- Die Insel Poveglia in der Lagune von Venedig ist seit Jahrzehnten unbewohnt
- Auf der Insel steht ein marodes Gebäude, das früher als psychiatrische Klink diente
- Die Insel stand zum Verkauf und sollte privatisiert und mit Hotels bebaut werden
- Die Venezianer hatten jedoch andere Pläne für die Zukunft der „Geisterinsel“
Enge Gassen, steinerne Brücken und viel zu viele Urlauber – wie kaum eine andere Stadt ist Venedig zum Synonym für den Massentourismus geworden. Während die einen daraus Profit schlagen, versuchen die anderen, ihre Heimat zu schützen. Dass es gelingen kann, sich gegen die Übermacht der Tourismusbranche zur Wehr zu setzen, zeigt nun ein Beispiel in der Lagune von Venedig.

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Poveglia ist die letzte Insel dort, auf der es keine Touristenattraktionen gibt – und so soll es auch bleiben. Denn anstatt als Spekulationsobjekt in privaten Besitz überzugehen, übernimmt der Bürgerverein „Poveglia für alle“ die Verwaltung der Insel und plant, sie in einen öffentlichen Park umzuwandeln. Eine Entscheidung, der ein jahrelanger juristischer Kampf vorausging.
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Lost Place in Venedig: Die Insel Poveglia sollte verkauft werden
Ein Rückblick: Als der italienische Staat vor elf Jahren als Mittel gegen seine Finanzmisere das Nutzungsrecht an der Insel Poveglia für 99 Jahre veräußern wollte, meldete der heutige Bürgermeister und Unternehmer Luigi Brugnaro Interesse an. Brugnaro wollte auf Poveglia mit seinem Unternehmen Umana einen Hotelkomplex errichten. Doch sein Gebot von 513.000 Euro wurde als zu niedrig eingestuft.
Gleichzeitig sammelte die Bürgerinitiative „Poveglia für alle“ innerhalb weniger Wochen 460.000 Euro Spenden, um ein Gegengebot abgeben zu können und sich die Nutzungsrechte zu sichern. Schon damals kam die Idee auf, die Insel in einen Park zu verwandeln. Doch auch das Angebot der von „Poveglia für alle“ wurde abgewiesen. Die Begründung: andere Interessenten mit tieferen Taschen.
2018 schließlich kam ein Verwaltungsgericht zu dem Schluss, dass die Absage der Behörden an die Bürgerinitiative unrechtmäßig war – es ging immerhin um ein klar gemeinnütziges Projekt. Doch trotz dieses Urteils bedurfte es großer Hartnäckigkeit seitens der Vereinsmitglieder, bis sie den Sieg erringen konnten.

„Poveglia für alle“: Bürgerinitiative holt sich die „Geisterinsel“ zurück
„Unser Verein zählt inzwischen über 5.000 Mitglieder, die meisten davon sind Einheimische, die sich persönlich für den Erhalt der Insel engagieren“, berichtet die Vizepräsidentin des Vereins, Patrizia Veclani, gegenüber unserer Redaktion. „Die Vereinsmitglieder sind sehr unterschiedlich, es sind jüngere oder ältere Personen, sie werden aber durch ein Element vereint: die Liebe zu unserer Stadt. Wir wollen, dass diese Ecke der Lagune im Besitz der Einwohner Venedigs bleibt.“
Regelmäßig kommt Veclani mit Mitstreitern auf die Insel, um das Gelände von dichtem Gestrüpp zu befreien. Sogar die Genehmigung dafür musste die Gruppe sich erst einholen. Mit der Entscheidung über die Nutzungsrechte soll die Insel nun als Naherholungsgebiet genutzt werden. Der Verein übernimmt die Verwaltung zunächst für sechs Jahre. Man hofft, dass die Konzession dann verlängert wird. In diesem Zeitraum hat sich der Verein verpflichtet, die Insel zu pflegen, zu beschildern und eine Anlegestelle für Privatboote zu errichten. Es dürfen dort jedoch keine festen Strukturen gebaut werden, der Wald soll von den Freiwilligen des Vereins gepflegt werden, lediglich einige Obstbäume dürfen sie anpflanzen.
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Vizepräsident des Vereins: „Die Stadt gehört den Menschen“
„Unsere Vision ist, dass sich die Bürger selbst um das Gemeingut kümmern. Wir sind damit zu einem Beispiel für ähnliche Vereine geworden, die in anderen Regionen Italiens gemeinnützige Projekte pflegen“, meint Veclani. Regelmäßig werden auf der Insel Workshops, Yoga-Kurse, oder Picnics organisiert. Damit kehrt Leben nach Poveglia zurück – die ersten Venezianer kommen mit ihren Booten. Veclani hofft, dass die Insel immer mehr zu einem Treffpunkt für die Einwohner der Lagunenstadt wird. „Die Stadt gehört den Menschen, die hier leben und die Lagune lieben. Wir setzen uns mit vollem Engagement ein, damit die Bürger wieder als wahre Eigentümer Venedigs anerkannt werden“, sagt Veclani.
In der Lagune von Venedig waren in den vergangenen Jahren bereits andere kleine Inseln verkauft worden, darunter San Clemente und Sacca Sessola, auf denen sich zwei seit längerem ungenutzte Krankenhäuser befanden. Die Kliniken wurden in elegante Hotels und Kongresszentren umgewandelt. Dieses Schicksal soll Poveglia erspart bleiben.




