Einsame Palazzi zwischen dunklen Zypressen, steil abfallende Felswände über glitzerndem Wasser, Olivenhaine und uralte Steinstelen in Zitronengärten – mit diesem Panorama verführt der Gardasee seit Jahrhunderten seine Besucher. Zu den gefragtesten Ecken des Sees zählt der Corno, ein beliebter Kiesstrand, ideal für Urlauber, die einen beschaulichen Ort zum Baden suchen. Die natürliche Uferlandschaft ist ein Magnet für viele Wassersport-Begeisterte. Doch der Strand nahe der Landzunge Punta San Vigilio ist bedroht.

Urlaub am Gardasee: Traumstrand könnte verschwinden

Eine massive Erosion führe dazu, dass der Corno langsam aber sicher verschwinde, monieren Umweltschützer und fordern Maßnahmen zum Schutz des Strandes. Die Bürgerbewegung „Garda Futura“ hat sich nun mit einer entsprechenden Anfrage an den Bürgermeister der Ortschaft Garda gewandt – und nennt auch den vermeintlichen Übeltäter.

Ursache für die Erosion sei der hohe Wellengang, der von den Passagierschiffen der „Navigarda“ verursacht werde, so Italiens Umweltschützer. Die Reederei betreibt den öffentlichen Schiffsverkehr auf dem Gardasee. Mit bis zu 27 Anlandungen pro Tag verursachten die Fähren und Schiffe, die teils in hoher Geschwindigkeit unterwegs seien, einen Wellengang, der den Strand beschädige.

Starke Erosion am Strand: Ist der Schiffsverkehr schuld?

Doch das sei nicht das einzige Problem, so die Bürgerbewegung: Der starke Wellengang gefährde auch Schwimmer und Segelkurse für Kinder, die von der italienischen Marinevereinigung („Lega Navale Italiana“) organisiert werden. Frühere Maßnahmen, insbesondere Betonarbeiten zur Uferbefestigung und zur Befahrbarkeit, hätten eine künstliche Barriere geschaffen. An dieser brechen sich die Wellen, wodurch die Rückströmung noch verstärkt werde. Auch das sei für Schwimmer und Segler gefährlich.

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Die „Navigarda“ weist die Vorwürfe entschieden zurück. Der Corno-Strand werde von der Gemeinde seit Jahren mit kostspieligen Maßnahmen instandgehalten. Die Verantwortung für sichere Sport- und Freizeitaktivitäten auf dem See, könne nicht pauschal auf „Navigarda“ übertragen werden, wie der Betriebsleiter Alessandro Acquafredda gegenüber der lokalen Tageszeitung „Corriere del Veneto“ betonte. Die Flotte fahre nach offiziell autorisierten Fahrplänen und halte sich an die Bestimmungen zum Schutz des Uferbereichs und zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Erosion am Strand, so die „Navigarda“, sei auch auf die steigenden Wasserstände des Sees und nicht so sehr auf den Wellengang der Schiffe zurückzuführen.

Punta San Vigilio / Baia delle Sirene / Garda
Touristen lieben die BuchT von Punta San Vigilio. Doch der Strand ist von Erosion bedroht.© picture alliance / imageBROKER | Scholz, F.

Die Marinevereinigung sieht die Lage anders. So schreibt sie ausdrücklich, dass auch öffentliche Verkehrseinheiten Rücksicht auf Badezonen, Sportboote, Angler und Segelschulen nehmen müssen. Zudem seien Schiffsführer verpflichtet, gefährliche Wellenbildung, Sog oder Lärm zu vermeiden. Mittlerweile hat „Navigarda“ allen Beteiligten ein Gesprächsangebot unterbreitet, um über mögliche Lösungsansätze zu beraten. Wie ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz, öffentlichem Schiffsverkehr und Freizeit am Gardasee gefunden werden könnte, ist jedoch bislang offen.

Gardasee: Umweltschützer kämpfen gegen den Massentourismus

Der Strand del Corno und die Punta San Vigilio gelten als eine der schönsten Flecken nicht nur des Gardasees, sondern von ganz Italien. Die Halbinsel zwischen Garda und Torri del Benaco befindet sich genau am Schnittpunkt zwischen dem breiteren südlichen und dem schmalen nördlichen Teil des Sees und fasziniert seit jeher mit ihrem kleinen Hafen und einer Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Kein Blick auf den See ist schöner. Die Kirche San Vigilio aus dem 13. Jahrhundert gab dem Ort den Namen. Oberhalb thront eine Renaissance-Villa mit einem spektakulären Garten, unten am Wasser liegt die Locanda, früher das Gästehaus der Villa und heute ein Hotel. 

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Umweltschützer kämpfen seit jeher darum, diese Gegend vor dem Massentourismus zu schützen, der vielen Regionen Italiens schwer zu schaffen macht. So hatte Bürgermeister Bendinelli zuletzt beschlossen, dass ein großer Radweg, der als Umfahrung des Gardasee gedacht und in Planung ist, nicht den Corno-Strand erreichen wird. Denn der sei „heilig und darf nicht von einem Radweg belastet werden“, beschloss der Bürgermeister.