Wie ein Rockstar wurde Papst Leo beim „Welttag der Jugend“ gefeiert. Die Bilder gingen um die Welt: Auf einem Gelände am Stadtrand Roms begrüßte Leo XIV. die etwa eine Million angereisten katholischen Pilger aus aller Welt. Spektakulär, sein Auftritt Anfang August: Mit einem weißen Militärhubschrauber flog er zur großen Open-Air-Messe, wo die Menschen in Jubel und Tränen ausbrachen. Das Fest war die bisher größte Veranstaltung seiner knapp dreimonatigen Amtszeit.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Leo, der am 8. Mail zum neuen Papst gewählt und am 18. Mai in sein Amt eingeführt wurde, hat sich eiligst zum Idol der Jugend stilisiert. Nach ein paar Monaten zeichnet sich allmählich ab, wie er die zahlreichen Herausforderungen angeht, die ihm bevorstehen. Und was er – trotz aller inhaltlicher Nähe – anders macht als sein Vorgänger Franziskus.
Nach drei Monaten im Amt: Papst Leo macht erstmal Sommerurlaub
Das fängt schon bei Leos Urlaubsplänen an: Anders als sein Vorgänger verbringt der neue Papst seinen Sommerurlaub in der päpstlichen Residenz Castel Gandolfo am Albaner See, 30 km südlich von Rom. Hier hat er alles, was das Herz begehrt: Neben Abtauchen im Swimmingpool, kann er sich dort ausgiebig seinem Lieblingssport widmen, dem Tennis. Natürlich steht auch Wandern auf dem Programm. Der US-Papst gilt als ausgemachter Sportfan. Und so fallen auch die Geschenke der Pilger bei Audienzen aus: Mit Baseball-Kappen, Tennisbällen und T-Shirts mit Fußballclub-Logo wollen sie den Kirchenmann erfreuen.
Lesen Sie auch
Mit Leo kann man solche Späße machen. Dieser Papst hat Humor, allerdings wohl nicht so sehr die Bodenständigkeit seines Vorgängers, so die Papstkenner in italienischen Medien. Er zeige eher eine Neigung zu Dekor, jedenfalls, wenn man seinen Kleidungsstil betrachtet. Leo wird eine Tendenz zu etwas mehr Prunk und Tradition nachgesagt, was sich in den goldenen Verzierungen seiner Gewänder widerspiegelt. Allerdings trägt er wie Franziskus schwarze Schuhe – wenn auch nicht ganz so schlichte – und setzt die päpstliche Tradition der roten Schuhe nicht fort.
Neuer Pontifex löste unvorhergesehenen Hype aus
Mit Leo kommt manche Dynamik auf, mit der keiner so wirklich gerechnet hat. So hat er einen wahren Run auf päpstliche Segensurkunden ausgelöst. Der Päpstliche Almosenmeister, Kardinal Konrad Krajewski, sagte dem privaten katholischen Mediennetzwerk CNA, dass allein im Juni rund 20.000 Anträge eingingen – so viele wie nie zuvor. Das Geld fließt vollständig in karitative Projekte, wie Nothilfe nach Naturkatastrophen und Unterstützung von Kriegsopfern.
Und selbst digital punktet Leo: Um Briefmarken und Münzen des Vatikanstaats zu erwerben, muss niemand mehr nach Rom reisen. Ab sofort können die Postwertzeichen und Münzen mit dem Bild des Papstes auch ganz bequem online erworben werden. Wegen des laufenden Heiligen Jahres ist das Angebot im komplett renovierten Online-Shop derzeit besonders vielfältig.
Lesen Sie auch: Papst bleibt seinem Stammfriseur treu – nur eines hat sich geändert
Aufsehen erregte Leo auch, als er sich Ende Juli vor einer riesigen Gruppe Influencern in der Vatikan-Basilika einfand. Den meist junge Leuten, denen auf ihren Social-Media-Kanälen teils hunderttausende Menschen folgen, gab er eine große Verantwortung mit auf den Weg: „Wir leben heute in einer neuen Kultur, die durch die Technologie tief geprägt und geformt ist. Es liegt an uns – es liegt an jedem einzelnen von euch – dafür zu sorgen, dass diese Kultur menschlich bleibt.“

Vatikanfinanzen stellen Papst vor schwere Aufgabe
Aber es warten auch große Herausforderungen auf ihn, zum Beispiel was die Vatikanfinanzen angeht. Ein weiteres Jahr in Folge verzeichnet die Vermögenverwaltung des Vatikans zwar einen Überschuss, kämpft zugleich aber mit einem sinkenden Eigenkapital. Im vergangenen Jahr generierte sie 62,2 Millionen Euro Gewinn, 16,3 Millionen mehr als 2023, wie aus der neu vorgelegten Bilanz der Vatikanischen Vermögensverwaltung Apsa für 2024 hervorgeht. Aber: Das Eigenkapital sank um rund 145 Millionen Euro.
In Sachen Eigenkapital verzeichnete die Apsa bereits 2023 ein Minus von sage und schreibe 105 Millionen Euro. Insgesamt habe die Vermögensverwaltung 46,1 Millionen Euro zur Deckung des Bedarfs der Kurie, also der vatikanischen Behörden mit ihren Gehältern, Sachausgaben und Dienstleistungen, beitragen können, während es im Vorjahr 37,93 Millionen Euro waren.

Es hat sich also einiges angestaut: Die Vatikanfinanzen sind angeschlagen, Fragen zu Missbrauchsaufarbeitung und Verwaltungsstruktur drängen. Bislang geht Leo, so seine Kritiker, solche Themen eher hinter den Kulissen an, was von manchen als besonnen, von anderen als zögerlich gewertet wird.
Gerüchte um Neubesetzung: Wen wird Leo ernennen?
Auch die Verwaltung ruft: Leo muss die Behörde nachbesetzen, die er selbst bis zu seiner Papstwahl leitete. Es geht um die Spitze des wichtigen Bischofsdikasteriums, einer zentralen Behörde, die – mit Ausnahme von Afrika und Asien – weltweit die kirchliche Personalpolitik steuert. Es gilt als wahrscheinlich, dass er jemanden von seinen früheren Mitarbeitern in der Behörde nach oben befördert.
Leiser geworden sind die Spekulationen um einen möglichen neuen Kardinalstaatssekretär. Pietro Parolin (70) scheint fest im Sattel zu sitzen – nachdem er beim Konklave Anfang Mai zunächst als Top-Personalie bei der Papstnachfolge galt. Möglicherweise belohnt Leo XIV. nun den einstigen Favoriten, weil der zu seinen Gunsten zur Seite trat. Jedenfalls harmonieren die Nummer eins und die Nummer zwei im Vatikan derzeit so gut, wie es im vorigen Pontifikat nur selten der Fall war.
Lesen Sie auch
Leo und Franziskus: Das macht der neue Papst anders
Nach dreimonatiger Amtszeit ist es wohl noch ganz normal, dass immer wieder Vergleiche herangezogen werden: Franziskus, der Extrovertierte. Leo, der weniger auf spontane öffentliche Gesten setzt, sondern eher im Hintergrund aktiv wird. Bei vielen Reformanliegen bleibt er jedoch der Linie von Franziskus treu, etwa der Stärkung des Dialogs mit anderen Religionen, der Sorge um Flüchtlinge und dem Einsatz für den Weltfrieden.
Eine Neuigkeit aber ist auch die, dass der sprachlich versierte Papst bei Sonntagsmessen die Pilger nicht nur laut Tradition auf Italienisch, sondern auch in seiner englischen Muttersprache und auf Spanisch grüßt. Und, was viele überraschte: Der Papst zeigt eine Vorliebe für Gesang. So leitet er mit klarer, klangvoller Stimme die liturgischen Gesänge ein.
Franziskus war nie als sangesfroh aufgefallen. Das lag zum einen an seiner Herkunft aus dem Jesuitenorden, der dem Kirchengesang traditionell keine große Bedeutung beimisst – zum anderen fiel dem Argentinier wegen einer Lungenschwäche das Singen schon schwer, noch ehe er zuletzt an einer doppelseitigen Lungenentzündung erkrankte.










