Ein Rochen in Gitarrenform, eine fächerartige Koralle und eine Schnecke mit harpunenartigen Giftzähnen – das sind nur drei der 866 bislang unbekannten Arten, die Forscher im Rahmen des Ocean Census entdeckt haben. Das groß angelegte Projekt dokumentiert das Leben in den Weltmeeren und schließt Lücken im Wissen über die Tiefsee.

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Zehn Expeditionen führten Wissenschaftler in die Tiefen der Ozeane, von tropischen Gewässern bis in eisige Regionen. Mithilfe von Tauchern, ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen und Tauchbooten spürten sie Lebensformen auf, die zuvor noch niemand beschrieben hatte. „Wir stehen erst am Anfang“, sagt Meeresbiologin Michelle Taylor von der Universität Essex. „Schätzungsweise kennen wir erst zehn Prozent aller Meeresarten.“

Die neu entdeckten Organismen stammen aus Tiefen zwischen einem und knapp 5.000 Metern. Darunter sind ein neuartiger Seestern aus der Norwegisch-Grönländischen See, eine Tiefseeschnecke mit giftigem Biss und eine zarte, achtarmige Koralle von den Malediven. Besonders bemerkenswert: Ein Gitarrenrochen vor der Küste Afrikas, der Merkmale von Haien und Rochen vereint. Die Entdeckung ist bedeutsam, denn viele Arten sind weltweit stark bedroht.

Meerestiere bedroht: Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit
Die Identifikation neuer Arten ist ein langwieriger Prozess. Bis eine Spezies offiziell anerkannt wird, können Jahre vergehen – im Durchschnitt dauert es 13,5 Jahre. Manche Lebewesen könnten aussterben, bevor sie überhaupt dokumentiert sind. „Wir müssen schneller werden“, mahnt Taylor. Neue Technologien wie Umwelt-DNA-Analysen und Echtzeit-Bildgebung könnten die Forschung beschleunigen.

Ocean Census wurde 2023 ins Leben gerufen und hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Innerhalb eines Jahrzehnts sollen 100.000 neue Arten erfasst werden. Mitsuyuki Unno, Exekutivdirektor der Nippon Foundation, die das Projekt unterstützt, betont: „Der Ozean bedeckt 71 Prozent unseres Planeten, doch über die meisten seiner Bewohner wissen wir kaum etwas.“




