routen unserer Hilfstransporte, so wie wir das überall auf der Welt machen – aber wir werden trotzdem militärisch angegriffen“, sagt Kelleher. Immer mehr Hilfsorganisationen, aber auch die Vereinten Nationen, haben daher einen Teil ihres Personals aus Gaza abgezogen. Den verbleibenden Helfern droht Burnout – ganz abgesehen vom Risiko, selbst unter Beschuss zu geraten.

Gazastreifen: Nachbarstaaten stehen für Aufnahme von Flüchtlingen nicht bereit
Der Mangel an Nachschub macht den Ärzten in den Krankenhäusern die Arbeit fast unmöglich. Zu den Verwundeten der Luftangriffe kommen immer öfter auch Patienten mit schweren Verletzungen, die sie sich beim Einsturz von Gebäuden oder bei der Explosion von Blindgängern zugezogen haben, berichtet der Chirurg Feroze Sidhwa, der für MedGlobal in Gaza im Einsatz ist. Sidhwa erzählt von einem jungen Mann, der in den Trümmern eines halb zerstörten Gebäudes in Nordgaza verzweifelt nach dem Leichnam seines Vaters suchte – und dabei selbst von einstürzenden Gebäudeteilen getroffen wurde. Der Mann war schwer verletzt. „Inzwischen geht es ihm besser“, sagt Sidhwa. „Aber wir geraten bald ans Ende unserer chirurgischen Bedarfsmittel.“
Israels Regierung hofft, dass die akute Notlage die Menschen in Gaza dazu bringen wird, den Streifen zu verlassen. „Eine Illusion“ nennt das ein europäischer Diplomat, der nicht genannt werden will: Israels Nachbarstaaten Ägypten und Jordanien stehen für eine massenhafte Aufnahme palästinensischer Flüchtlinge nicht zur Verfügung. Selbst, wenn Hunderttausende Bewohner Gazas bereit wären, den Streifen zu verlassen – sie würden an der Grenze gestoppt werden.








