Große Sorge um Laura Dahlmeier: Die ehemalige deutsche Biathletin ist beim Bergsteigen im Karakorum-Gebirge in Pakistan schwer verunglückt. Die 31-Jährige sei durch einen Steinschlag am Laila Peak mindestens schwerst verletzt worden, teilte ihr Management der Deutschen Presse-Agentur mit. Es konnten noch keine Rettungskräfte zur Bergsportlerin vordringen, weil die große Steinschlaggefahr in dem Gebiet anhält. Einzig ein Hubschrauber habe die schwer zugänglich Unglücksstelle überflogen – dabei waren bei der einst besten Biathletin der Welt keine Lebenszeichen zu erkennen. 

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Der Unfall reiht sich in einer Serie gefährlicher Bergunfälle. Auch in deutschen Gebirgen kommt es regelmäßig zu Unglücken, dann ist die Bergwacht gefragt. Roland Ampenberger ist im Vorstand der Stiftung Bergwacht in Bayern. Im Interview spricht er über den Trend zum Outdoor-Sport, welche Gefahren in den Bergen drohen und wie man sich am besten auf eine ausgiebige Wandertour vorbereitet.

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Herr Ampenberger, laut Unfall-Statistik des Deutschen Alpenvereins von 2023 (Erhebung erfolgt alle zwei Jahre, Anm. d. Red.) sind die Unfallzahlen in den Bergen so hoch wie nie. Können Sie sich erklären, woran das liegt?

Roland Ampenberger: Die Zahlen des Deutschen Alpenvereins beziehen sich auf dessen Mitglieder. Die sind alpenweit beziehungsweise sogar weltweit unterwegs. Diese Zahlen kann man nicht unbedingt mit unserem Gebiet in Deutschland vergleichen.

Welches Gebiet wäre das?

Ampenberger: Unser Zuständigkeitsbereich sind die bayerischen Alpen von Oberstdorf bis Berchtesgaden, aber auch die Mittelgebirge bis rauf in den Spessart. Außerdem ist die Bergwacht in den Mittelgebirgen in Deutschland aktiv, etwa in Sachsen und Thüringen, bis rauf in den Harz oder ganz im Westen und auch im Schwarzwald. Überall dort, wo der Rettungswagen nicht mehr fährt, ist die Bergwacht zuständig.

Wanderer in den Ötztaler Alpen nahe dem Gurgler Ferner. Einst war das Gebiet vergletschert.
Wanderer in den Ötztaler Alpen nahe dem Gurgler Ferner. Einst war das Gebiet vergletschert.© Ute Wessels/dpa | Unbekannt

Wandern in den Alpen: Das sollten Bergsteiger beachten

Und nehmen die Unfälle dort zu oder nicht?

Ampenberger: 2017 hatten wir in den Sommermonaten 2835 Einsätze. 2021 – das war ein Spitzenjahr – waren es 3800 Einsätze. 2022 hatten wir einen leichten Rückgang. Insofern stimmt das schon. Die Zahlen werden nicht weniger, weil der Trend zum Outdoor-Sport seit Jahren zunimmt.

Gibt es denn bestimmte Sportarten in der Sommersaison, die unfallanfälliger sind als andere?

Ampenberger: Die einfachste und naheliegendste ist das Wandern und Bergsteigen. Weil so die meisten Menschen im Gebirge unterwegs sind. Und dann natürlich das alpine Klettern, weil es am anspruchsvollsten ist.

Was gilt es denn für Wander-Anfänger vor der ersten Tour zu beachten, dass es erst gar nicht soweit kommt?

Ampenberger: Die richtige Ausrüstung: Dazu gehören Kälte- und Sonnenschutz, ein kleines Erste-Hilfe-Pack, das richtige Schuhwerk und ein Mobiltelefon. Dann sollte man gut vorplanen. Dazu gehört, die Schwierigkeit des Weges einzuschätzen, zu wissen, wie lange die Wanderung dauert, man sollte keinen Zeitdruck haben – gerade jetzt im Herbst werden die Tage kürzer. Und natürlich den Wetterbericht im Blick haben.

Notfall in den Bergen? So läuft ein Einsatz der Bergwacht ab

Wenn bei einer Tour doch etwas passiert: Wie muss man sich einen typischen Einsatz der Bergwacht vorstellen?

Ampenberger: Im Winter ist der typische Einsatz die Knieverletzung auf der Skipiste. Das ist ein Standardeinsatz. Im Sommer kann es eine Vermisstensuche oder ein Abtransport bei Dunkelheit und schlechtem Wetter sein.

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Und wie geht die Bergwacht dabei vor?

Ampenberger: Wenn Sie 112 wählen, meldet sich zunächst die Rettungsleitstelle und fragt, was passiert ist, wo Sie sind und welche Verletzung vorliegt. Die Informationen gibt sie an den zuständigen Einsatzleiter der Bergwacht vor Ort weiter. In der Regel versucht der sie nochmal zurückzurufen und sich ein genaueres Bild von der Situation zu machen. Rufen Sie zum Beispiel spätnachmittags kurz vor Dunkelheit an, kommt der Hubschrauber vielleicht nicht mehr hin. Manchmal werden auch zwei Teams losgeschickt, eins aus der Luft und eins vom Boden, also eine Einsatzmannschaft mit 6 bis 8 Leuten, die im Fahrzeug anfahren und dann aufsteigen.

Wie bereitet man sich auf diese Einsätze vor?

Ampenberger: In Bayern arbeiten die Bergretter ehrenamtlich, wie die Freiwillige Feuerwehr. Die Bergretter verlassen also unter der Woche den Arbeitsplatz und starten in den Einsatz. Grundvoraussetzung ist, dass man Bergsteiger ist, Skifahren kann und sich im Alpinen Gelände zurechtfindet. Das wird im Eignungstest abgeprüft. Anschließend erfolgt die Ausbildung in den Rettungstechniken, in der Notfallmedizin mit entsprechenden Prüfungen.

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Noch ein anderes Thema: Verändert sich durch den Klimawandel eigentlich der Job des Bergretters?

Ampenberger: Also per se ändert sich nichts. Wir retten Verletzte und Verunfallte. Wieso es zum Unfall gekommen ist, ist erstmal egal. Aber natürlich hat das Klima mittelbare Auswirkungen. Wenn das Wetter lange schön und stabil ist, sind viele Menschen im Gebirge.

Ein großes Thema im Gebirge ist auch der Rückgang des Permafrostbodens. Das betrifft insbesondere die vergletscherten Bereiche unter anderem in Österreich, der Schweiz und Italien. Da können Berge instabil werden und im Extremfall entstehen Steinschläge, Hangrutsche oder ein Felssturz. Grundsätzlich ist der Gebirgsraum ein unglaublich wertvoller Raum für uns. Dort hinzugehen, Erlebnisse zu haben, Erfahrungen zu machen, Sport zu machen ist großartig. Mit dieser Freiheit verbunden, ist die Verantwortung für uns selbst, für den Naturraum und die Rücksichtnahme auch gegenüber allen anderen, die am Berg unterwegs sind.

Das Interview erschien erstmals im Herbst 2023.