Alle Welt, ob vor Ort oder im Livestream, schaut aktuell gebannt auf den kleinen Schornstein auf der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Denn am anderen Ende des Kamins wählen zurzeit über 130 Kardinäle den neuen Papst. Der Schornstein ist die einzige Verbindung zwischen den Würdenträgern und der Außenwelt. Qualmt wie nach den ersten Wahlgängen des laufenden Konklaves schwarzer Rauch heraus, war die Wahl ohne Ergebnis. Weißer Rauch bedeutet, dass es ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche gibt.

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Dem nicht einmal mannshohen Schornstein aus dünnem Metall kommt also eine wichtige Rolle zu. Umso skurriler sein Aussehen – das fast schon mickrig erscheinende Rohr könnte gut und gerne auch auf einer Hütte im Schrebergarten und nicht auf dem Dach des Vatikans sitzen. Julian Schwark, Schornsteinfeger und Energieberater, hat zumindest eine Vermutung, warum ein so unspektakulärer Schornstein gewählt wurde. Durch ein enges Rohr steige der Rauch schneller nach oben, erklärt der Fachmann. Das sorge für einen „Showeffekt“, wenn die Stimmzettel und die farbgebenden Stoffe verbrennen und das Wahlergebnis verkünden. Am anderen Endes des Schornsteins befinde sich deshalb wahrscheinlich kein gemauerter, sondern ein schmaler metallischer Kamin.
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„Mit einem klassischen Schornstein hat das nichts mehr zu tun“, sagt Schwark. Das Metall sei einwandig und somit nicht zum Heizen geeignet sei. In Deutschland beständen metallische Kamine dagegen aus doppelwandigem Edelstahl und einer dazwischenliegenden Dämmschicht. „Aber Heizen tut da mit Sicherheit auch keiner“, sagt er und lacht. Da der Schornstein nur selten genutzt und überdies nur Papier verbrannt werde, sei die Reinigung wahrscheinlich ebenfalls schnell erledigt.

Installiert wird der Schornstein immer erst wenige Tage vor Beginn eines Konklaves von Feuerwehrkräften. Genauso wie die beiden Öfen in der Sixtinischen Kapelle lagert der Vatikan den Schornstein abseits der Papstwahl ein. Wenn demnächst ein neuer Papst feststeht, wird die Vatikanische Feuerwehr das Metallrohr wieder vom Dach holen und das Loch abdichten. Viel Aufwand also für eine Praktik, die nicht einmal Teil der offiziellen Wahlordnung des Konklaves ist. Und auch gar nicht mal so alt: Erst seit 1914 wird das Ergebnis der Wahl mit weißem Rauch verkündet, berichtet die „FAZ“. Woher diese Idee stammt, sei nicht eindeutig geklärt.
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Auch Julian Schwark hat darauf keine Antwort. Er verfolge zwar die Wahl des neuen Papstes, doch nicht so intensiv wie andere. „Ignorieren kann man es aber ja gar nicht.“ Den berühmtesten Schornstein der Welt einmal selbst reinigen zu dürfen, hat sich der Experte übrigens noch nie erträumt. Auch wenn dies sicherlich das „Bild des Jahrtausends“ wäre, so Schwark. Er habe schon zu viele Schornsteine in seinem Leben gesehen, als dass ihn dieser besonders reize. „Ich würde den Blick stattdessen eher auf die umliegenden Gebäude schweifen lassen, falls ich einmal da oben stehe.“






