Für die deutschen ESC-Hoffnungen Abor & Tynna stand am Samstagabend in Basel der wichtigste Auftritt ihrer Karriere an: Vor einem weltweiten Publikum von knapp 200 Millionen Menschen traten sie im Finale des Eurovision Song Contest mit ihrem Song „Baller“ auf.

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Das Geschwisterpaar lieferte ab. Und belegte am Ende des Abends dennoch keinen der vorderen Plätze. Immerhin: Deutschland ist nach Jahren voller Pleiten wieder Mittelmaß beim ESC – aber ist das nun gut oder enttäuschend? Nach dem 15. Rang ist die Unsicherheit greifbar, wie das Ergebnis einzuordnen ist.
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Hätte Deutschland eine bessere ESC-Platzierung verdient gehabt?
PRO von Pascal Biedenweg
Tynna traf nicht jeden Ton – aber garantiert den Nerv der Zeit
Pascal Biedenweg, Digital Lead
Klar, die Konkurrenz beim ESC war groß – aber dieses Jahr hatte Deutschland endlich wieder einen echten Trumpf im Ärmel: Abor & Tynna. Jung, anders, kompromisslos. „Baller“ ist kein Song – das war eine Kampfansage im 4/4-Takt.
Kein weichgespülter Einheitsbrei auf Englisch. Sondern: Clubhymne mit Tiefe. Und das auf Deutsch. Das fiel auf. Und das blieb hängen. Deutsch hat selten so cool geklungen – und war eigentlich noch nie so konkurrenzfähig.
Der Sound? Eigenständig, mutig, überraschend. Die Performance? Ein leuchtendes Cello, minimalistische Choreo, düstere Ästhetik irgendwo zwischen Kunstinstallation und Kellerclub. Wer da nicht hinsah, hatte vermutlich zu lange in der Sauna der schwedischen Konkurrenz geschwitzt.

Und ja – Tynna hatte kein Stimmvolumen für drei Oktaven. Musste sie auch nicht. Ihre Stimme klang fragil, fast brüchig – und genau deshalb glaubwürdig. Sie traf vielleicht nicht jeden Ton – aber garantiert den Nerv der Zeit. So wie Lena damals.
Ein Platz in den Top Ten wäre nach diesem Auftritt mindestens verdient gewesen. So können Abor & Tynna trotzdem stolz auf ihre Performance sein. Und ein bisschen wütend: Denn dass Deutschland von der Jury aus dem Nachbarland Österreich genau 0 (in Worten „Null“) Punkte erhalten hat, ist nicht weniger als ein echter Skandal!
CONTRA von Patricia von Thien
Ein bisschen Berghain reicht nicht für die ESC-Krone
Patricia von Thien, Chefin vom Dienst
Abor & Tynna sind jung und frisch – und damit ein Gegenentwurf zu vielen deutschen Acts der vergangenen Jahre. Eine gute Wahl, die ESC-Legende Stefan Raab getroffen hat. Doch bei allem Lob: Es war bereits im Vorfeld klar, dass die beiden Geschwister keine Chance beim Eurovision Song Contest haben werden.
„Baller“ ging durchaus ins Ohr. Die Inszenierung war modern und erinnerte an wilde Clubnächte, dazu war Abor am leuchtenden Cello ein Blickfang. Die Konkurrenz war an diesem Samstagabend aber einfach besser.
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Schweden brillierte mit einer Sauna auf der Bühne und drei sympathischen Sängern, die sich selbst auf die Schippe nehmen. Österreich punktete mit einer unglaublichen Stimme. Malta und Finnland polarisierten mit nackter Haut und Anrüchigkeit. Da reichte ein bisschen Berghain in Basel nicht, um sich die ESC-Krone aufzusetzen.
Das größte Problem war aber das dünne Stimmchen von Tynna. Niemand bestreitet, dass sie ein musikalisches Talent ist. Allerdings gab es in dem Song zu viele Passagen, bei denen sie die Töne nicht sicher treffen und halten konnte. Nur folgerichtig, dass Jury und Publikum dies nicht mit einer Top-Ten-Platzierung belohnt haben.
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