Ist es gerechtfertigt, dass Restaurants und Hotels Kinder ausschließen?

PRO von Alina Juravel

Die Lösung heißt Vielfalt statt Monopole

Autorenfoto
Alina Juravel, Mutter

Kinder sind laut. Sie sind impulsiv und haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Und das ist völlig in Ordnung, denn das alles ist Teil ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung. Die Vorstellung, dass ein Kind, vor allem im Kleinkindalter, über längere Zeit ruhig auf einem Stuhl sitzen kann, während man gemeinsam mehrere Gänge verspeist, ist naiv und entspricht nicht der Realität. Dass immer mehr Lokale, nicht nur in Deutschland, sondern jetzt auch in Italien, auf kinderfreie Zone setzen, ist daher verständlich und hat nichts mit Kinderhass zu tun.

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Als Mutter einer zweijährigen Tochter befürworte ich Restaurants, in denen ich nur Erwachsenen begegnen kann. Ich betrachte die „Adults Only“-Lokale aber nicht als familienfeindliche Konzepte, sondern als eine Ergänzung des gastronomischen Angebots. Wenn es Lokale gibt, die ausdrücklich darauf setzen, ruhige Atmosphäre zu schaffen, dann sind sie eine legitime Option – sowohl für kinderlose Menschen, die empfindlich auf Lärm reagieren, als auch für Eltern, die einen Abend ohne hektische Zwischenfälle suchen.

Natürlich sollen und müssen kinderfreundliche Lokale weiterhin existieren und sichtbar bleiben. Die Gesellschaft braucht Räume, in denen Kinder lachen, entdecken und lernen können – das ist Teil einer kinderfreundlichen, inklusiven Gemeinschaft. Genauso braucht es aber Orte, an denen Erwachsene ungestört speisen, sich auf Gespräche konzentrieren oder einfach mal abschalten können. Die Lösung heißt also Vielfalt statt Monopole: Mit einigen kinderfreien Lokalen, vielen kinderfreundlichen Angeboten und klarer Kommunikation schaffen wir Räume, in denen jeder das finden kann, was er braucht – ohne einander zu verurteilen.

CONTRA von Daniel Weidmann

‚Adults only‘ steht exemplarisch für eine kinderfeindliche Gesellschaft

Kommentarfoto Daniel Weidmann
Daniel Weidmann, kinderlos

Ach wie schön könnte das deutsche Langweiler-Idyll sein: mit einem Drink an der Hotelbar. Auf dem Liegestuhl in der Sonne brutzeln. Oder vor dem Camper sitzend die Hecke des Nachbarn bestaunen. Wären da nicht Kinder: Nervös, hektisch – und vor allem laut drängen sie sich im wohl verdienten Entspannungsurlaub in den Vordergrund. Und so sehen sich immer mehr Hotels und Restaurants gezwungen, ihre Gäste vor dem stressigen Nachwuchs einer überalterten Gesellschaft zu beschützen.

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„Adults only“ steht dann an der Tür geschrieben. Ein Schild, das kinderlose Gäste vor dem Schlimmsten bewahrt. Etwa vor einem Tropfen, der über den Beckenrand hinaus die Pool-Liege trifft. Oder vor dem Geplärre der Blagen vom Nachbartisch, die von ihren Eltern eine zweite Kugel Eis fordern.

Ist es also richtig, dass Kinder mit Eltern unter Ihresgleichen Urlaub machen – um den Rest der Gesellschaft nicht zu belästigen? Mitnichten, wie ein Gedankenspiel zeigt: Wie groß wäre der Aufschrei, wenn Hotels und Restaurants Rentnern den Zutritt verwehren: Vielleicht, weil der Rollator im Weg steht? Oder weil es im Speisesaal zu ruhig ist?

„Adults only“ steht exemplarisch für eine kinderfeindliche Gesellschaft, die den Nachwuchs als störend empfindet. Dabei sollten wir es als völlig normal hinnehmen, dass Kinder so sind, wie sie sind: lebendig, spielfreudig – und manchmal launisch. Anstatt die Mundwinkel nach unten zu ziehen, sollten wir uns ein Beispiel nehmen an dem kindlichen Elan.

Urlaub muss nicht nur entspannend auf der Pool-Liege stattfinden, sondern kann auch einfach Spaß machen. Wenn also beim nächsten Mal ein Fußball über die Hecke des Dauercamperplatzes schnellt, sollten wir nicht das ernste Gespräch mit den Eltern suchen. Ein kurzer Kick auf dem Bolzplatz kann den einen oder anderen Urlaub auch versüßen.