• Beim ESC gehört Schweden heute Abend einmal mehr zu den Favoriten
  • Doch auch andere Länder können auf den Sieg hoffen
  • Wir stellen die erfolgversprechendsten Kandidaten vor

Die Bühne ist gebaut, die Proben laufen – und wie jedes Jahr wird beim Eurovision Song Contest nicht nur über Performances und Musik gesprochen, sondern auch über Wahrscheinlichkeiten. Wer gewinnt den ESC 2025 in Basel? Wer hat echte Siegchancen – und wer wird vor allem in den Wettbüros hochgehandelt, aber am Ende gnadenlos überbewertet? Drei Länder dominieren aktuell die Favoritenlisten:

Eine Übersicht mit allen Teilnehmern des ESC 2025 finden Sie hier.

Schweden: KAJ schickt Humor, Holz – und heiße Luft?

Die laut Buchmachern Top-Favoriten kommen wie so oft aus dem hohen Norden. Schweden – ESC-Land par excellence – wird 2025 von dem aus Finnland stammenden Comedy-Trio KAJ vertreten. Ihr Beitrag „Bara bada bastu“ (übersetzt: „Einfach nur in die Sauna“) ist ein launiger Ohrwurm mit folkloristischen Elementen, viel Selbstironie – und einer für die erfolgsverwöhnten Schweden erstaunlich humorvollen Inszenierung. Keine Popdiva, kein ABBA-Klon, kein hochpolierter Elektropop: Stattdessen drei Männer in Handtüchern, eine Dampfwolke auf der Bühne und ein Refrain, den man nach einmal Hören mitsingen kann.

Die Wettquoten? Hervorragend. Schweden wird bei fast allen Buchmachern als Top-Favorit geführt – doch genau hier liegt die Krux: Vor einem Jahr galt Baby Lasagna aus Kroatien als haushoher Favorit. Am Ende gewann aber die Schweiz mit Nemo – und Kroatien landete auf Platz zwei. 2025 dürfte es also auch für KAJ nicht reichen, einfach nur den Saunagänger-Charme auszuspielen. Der Song ist witzig, clever arrangiert und bleibt im Kopf. Aber reicht das für den nächsten schwedischen Sieg? Nur, wenn Europa Lust auf ein bisschen Aufguss und Augenzwinkern hat.

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Aktuell sieht es allerdings tatsächlich so aus, als könnten KAJ den achten ESC-Sieg nach Schweden holen – das wäre Rekord. Doch gerade, weil die Skandinavier beim ESC 2025 ein Risiko eingehen und eben nicht einen glattgebügelten Pop-Act, der im Vorentscheid mit dem ESC-Sieger von 2015 Måns Zelmerlöw durchaus vertreten war, schicken, gönnte man ihnen den Rekord. Naja, fast.

Die Gruppe KAJ vertritt Schweden beim ESC 2025 und gilt als Favorit.
Die Gruppe KAJ vertritt Schweden beim ESC 2025 und gilt als Favorit.© AFP | JONATHAN NACKSTRAND

Österreich: JJ singt sich mit „Wasted Love“ ins Herz der ESC-Fans

Aus Österreich kommt in diesem Jahr ein Song, der ganz anders funktioniert – und gerade deshalb viele überzeugen könnte. JJ, bürgerlich Johannes Pietsch, liefert mit „Wasted Love“ einen melancholisch-treibenden Elektropop-Track, der gleichzeitig Club-Atmosphäre und Herzschmerz vermittelt. Inhaltlich geht es um verlorene Beziehungen, emotionale Leere und die Kraft, trotzdem weiterzumachen – keine neue Thematik, aber musikalisch modern und visuell stark umgesetzt.

JJ inszeniert sich als düstere Popfigur irgendwo zwischen Billie Eilish und Loreen, bleibt dabei aber überraschend nahbar. Seine Stimme ist kraftvoll und schraubt sich in immer neue Höhen. Denn Pietsch ist Countertenor, also eine Art männlicher Sopran, wie der österreichische ESC-Act im Interview mit uns erklärte. Sein Heimatland hat es in den vergangenen Jahren nicht immer leicht gehabt beim ESC, aber 2025 scheint der Mix zu stimmen. „Wasted Love“ könnte der Beitrag sein, der Jury wie Publikum gleichermaßen anspricht – wenn man sich auf die leiseren und vor allem höheren Töne einlässt.

Doch eine mögliche Hürde lauert: Schon 2024 setzte die Schweiz auf einen Oper-Pop-Mix – und holte damit den Sieg. Lassen sich die Zuschauer und die Jurys erneut auf eine solche Kombination ein? Der Unterschied zwischen JJ und Nemo ist groß genug. Vielleicht findet der ESC 2026 also in Österreich statt.

Frankreich: Louane verbindet große Emotion mit großer Bühne

Mit Louane schickt Frankreich 2025 eine der bekanntesten Popgrößen des Landes zum ESC, die es mit „Avenir“ auch schon in die deutschen Charts geschafft hat. Ihr ESC-Song „Maman“ ist eine persönliche Ballade über Verlust, Liebe und Weitergabe zwischen Generationen. Louane widmet das Lied ihrer verstorbenen Mutter – und singt zugleich über ihre eigene Rolle als Mutter der kleinen Esmée. Es ist ein emotionales Doppelporträt, das unter die Haut geht.

Frankreich hat in den vergangenen Jahren ein gutes Gespür für künstlerische Beiträge bewiesen. „Voilà“ von Barbara Pravi landete 2021 auf Platz zwei, Slimane holte 2024 Platz vier – nun soll Louane diese Erfolgsreihe fortsetzen. Dass sie es kann, bezweifelt kaum jemand: Ihre Live-Qualitäten sind überragend, ihre Fanbase riesig, ihre Authentizität spürbar. „Maman“ ist kein lauter Beitrag, aber ein relevanter – mit einer Inszenierung, die Emotion statt Effekt sucht. Wenn Europa dafür bereit ist, könnte Louane ganz vorne landen.

Und Deutschland? Hoffnung mit Fragezeichen

Und wie steht es um den deutschen Beitrag? Nach dem respektablen zwölften Platz von Isaak im vergangenen Jahr ruhen die Hoffnungen 2025 auf dem Duo Abor & Tynna. Mit ihrem Song „Baller“ liefern sie einen modernen Mix aus elektronischem Pop, Berliner Club-Atmosphäre und düsterem Sounddesign. Wie die Chancen für das Duo und Deutschland beim ESC 2025 stehen, lesen Sie hier.