Christa Pike überlebte ihre eigene Hinrichtung. Nun hat sich die 50-Jährige erstmals zu Wort gemeldet. Vor rund einem Monat war der Versuch gescheitert, sie im US-Bundesstaat Tennessee mit einer Giftspritze hinzurichten. Pike überlebte und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort musste sie beatmet werden. Ihre Überlebenschancen galten zunächst als gering, wie CNN berichtet. Inzwischen ist sie wieder bei Bewusstsein.

Pike berichtet über anhaltende Schmerzen und Isolation

In einer schriftlichen Erklärung beschreibt Pike die anhaltenden Schmerzen. „Mein Körper schmerzt. Meine Arme schmerzen. Meine Hände schmerzen. Mein Hals schmerzt. Ich habe immer noch Schwierigkeiten zu sprechen“, heißt es darin. Die Schmerzen seien nicht nur körperlicher Natur. „Ich leide seelisch und geistig“, fügt Pike hinzu. Sie sei zwar auf dem Weg der Besserung, „aber Heilung ist nicht dasselbe wie Wohlbefinden“.

Rund anderthalb Wochen nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch konnte Pike das Krankenhaus verlassen. Inzwischen sitzt sie wieder in dem Gefängnis, in dem sie seit rund drei Jahrzehnten inhaftiert ist. „Seit jener Nacht bin ich weitgehend isoliert auf der Krankenstation des Gefängnisses, fernab von anderen Menschen und den menschlichen Beziehungen, die mir so viel bedeuten“, erklärt sie. „Diese Isolation bringt ihre eigenen Schmerzen mit sich. Ich habe 28 Jahre in Einzelhaft verbracht, und vieles von dem, was ich heute erlebe, ist eine Wiederholung dieser Situation.“

Gescheiterte Hinrichtung: Pike überlebt tödliche Injektion

Pike wäre die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet worden wäre. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist sie die einzige Person, die jemals eine Hinrichtung durch eine tödliche Injektion überlebt hat. Als sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, seien ihre Arme geschwollen und mit Blasen übersät gewesen, berichteten ihre Anwälte. Experten vermuteten nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch, dass die verabreichten Chemikalien nicht in den Blutkreislauf, sondern in das umliegende Gewebe gelangt waren. Das könnte erklären, warum Pike überlebte.

Mein Körper schmerzt. Meine Arme schmerzen. Meine Hände schmerzen. Mein Hals schmerzt

Christa Pike

Pike war 1996 wegen Mordes an ihrer damals 19‑jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Zum Zeitpunkt der Tat war sie selbst 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und schließlich getötet worden. Pikes Anwälte führten an, dass sie die Tat im Alter von nur 18 Jahren begangen und als Opfer langjährigen sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen gelitten habe.

Die gescheiterte Hinrichtung sorgte bei Slemmers Angehörigen für Unmut. Sie kritisierten, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für Pikes Gesundheitszustand zunehmend das Opfer und dessen Familie in den Hintergrund dränge. Slemmers Mutter May Martinez forderte deshalb eine Entschuldigung des Bundesstaates. „Ich glaube, der Staat schuldet mir eine große Entschuldigung“, sagte sie dem CNN-Partner WTLV.

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mit dpa