Die Jagd nach dem ultimativen Urlaubsfoto bringt immer mehr Menschen in gefährliche Situationen – auch am größten aktiven Vulkan Europas. Der Ätna auf Sizilien war am Montag erneut ausgebrochen und hatte dabei glühende Lava und Asche gespuckt. Eine pyroklastische Strömung – also eine Art feurige Staublawine aus Asche, Gas und Gestein, die durch einen Einsturz an der Nordseite des Südostkraters ausgelöst wurde – löste eine riesige Rauchwolke aus, die tausende Meter hoch in den Himmel stieg. Immerhin: Schwerere Schäden wurden nicht gemeldet.

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Im Internet kursieren derzeit jedoch zahlreiche Bilder und Videos des gewaltigen Naturereignisses und wecken somit Bedenken über die Sicherheitsvorkehrungen auf dem 3000 Meter hohen Vulkan. In mehreren Clips ist zu sehen, wie Wanderer auf den Pfaden des Vulkans fliehen, während sich eine Eruptionswolke nähert. Die Bilder zeigen außerdem Menschen mit Schutzhelmen, die ihre Schritte beschleunigen, während sich die Aschewolke auf sie zubewegt. Die Tatsache, dass die Ausflügler Helme tragen, lässt vermuten, dass sie sogar von Reiseleitern begleitet wurden.
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In den Videos ist zu sehen, wie die Menschen während ihrer Flucht ihre Smartphones in der Hand halten, um die Szene zu filmen. Dass eine solche Situation überhaupt entstehen konnte, sorgt bei den italienischen Behörden für großes Unverständnis. Wird die Gefahr am Ätna vielerorts einfach unterschätzt und sogar zu touristischen Zwecken ausgenutzt?

Urlaub-Ärger am Ätna: „Es ist nicht hinnehmbar“
Einige dieser Videos wurden jetzt auch von internationalen Medien aufgegriffen und lösten Diskussionen über die Sicherheitsvorkehrungen für Wanderer an den Hängen des Vulkans aus. Francesco Russo Morosoli, Leiter der Seilbahn, die Touristen zur Nordflanke des Ätna führt, betonte, dass der Seilbahnbetrieb nach dem Vulkanausbruch sofort eingestellt wurde, als der Ausbruch bekannt wurde. Reiseführer hätten jedoch trotz der Gefahren zu Fuß Touristen in die Nähe des Kraters begleitet. Erst als einige Ausflügler die gefährliche Situation erkannten, ergriffen sie die Flucht.
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„Es ist nicht hinnehmbar, dass ein Vulkanausbruch dem Image des sizilianischen Tourismussektors einen so schweren Schaden zufügt. Die im Internet kursierenden Fotos und Videos versetzen unserem Ruf einen schweren Schlag. Die Behörden müssen unbedingt eingreifen, um dem Mangel an Regeln am Nordhang unseres Vulkans Einhalt zu gebieten. Die Regeln gelten für alle, und wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht missachtet werden“, erklärte Morosoli in einer Pressemitteilung.
Touristensetzen sich über Warnung hinweg: Zugang zum Vulkan war verboten
Auch der Generaldirektor des sizilianischen Katastrophenschutzes, Salvo Cocina, ist verärgert. „Der Zugang zur Vulkanspitze war bereits seit Montag um 5:30 Uhr verboten. Leider haben sich viele nicht daran gehalten. Zum Glück ist nichts passiert“, so Cocina laut Medienangaben. Welche Konsequenzen den Reiseführern, die die Warnungen ignorierten, drohen könnten, ist bisher noch nicht bekannt.
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Schon bei den vergangenen Eruptionen des Vulkans im letzten Winter kam es wiederholt zu Problemen mit Urlaubern. Ausflügler, die die Eruptionen fotografieren wollten, verstopften mit ihren Fahrzeugen die engen Straßen entlang des Vulkans und behinderten dabei die Rettungskräfte. Dabei ignorierten viele die einfachsten Sicherheitsregeln. Videos zeigen Touristen, die der Lava gefährlich nah kommen, teils beim Skifahren.

Vulkan: Ätna gilt als wichtiger Wirtschaftsfaktor
Inzwischen ist die neue eruptive Phase des Ätna vorläufig beendet, wie das Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mitteilte. Am Flughafen der Stadt Catania ist die Erleichterung groß. Eine Schließung des Airports wegen der Asche des Vulkans würde zu Beginn der Sommerzeit erhebliche Probleme verursachen. Die Umleitung der Flüge auf den Flughafen Palermo sorgt immer wieder für große Unannehmlichkeiten. Der Airport Catania ist mit über fünf Millionen Passagieren pro Jahr der größte Siziliens. Er liegt an der Ostküste der Insel, etwa sieben Kilometer vom Zentrum Catanias entfernt. Hier landen viele Touristen, die die beliebten Urlaubsorte Taormina und Giardini Naxos besuchen.
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Der Vulkan stellt für Sizilien nicht nur eine Gefahr dar, sondern spendet auch Leben und trägt zum wirtschaftlichen Erfolg der Gegend bei – nicht nur als Touristenattraktion. Dank seiner fruchtbaren Asche gedeihen rund um den Berg Orangen, Zitronen, Mandarinen, Mandeln, Oliven, Wein und sogar eine nur in Sizilien vorkommende Pistazienart. Botaniker haben am Ätna, der zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt, über tausend verschiedene Pflanzenarten katalogisiert.




