Er hat mindestens sieben Rucksackreisende ermordet, darunter drei deutsche Urlauber: Ivan Milat ist ein Name, der in Australien gleichbedeutend mit Horror ist. Obwohl die Beweise gegen ihn erdrückend waren, hat der Serienmörder selbst am Sterbebett – er erlag 2019 im Alter von 74 Jahren einem Krebsleiden – nie ein Geständnis abgelegt.

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Um den Belanglo State Forest, ein Waldgebiet südlich von Sydney, in dem der Sohn kroatischer Auswanderer mindestens sieben Touristinnen und Touristen ermordete und verscharrte, machen die meisten Australier einen großen Bogen. Per Anhalter zu fahren – so hatte Milat seine Opfer in die Falle gelockt – ist inzwischen verboten.
Milats Opfer, sieben junge Rucksackreisende im Alter von 19 bis 22 Jahren, verschwanden alle Ende der 1980er, Anfang der 1990er südlich von Sydney. Als ihre Leichen 1992 und 93 in provisorischen Gräbern im Wald gefunden wurden, allesamt brutal ermordet, wurde der Ort zum Inbegriff des Grauens. Medien aus aller Welt spekulierten, wer der oder die Mörder sein könnten.
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Australischer Serienmörder hat drei Deutsche auf dem Gewissen
Unter den Opfern waren drei Deutsche, zwei Britinnen und zwei Australier. 1996 wurde schließlich Ivan Milat für die sieben Morde verurteilt, obwohl bis heute gerätselt wird, ob ein weiterer seiner neun Brüder an den Verbrechen beteiligt war. Richter David Hunt erklärte damals, dass aus den Beweisen in mindestens zwei Fällen ersichtlich sei, dass sie nicht nur aus einer Hand stammen konnten, nämlich die Morde an den beiden Britinnen sowie an dem deutschen Paar. Alle Opfer erlitten grausame Verletzungen. Viele wiesen Folterspuren und Spuren sexuellen Missbrauchs vor oder nach den Taten auf. Einige der Opfer waren offensichtlich als „Zielscheiben“ missbraucht worden.
Dass es weitere Opfer geben könnte, wird schon seit Langem vermutet. Der Polizeibeamte Neville Scullion, der die Ermittlungen Anfang der 1990er Jahre leitete, sagte in dem Podcast „The Missing Australia: Ivan Milat Untold“ nun jedoch, dass allein im Bundesstaat New South Wales etwa 900 Menschen seit langer Zeit vermisst werden. Einige dieser Vermissten wurden zuletzt an Orten gesehen, an denen sich Milat häufig aufhielt. Insgesamt gebe es etwa 700 ungeklärte Morde, bei denen man sich einige ansehen und denken könne: „Ja, Milat war da beteiligt.“
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Scullion glaubt, dass der Serienmörder bis zu 80 Menschen auf dem Gewissen hat: „Die erste Leiche wurde 1992 gefunden, er wurde 1994 verhaftet, aber er begann nicht erst 1992 mit dem Töten … er war 20 Jahre lang unkontrolliert.“ Scullion ist nicht der einzige, der diese Vermutung aufstellt.
Auch der Ermittler Paul Gordon teilte diese Meinung, wie auch ein ehemaliger Undercover-Beamter namens „Roy“. Alle drei Ermittler vermuten, dass Milats Mordserie bis in die 1970er Jahre zurückreicht und sich nicht nur auf den Bundesstaat New South Wales begrenzt. „Er hatte einen Campingwagen und fuhr in verschiedenen Teilen Australiens campen“, berichtete Roy im Podcast.
Serienmörder unterhielt jahrelang Briefwechsel mit Journalisten
Einer, der tiefe Einblicke in die Seele des Mörders bekam, ist auch der britische Journalist Roger Maynard. Maynard begleitete den Fall über Jahre hinweg und veröffentlichte mehrere Bücher. Er ist einer derjenigen, die mit dem Serienmörder über Jahre Briefe austauschten. 34 Briefe hat er von Milat bis zu dessen Krebserkrankung erhalten. Maynard glaubt vor allem an die Theorie, dass ein weiterer Täter involviert war. Es seien an einem Tatort Zigarettenstummel und eine Whiskeyflasche gefunden worden, berichtete er im Interview, und Milat habe weder geraucht noch getrunken. „Viele Leute glauben, dass ein weiterer Bruder involviert war“, sagte er.

Zudem seien die Opfer auf unterschiedliche Art und Weise getötet worden. Während einige Morde ganz eindeutig die Züge eines Sadisten aufzeigten, der seine Opfer qualvoll mit dem Messer tötete, wurden andere erschossen. Doch auch gegenüber Maynard gestand Milat in keinem seiner Briefe auch nur eines seiner Verbrechen ein. Vielmehr behauptete er, die Polizei habe ihm Beweismittel bewusst untergejubelt. „Er hatte auf alles eine Antwort“, erinnerte sich Maynard.
Ein Opfer entkam dem Mörder – und lieferte den entscheidenden Hinweis
Milat war dafür bekannt, eine Tendenz zur Gewalt zu haben. Er war wie auch andere seiner insgesamt 13 Geschwister bereits mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Trotzdem wurde er erst überführt, nachdem der Brite Paul Onions das letzte Puzzlestück lieferte. Onions war Anfang 1990 nur knapp Milats Fängen entkommen. Nichtsahnend war er auf dem Weg von Sydney nach Canberra in das Auto des Serienmörders gestiegen. Schon während der Fahrt wurde Onions immer unruhiger.
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Milat fragte ihn, ob jemand ihn erwarte und ob er militärisches Training absolviert habe. Als er schließlich anhielt und Onions mit einem Gewehr bedrohte, begannen die beiden miteinander zu ringen. Onions gelang die Flucht. Seine Zeugenaussage über den Mann mit Schnauzbart brachte die Polizei Jahre später auf Milats Spur. Als in dessen Haus Besitztümer der Toten – Campingausrüstung, ein T-Shirt und ein Rucksack – aufgefunden wurden, wurde Milat 1994 verhaftet und zwei Jahre später zu siebenmal lebenslänglich, einmal für jedes Opfer, verurteilt.












