Musik, Tanz, Sommerlaune – die „Fête de la Musique“ am 21. Juni ist das größte Musikfestival Frankreichs. Im ganzen Land folgen Millionen an Straßenecken, im Stadion oder dem Stadtpark großen und kleinen Konzerten. Doch für 145 meist weibliche Besucher wurde die riesige „teuf“, wie man eine Fete auf Französisch nennt, zum Alptraum.

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An zahllosen Orten, die teils mehr als tausend Kilometer auseinander liegen, berichteten sie vom gleichen Phänomen: Beim Tanzen und Singen mitten in der Menge verspürten die Frauen plötzlich einen stechenden Schmerz – kurz darauf wurde ihnen übel. Sie mussten erbrechen, verloren bisweilen kurz das Bewusstsein, später klagten sie über Taubheit, verschwommene Sicht, Gummibeine oder Halsschmerzen.
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Viele der betroffenen Mädchen und Frauen begaben sich in Behandlung, andere erstatteten bei der Polizei Anzeige wegen „Spritzenattacken“. Im Vorfeld hatte es Warnungen in den sozialen Netzwerken gegeben. Verantwortungslose User riefen dazu auf, „bei der Fête de la Musique Frauen anzugreifen und zu stechen“, wie ein besonders deutlicher Eintrag lautete. Noch ist unklar, wer hinter den Aufrufen steckt.
Frankreich: Mehr als 20 Spritzenattacken allein in Paris
Das Phänomen der „piqures“ (Stiche) ist in Frankreich seit 2022 bekannt. Damals berichteten Opfer erstmals von Stichen, die sie in Diskotheken, bei Konzerten oder Strandfesten erhalten hätten. Es kam zu etlichen Anzeigen und Verhaftungen. Die Ermittlungen verliefen allerdings im Sand, handfeste Beweise fehlten und Motive wurden nie klar. Die mutmaßlichen Täter, meist junge Männer, kamen wieder auf freien Fuß.
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Nun die neuen Fälle. Am Sonntag gab die Polizeipräfektur in Paris offiziell bekannt, sie habe im Großraum der Hauptstadt 21 Spritzenattacken registriert, davon 13 bei musikalischen Anlässen in der Hauptstadt. „Einige Opfer wurden zu toxikologischen Untersuchungen in Krankenhäuser eingewiesen“, hieß es. Im Fall einer 15-jährigen Teenagerin, eines 18-Jährigen und einer erwachsenen Frau eröffnete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen.
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An manchen Orten trat das Phänomen gehäuft auf. In der Gemeinde Brunoy bei Paris wurden laut den Behörden fünf junge Frauen Opfer von Spritzenattacken. „Zwei Hirnlose genügten, um uns den Festabend zu verderben“, bedauerte Bürgermeister Bruno Gallier nach einer doppelten Festnahme. Am Sonntag gab er bekannt, dass es den jungen und geschockten Opfern besser gehe, ihre Eltern wollten aber Anzeige erstatten.
„Needle Spiking“: Noch ist unklar, was in den Spritzen steckte
Das französische Innenministerium erklärte, dass landesweit insgesamt zwölf Verdächtige festgenommen worden seien. In der westfranzösischen Stadt Angoulême fasste die Polizei – ob auf frischer Tat oder auf Anzeige von Opfern – gleich vier mutmaßliche Täter. Sie sollen rund fünfzig Frauen gestochen haben. Die Festgenommenen kamen allerdings am Sonntag wieder frei. Sie bestritten die Vorwürfe allesamt. Die Polizei fanden bei ihnen keine Spritzen oder spitzen Objekte.
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Medien und Experten fragen sich nun, was hinter dem sogenannten „Needle Spiking“ (frei übersetzt: „Nadelstechen“) stecken könnte. Ähnliche Berichte gab es in der Vergangenheit immerhin auch aus Berlin oder London. Wollen die Täter ihren Opfern die Partydroge GHB – ein Schlafmittel, das meist mit K.O.-Tropfen in Verbindung gebracht wird – spritzen, um sie anschließend zu vergewaltigen? Wollen sie ihren Opfern HIV-Viren injizieren? Enthalten die Spritzen überhaupt etwas? All das ist Sache der Ermittlungen.
Vorwürfe gegen Pariser Bürgermeister: „Frauen können nicht mehr feiern“
Tatsache ist: Je mysteriöser die Täter und ihre Motive, desto größer die Angst, wie auch die Debatte in den sozialen Medien zeigt. Viele Frauen waren schon im Vorfeld des Festes verunsichert. Die oft bis in die Morgenstunden gefeierte „Fête de la Musique“ ist ohnehin ein Nährboden für Trittbrettfahrer; das zeigte sich auch bei den schon fast obligaten Krawallen. Nach Angaben der Pariser Feuerwehr setzten Randalierer gut 50 Fahrzeuge in Brand. Die bis spätabends unerträgliche Hitze sorgte ihrerseits für eine aufgepeitschte Atmosphäre.
Die Kulturministerin Rachida Dati warf Bürgermeisterin Anne Hidalgo vor, die Lage nicht im Griff gehabt zu haben. „Bei jedem Fest in Paris gibt es Chaos. Frauen können nicht mehr feiern, ohne angegriffen zu werden“, schrieb Dati, die selbst für das Amt der Bürgermeisterin von Paris kandidieren will.












