Wer derzeit Urlaub auf Sylt macht, begegnet ihnen zwangsläufig: Quallen. Glibberige, durchscheinende Körper liegen im Sand, manche vom Wasser noch umspült, andere bereits matt in der Sonne vertrocknet. Auch an anderen Orten der schleswig-holsteinischen Küste driften die Tiere derzeit ungewöhnlich nah ans Ufer.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Was wie eine stille Invasion wirkt, hat allerdings erklärbare Ursachen – und ist alles andere als bedrohlich, sagt Dennis Schaper, Leiter von der Schutzstation Wattenmeer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „In einer Kreisbewegung werden die Quallen besonders bei Ostwind sowie durch Wellen und Gezeiten aus tieferen Wasserschichten in Richtung Strand oder in Strandnähe bewegt.“
Seit Freitag seien „rund fünf Tage lang zahlreiche wirbellose Meerestiere in der Nordsee vor Sylt“ zu beobachten gewesen. Inzwischen habe die Zahl wieder leicht abgenommen – auch wegen des Wetterwechsels.
- Sommerurlaub: Hitze – Arzt warnt vor diesen Urlaubszielen und nennt 4 Kriterien
- Urlaubsplanung: „Touristen sind wie Lemminge“ – Wohin Sie nicht reisen sollten
- Fliegen: Flugangst: Piloten verraten, welche Tipps wirklich helfen
- Beliebte Insel: Mallorca als Sauf-Hotspot? Experte: „Ehefrau ist nicht dabei“
- Reisen: Mäuse, Dreck, Verspätung: Wie schlimm ist es im FlixTrain?
Quallen in der Nordsee: Warum sie derzeit näher ans Land driften
Normalerweise treiben Quallen eher in tieferem Gewässer und halten sich dort in Bodennähe auf. Doch derzeit sind die Bedingungen an der Nordsee wie gemacht für das Driften der Quallen Richtung Ufer: Geringe Brandung, bestimmte Windrichtungen und der Wechsel der Gezeiten tragen laut dem Experten dazu bei, dass die Tiere vermehrt strandnah auftauchen.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: die Wassertemperatur. „Hohe Temperaturen sorgen zudem dafür, dass die Population wächst – und dadurch in dieser Jahreszeit auch mehr Tiere angespült werden“, erklärt Schaper. Die meisten Tiere erreichen die Küste dabei noch lebend. „Sobald sie an Land gespült werden, vertrocknen aber viele.“ Das massenhafte Auftreten sei also meist ein kurzes Schauspiel.
Lesen Sie auch: Experte erklärt: Hitzewellen wie diese sind erst der Anfang
Quallen in der Nordsee: Wie gefährlich sind sie wirklich?
Grund zur Panik gibt es nicht. Zwar handelt es sich bei Quallen um sogenannte Nesseltiere – ausgestattet mit kleinen, giftigen Kapseln, die bei Kontakt mit der Haut reizen können. Doch die allermeisten Arten in Nord- und Ostsee sind harmlos. „Man sollte im Wasser mal nach links und rechts schauen“, rät Schaper. Doch Angst müsse niemand haben. „Wir haben hier keine Quallen, die tödlich oder stark giftig sind“, versichert er.
Anders sieht es bei wenigen Ausnahmen aus. Das Landesamt für Umwelt in Schleswig-Holstein weist auf drei besonders stark nesselnde Arten hin, die regelmäßig in Nord- und Ostsee vorkommen: die Gelbe Nesselqualle – umgangssprachlich auch Feuerqualle genannt –, die Blaue Nesselqualle sowie die Kompassqualle.

„Nach Hautkontakt können starke, brennende Schmerzen auftreten, gefolgt von Juckreiz, Schwellungen und gegebenenfalls striemenförmiger Blasenbildung“, so das Amt. In sehr seltenen Fällen könne es sogar zu sogenannten systemischen Reaktionen kommen, darunter Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen sowie Atem-, Herz-Kreislauf- oder Bewusstseinsstörungen.
- Strand und Meer: Am Wattenmeer – Das sind die schönsten Nordsee-Inseln
- Borkum bis Sylt: Alle Infos zur deutschen Nordsee
- Baden und Sonnen: Das sind die schönsten Strände an der Nordsee
- Urlaub am Meer: So klappt die Nordsee-Reise mit dem Hund
- Grün, gelb, rot: Diese Bedeutung haben Strandfahnen an Ost- und Nordsee
Quallenkontakt beim Baden: Was Badegäste beachten müssen
Wer beim Baden mit einer Qualle in Berührung kommt, sollte möglichst ruhig bleiben und besonnen handeln. „Beim Kontakt mit einer Qualle sollten alle auf der Haut klebenden Tentakel entfernt werden – zum Beispiel, indem sie mit Meerwasser abgespült werden“, empfiehlt das Landesamt. Keinesfalls sollten die Tentakel mit der Hand oder einem Handtuch abgerieben werden – das könnte die Nesselkapseln zusätzlich aktivieren.
Mehr dazu: Quallenstiche im Urlaub: Was sofort hilft – und was nicht
Quallenlage auf Sylt: Wind dreht – und Entspannung naht
Auch wenn die Quallen derzeit vielerorts sichtbar sind – ein dauerhafter Zustand ist laut Expertinnen und Experten nicht zu erwarten. „Der Wind hat bereits gedreht“, erklärt Martin Schmidt vom Landesamt für Umwelt gegenüber der BILD Zeitung, „und die nun schon seit mehreren Tagen anhaltenden Westwinde sollten vor Ort schon zu einer Abnahme der Quallenmenge geführt haben.“
Die aktuelle Situation an der Nordsee zeigt einmal mehr, wie dynamisch sich ökologische Prozesse gestalten – und wie wenig Kontrolle der Mensch über diese natürlichen Rhythmen hat. Wer jetzt Urlaub an der Küste macht, sollte wachsam, aber unbesorgt sein – und das faszinierende Schauspiel aus sicherer Entfernung betrachten.
dpa/ew




