Er hat kein Geld, keine Ausweispapiere und offenbar jede Erinnerung an sein früheres Leben verloren. Seit mehr als einem Monat hält sich ein etwa 25-jähriger Mann am Flughafen Neapel-Capodichino in Italien auf. Er gibt an, Schwede zu sein und Daniel zu heißen. Doch wie er nach Italien kam, was ihm widerfahren ist und wer er tatsächlich ist, bleibt ein Rätsel.

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Die Geschichte erinnert an den Hollywood-Film „The Terminal“ mit Tom Hanks. Darin strandet der Reisende Viktor Navorski an einem Flughafen, weil er plötzlich keine gültigen Einreisepapiere mehr besitzt. Bei Daniel ist der Fall allerdings deutlich komplizierter. Denn dem jungen Mann fehlen offenbar nicht nur die Dokumente: Nach eigenen Angaben kann er sich weder an seinen vollständigen Namen noch an seine Vergangenheit erinnern.
Gestrandet in Italien: Daniel kann sich an nichts erinnern
Was Daniel über sein bisheriges Leben erzählt, wirft zahlreiche Fragen auf. Italienischen Medien zufolge berichtete er, in Rom von mehreren Männern brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt worden zu sein. Dabei seien ihm sowohl seine Ausweispapiere als auch sein Geld abhandengekommen. Wie er anschließend nach Neapel gelangte, kann er nicht erklären. Fest steht nur, dass er sich inzwischen seit mehreren Wochen am Flughafen aufhält.
Immerhin gibt es einige Anhaltspunkte, die bei der Suche nach seiner Herkunft helfen könnten: Der Mann soll fließend Schwedisch sprechen. Bei einem Gespräch auf Englisch konnte er dem schwedischen Honorarkonsul in Neapel, Pierluigi Petrone, offenbar lediglich mitteilen, dass er aus dem hohen Norden stamme und sich nicht an seine Identität erinnern könne. Ob Daniel überhaupt sein richtiger Name ist, steht ebenfalls nicht fest.
Während die Hintergründe seines Schicksals im Dunkeln liegen, hat der Unbekannte am Flughafen längst Unterstützung gefunden. Mitarbeiter und Angestellte der Geschäfte versorgen ihn mit Essen und Kleidung, auch Hygieneartikel wurden organisiert. Daniel soll sich stets höflich und unauffällig verhalten haben. Nach und nach entstand ein Netzwerk der Hilfsbereitschaft, das schließlich auch die schwedische Vertretung einschaltete.
Italien: Schwedischer Konsul kauft Daniel warme Kleidung
Inzwischen haben mehrere Medien mit dem jungen Mann gesprochen. Doch viel ist ihm nicht zu entlocken. Auf die Frage nach seiner Situation fiel seine Antwort knapp aus: „Ich brauche neue Schuhe.“
Der schwedische Honorarkonsul Petrone nahm sich des Falls an und kontaktierte sowohl die schwedische Botschaft in Rom als auch die Flughafenpolizei. Nun gilt es, die Angaben des Mannes zu überprüfen und herauszufinden, ob es in Schweden Vermisstenmeldungen gibt, die zu ihm passen könnten. Solange seine Identität ungeklärt bleibt, ist auch offen, ob Angehörige nach ihm suchen und ob sich seine Schilderungen bestätigen lassen.

Bei einem erneuten Treffen am Freitag kümmerte sich Petrone zunächst um die dringendsten Bedürfnisse des Mannes. Da Daniel offenbar nur Sommerkleidung besaß, kaufte ihm der Konsul warme Sachen für den Winter. Zugleich koordinierte er weitere Schritte, um die Suche nach der Identität des Unbekannten voranzubringen.
Ausgerechnet jetzt droht Daniel auch noch sein bisheriger Zufluchtsort verloren zu gehen. Der Flughafen Neapel-Capodichino musste am vergangenen Freitag wegen umfangreicher Arbeiten an der Start- und Landebahn vorübergehend den Betrieb einstellen. Während des gesamten Novembers soll der Flughafen geschlossen bleiben. Damit fallen auch jene Orte weg, an denen sich der junge Mann bislang tagsüber aufhalten und nachts notdürftig einen Schlafplatz suchen konnte.
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Solidarität in Neapel: Stadt sucht Unterkunft für unbekannten Mann
Einzelne Bereiche, darunter eine Bar für Flughafenmitarbeiter und der Schalter für verlorenes Gepäck, waren zunächst weiterhin zugänglich. Wie lange Daniel dort noch bleiben kann und wo er anschließend unterkommen wird, ist jedoch ungewiss.
Nun will auch die Stadt Neapel helfen. Die Gemeinde sucht derzeit nach einer Unterkunft in einem betreuten Wohnheim. Gleichzeitig läuft die Suche nach Informationen über die wahre Identität des jungen Mannes auf Hochtouren. In Italien lebende schwedische Staatsbürger haben in sozialen Netzwerken Aufrufe veröffentlicht, die mögliche Angehörige oder Freunde erreichen sollen. „Helfen wir diesem jungen Mann“, heißt es in einigen Beiträgen.
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Inzwischen hat sich in Neapel eine Welle der Solidarität entwickelt. „Er ist ein friedlicher Mensch. Wir haben ihm Pizza und Brötchen angeboten, aber er isst nicht viel. Er ist sehr bescheiden“, erzählt Ciro, der einen Imbissstand am Flughafen betreibt. Wie es für Daniel nun weitergeht, ist derzeit offen. Honorarkonsul Petrone hofft auf baldige Nachrichten aus Schweden. Sein größter Wunsch ist es, dem jungen Mann möglichst schnell zu einem neuen Anfang zu verhelfen: „Wir wollen Daniel so bald wie möglich nach Hause bringen.“










