Nach dem schweren Zugunglück in Spanien ist die Zahl der Toten nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha auf mindestens 68 Menschen gestiegen. Es gebe auch zahlreiche Verletzte und die Zahl der Todesopfer könne noch weiter steigen. Mindestens 15 Menschen würden sich laut offiziellen Angaben noch in kritischem Zustand befinden. Zu Ausländern unter den Opfern ist vorerst nichts bekannt.

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Nach übereinstimmenden Berichten spanischer Medien soll unter den Opfern auch die frühere Arbeitsministerin Fátima Báñez sein. Unter anderem berichten die Magazine „Semana“ und „El Debate“ über ihren Tod. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst jedoch nicht vor. Die 59-jährige Báñez, die zuletzt als Präsidentin der Fundación CEOE arbeitete, wollte nach Sevilla reisen.

Zugunglück in Spanien: Passagiere berichten von dramatischen Szenen

Nach offiziellen Angaben der Regionalregierung saßen in den beiden Zügen 543 Menschen. Davon saßen 397 Passagiere im Renfe-Zug und 146 im Iryo, darunter auch ein Baby. Ob dem Baby etwas passiert ist, bleibt zunächst unklar. Wie die spanische Zeitung „El País“ berichtet, befindet sich unter den Opfern auch ein Mitglied des staatlichen Rechnungsprüfungs- und Kontrollkorps. Der Verband der Steuerinspektoren bestätigte diese Info.

Überlebende schilderten spanischen Medien die dramatischen Minuten des Unglücks. Wie Jesús Jerónimo in der spanischen Zeitung „El País“ berichtet, saß er in einem Waggon des Renfe-Zuges und arbeitete an seinem Laptop. „Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft.“

Tragisches Zugunglück in Spanien: Die Zugkollision bei Toledo in Bildern

Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz.
Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz.© AFP | Oscar Del Pozo
Rettungskräfte inspizieren den Unfallort nach dem tragischen Zugunglück.
Rettungskräfte inspizieren den Unfallort nach dem tragischen Zugunglück.© AFP | Oscar Del Pozo
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Zwei Schnellzüge kollidierten am Mittwochmorgen in der spanischen Region Toledo. Dutzende Menschen kamen ums Leben.© Juanma Jiménez/EUROPA PRESS/dpa | Juanma Jiménez
Einsatzkräfte des Zivilschutzes suchen in den Trümmern nach Überlebenden.
Einsatzkräfte des Zivilschutzes suchen in den Trümmern nach Überlebenden.© AFP | Handout
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Polizisten stehen vor der Informationsanzeige am Bahnhof Santa Justa, auf dem die Unterbrechung des Zugverkehrs zwischen Madrid und Andalusien nach dem Zugunglück angezeigt wird.© Francisco J. Olmo/EUROPA PRESS/d | Francisco J. Olmo
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Ein Überlebender wird von einer Rettungskraft betreut.© action press | Cordon Press
Aus der Luft sind die beiden Züge gut zu erkennen.
Aus der Luft sind die beiden Züge gut zu erkennen.© AFP | Handout
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Waggons liegen nach dem Unglück neben der Strecke.© action press | Cordon Press
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Blick auf einen der beiden Züge, der an einem Zusammenstoß beteiligt war.© Juanma Jiménez/EUROPA PRESS/dpa | Juanma Jiménez
Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: „Es ist wie in einem Horrorfilm.“
Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: „Es ist wie in einem Horrorfilm.“© AFP | Oscar Del Pozo
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Trümmerteile eines entgleisten Schnellzuges liegen neben der Strecke.© action press | Cordon Press
NEWS -  - Another train accident: An Iryo and an AVE collide near Urda (Toledo)
Nahe Toledo ist ein Zug der staatlichen Renfe auf einen Zug des privaten Unternehmens Iryo aufgefahren.© IMAGO | Cordon Press/LiveMedia
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Trümmerteile liegen nach dem Zugunglück am Streckenrand.© action press | Cordon Press
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz. Zwei Züge stießen am Bahnhof der Stadt Urda in zusammen.© Juanma Jiménez/EUROPA PRESS/dpa | Juanma Jiménez

„El País“ zitiert auch einen Krankenpfleger der Notaufnahme in Toledo, der von Dutzenden Verletzten berichtet: „Fast alle Ankommenden haben Schnittwunden und Mehrfachverletzungen. Überall Glasscherben und Schmutz.“ Das Transfusionszentrum von Madrid hat einen „dringenden Aufruf zur Blutspende angesichts eines möglichen Anstiegs des Bedarfs an Blut aller Blutgruppen“ veröffentlicht. Im Institut für Rechtsmedizin wurde mittlerweile eine provisorische Leichenhalle eingerichtet.

Ermittler suchen nach Ursache: Menschliches Versagen im Fokus

Die Regierung geht offenbar von menschlichem Versagen aus. Ersten Erkenntnissen zufolge war in dem Gebiet in der Region Kastilien-La Mancha das automatische Sicherheitssystem ausgefallen, wie Verkehrsminister Oscar Puente sagte. Hochgeschwindigkeitszüge in der Gegend wurden zunächst gestoppt, konnten aber nach Aktivierung des manuellen Kontrollsystems weiterfahren. Der zu diesem Zeitpunkt 25 Kilometer von dem Renfe-Zug entfernte Iryo-Zug blieb aber stehen – warum, war zunächst unklar.

Ein Mitarbeiter des Schienennetzbetreibers Adif im Kontrollzentrum in Madrid ordnete dem Renfe-Hochgeschwindigkeitszug trotzdem die Weiterfahrt an, und das mit normaler Geschwindigkeit. Eigentlich hätte er in einem solchen Fall nur 40 Stundenkilometer schnell fahren dürfen.

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Der Renfe-Zug raste daher in den stehenden Iryo-Zug. Vollkommen unklar war zunächst, wieso der Mitarbeiter im Kontrollzentrum die Weiterfahrt anordnete. Verkehrsminister Puente bezeichnete dies als „unerklärlich“.