Die Spuren der Katastrophe sind noch allgegenwärtig: Risse ziehen sich durch Hausfassaden, Putz bröckelt von den Wänden. Viele Menschen in der Nähe des Supervulkans in Italien sind immer noch ohne festes Dach über dem Kopf. Bei dem Erdbeben am 13. März kam es zu einer Erschütterung mit Stärke 4,4, die große Sachschäden verursachte. Es folgten mehrere Nachbeben.

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Das Areal des Supervulkans bei Neapel ist eines der aktivsten Vulkangebiete der Welt. In den letzten Jahren hat seine Seismizität erheblich zugenommen. Die Angst vor weiteren Beben ist groß. Daher bemühen sich Vulkanologen um die Entwicklung von Systemen, die Erdbeben vorhersehbar machen könnten.

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In einer Studie des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV), die in der Fachzeitschrift „Remote Sensing Letters“ veröffentlicht wurde, wird eine Methode zur Analyse von Wärmebildern beschrieben, die von der Internationalen Raumstation (ISS) aufgenommen wurden. Damit können signifikante Temperaturschwankungen in der Region der Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) erkannt werden – ein mögliches neues Frühwarnsystem für Erdbeben am Supervulkan.

Größte Eruption am Supervulkan: Sämtliches Leben nahezu komplett vernichtet

Die Methode nutzt die Daten des „Ecostress“-Instruments, eines auf der ISS installierten NASA-Sensors, der im Abstand von etwa drei Tagen immer wieder das Kraterfeld „Solfatara“ überfliegt. Dabei schätzt der Sensor die Oberflächentemperatur mit einer hohen Auflösung von etwa 70 Meter.

Die italienischen Wissenschaftler erstellten zwei Temperaturzeitreihen, die aus Wärmebildern von zwei Gebieten der Solfatara zwischen 2021 und 2024 gewonnen wurden. Die festgestellten Temperaturschwankungen wurden dann mit den wichtigsten seismischen Ereignissen in diesem Gebiet verglichen. „Wir haben in der Zone der Solfatara anomale Temperaturschwankungen festgestellt, die einigen der größeren Erdbeben vorausgingen, und zwar mit einem Vorlauf von einigen Tagen bis zu einigen Wochen“, erklärt Alessandro Piscini, INGV-Forscher und Autor der Studie.

Erdbeben in Neapel
Erst im März kam es im Gebiet von Neapel zu einem Erdbeben mit schweren Erschütterungen. Noch immer sind viele Menschen ohne Dach über dem Kopf.© DPA Images | Alessandro Garofalo

Am 17. Mai 2024 zum Beispiel kündigte ein Temperaturanstieg von fünf Grad das Erdbeben der Stärke 4,4 an. Dabei handelte es sich um die stärkste Erschütterung in der Gegend seit 40 Jahren. Für das Erdbeben der Stärke 4,2 am 27. September 2023 betrug der Temperaturanstieg am 21. September sogar mehr als sieben Grad. Eine weitere Erkenntnis: Der Temperaturanstieg habe sich in den letzten Jahren erhöht. Und auch andere Signale des aktiven Vulkans häufen sich, darunter das Phänomen der Bodenhebung („Bradyseismus“) oder erhöhte Kohlendioxidwerte in der Luft.

Supervulkan schreckt Urlauber ab: Orte bangen um Tourismus

Inzwischen rüstet sich die Region des Supervulkans für weitere mögliche Erdbeben. So wurde in Neapel von der regionalen Katastrophenschutzbehörde ein großes Zelt aufgestellt, in dem Erdbebenopfer Zuflucht finden. Vincenzo De Luca, Präsident der Region Kampanien, zu der das Gebiet des Supervulkans gehört, bat die Regierung in Rom um finanzielle Unterstützung für Familien und Unternehmen, die wegen der wiederholten Erdbeben schwere Schäden erlitten haben.

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Die Gegend bangt vor allem um den Tourismus. Seit der jüngsten Erdbebenserie haben mehrere Urlauber, unter anderem aus dem Ausland, ihren Sommerurlaub in der Gegend abgesagt. Der Schaden ist groß, da die Region hauptsächlich vom Fremdenverkehr lebt.