Es ist für die amerikanische Politik der wohl wichtigste Tag des Jahres 2026: Am 3. November finden die als „Midterms“ bezeichneten Zwischenwahlen statt, bei denen alle Plätze im Repräsentantenhaus neu vergeben werden. Außerdem wird ein Drittel der 100 Senatoren neu gewählt. Die politische Landschaft in den USA könnte sich also erheblich verändern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im Kern geht es um die Frage, ob die Demokraten oder die Republikaner in Zukunft die beiden Kammern des US-Parlaments kontrollieren. Aber warum geht es eigentlich nur um diese beiden Gruppierungen? Gibt es in den Vereinigten Staaten nur zwei Parteien?

Mehr als zwei Parteien: So wird in den USA gewählt

Ganz so einfach ist es nicht. Zwar stellten seit 1852 in den USA immer entweder die Demokraten oder die Republikaner den Präsidenten. Parteien gibt es aber deutlich mehr. Das US-Wahlsystem sorgt aber dafür, dass kleine Gruppierungen wenig Chancen auf Erfolg haben und quasi ein Zweiparteiensystem entstanden ist. Der Grund dafür ist das sogenannte Mehrheitswahlrecht. Dabei gewinnt in einem bestimmten Gebiet die Person die Wahl, die die meisten Stimmen bekommt – auch, wenn es nur eine relative Mehrheit ist.

Was damit gemeint ist, wird deutlich, wenn man die Wahl der Senatoren betrachtet. Erhält in einem Bundesstaat ein Kandidat 48 Prozent der Stimmen, ein weiterer 45 Prozent und ein dritter 7 Prozent, hat der erste Kandidat die Wahl gewonnen – obwohl nicht die Mehrheit für ihn gestimmt hat. Nach einem ähnlichen Prinzip werden in Deutschland bei Bundestagswahlen die Direktmandate vergeben.

Es gibt allerdings Ausnahmen:

  • In Georgia benötigt ein Senator mehr als 50 Prozent der Stimmen. Erreicht kein Kandidat diese Schwelle, gibt es Stichwahlen.
  • In Alaska und Maine können Wählerinnen und Wähler nicht nur einen Kandidaten wählen. Stattdessen erstellen sie eine Liste, mit ihren Präferenzen. Wenn niemand eine Mehrheit erhält, werden Stimmen entsprechend der zweiten oder gar dritten Präferenz verteilt.

Die Plätze im Repräsentantenhaus werden auch durch eine Mehrheitswahl vergeben. Gewählt wird dabei allerdings nicht in einem Bundesstaat, sondern in Wahlbezirken. Auch dabei gibt es Ausnahmen in Georgia und Louisiana (absolute Mehrheit erforderlich) sowie Alaska und Maine (Wahl mit Präferenzen).

Insgesamt führt die starke Fokussierung auf den jeweils erfolgreichsten Kandidaten aber dazu, dass vor allem die etablierten Parteien der Demokraten und Republikaner erfolgreich sind. Neue und kleinere Parteien scheitern dagegen in der Regel daran, ihre Kandidaten auf Platz 1 zu bringen.

Diese kleinen Parteien gibt es in den USA

Zu den bekanntesten kleinen Parteien in den USA zählen die Libertäre Partei, die Grüne Partei und die Constitution Party. Sie adressieren oft Themen, die von den großen Parteien nicht abgedeckt werden – etwa den Umweltschutz, Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit. Indem sie solche Positionen vertreten, erweitern kleinere Parteien das politische Spektrum und bieten Wählerinnen und Wählern mit entsprechenden Interessen eine zusätzliche Option.

Kleine Parteien wirken auch indirekt auf die Programme der großen Parteien, indem sie bestimmte Themen in den politischen Diskurs einbringen. Die Grüne Partei hat beispielsweise wiederholt das Bewusstsein für Umweltfragen geschärft, was letztlich auch Einfluss auf die Agenda der Demokraten hatte. Ebenso fördern libertäre Positionen einen stärkeren Fokus auf Freiheitsrechte und Marktwirtschaft, was vereinzelt bei republikanischen Politikern Anklang findet.