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Dschungelcamp 2015 – Jetzt geht es Angelina an den Kragen

Walter Freiwald wühlt an Tag 7 in totem Fleisch, Rolfe erlebt einen Gefühlsausbruch – und Angelina Heger hat endgültig genug. Zehn Gründe, warum das Dschungelcamp 2015 jetzt so richtig spannend wird.

Von Nina Paulsen

Sieben Tage sind die elf Ex- und Fast-Promis jetzt im australischen Dschungel. Sieben Tage, die zumeist dahin geplätschert sind wie eine Kaffeefahrt an einem lauen Sonntagnachmittag im Frühling. Im Großen und Ganzen war man nett zueinander. Verzichtete auf Zickereien. Und auf große Dramen. O-Ton Aurelio: „Das ist voll Peace, Love und Harmony hier.“

Zeit für eine Zäsur, möchte man schreien – und genau diese lieferten die Campbewohner am Donnerstag dann auch. „Hier liegt was in der Luft“, bemerkte Patricia Blanko, bei der immer noch nicht klar geworden ist, wie sie sich nun eigentlich von ihrem Dasein als Tochter von Roberto Blanco emanzipieren will – genau das hatte sie bei ihrem Einzug in den Dschungel aber als Ziel der Veranstaltung ausgegeben.

Aber egal. Ein Wendepunkt ist erreicht. Was nicht nur daran liegt, dass die Zuschauer ab jetzt jeden Tag einen Bewohner aus dem Camp wählen können. Sondern auch an einem plötzlichen Bruch mit vielen Klischees. Und genau das hat viel damit zu tun, warum es ab jetzt wieder spannend werden wird:

Grund 1

Anders war es vor allem am Schluss. Zur nächsten Dschungelprüfung, so verkündeten es Sonja Zietlow und Daniel Hartwich der etwas verdutzten Runde, müssen alle elf kommen. Kenner unter den Dschungelguckern wissen: Gruppenprüfungen bergen einiges Konfliktpotenzial. „So schwer war das doch nun wirklich nicht“ ist nachher schließlich viel leichter zu sagen, wenn man tatsächlich weiß, was vom Prüfling gefordert war.

Grund 2

Den besten Satz des Tages sagte dieses Mal ausnahmsweise nicht Walter Freiwald, sondern tatsächlich der bisher eher stumme Aurelio. „Tu’ den ins Feuer, den blöden Penner da.“ Damit meinte er einen der vielen Blutegel, die sich nach der Schatzsuche in einem verdreckten Tümpel am Bein von Angelina festgesaugt hatten. Wunderbare Dschungel-Poesie.

Grund 3

Am meisten Mitgefühl verdiente nicht die jammerlappige Angelina, sondern – Überraschung – Rolfe Scheider, der Ex-Juror von „Germany’s next Topmodel“. Auch er gehörte bisher eher zu den eher kleinen, unscheinbaren Figuren in diesem großen Spiel von RTL, bei dem wohl selbst der Sender noch nicht so ganz weiß, wohin es noch führen soll. Rolfe jedenfalls hatte eine Geschichte vom Tod seiner Eltern zu erzählen, die den anderen tatsächlich ans Herz ging: Rolfe erzählte, wie er vor kurzer Zeit entscheiden musste, die Maschinen am Sterbebett des Vaters endgültig abzustellen. „Dann hat er noch einmal geatmet und dann ist er von uns gegangen.“ Das Camp weinte kollektiv mit. Für einen Moment still, gedankenverloren und – ja – authentisch. So schien es jedenfalls.

Grund 4

Endlich hat auch Benjamin Boyce sich nach vorne gespielt. Für alle, die diesen Namen noch nicht kennen: Boyce ist Ex-Boygroup-Star der 90er-Band „Caught in the Act“ und war bislang – wahrscheinlich aus purer Langeweile – ziemlich unterrepräsentiert. Am Donnerstag nun hatte er keine Lust mehr, sich von Angelina Heger rumkommandieren zu lassen – und motzte unerwartet zurück. „Steh selbst auch und heb’ die Schuhe auf!“, herrschte er sie mit seinem niederländischen Akzent an. Und, als Spitze gegen die Ex-Bachelor-Blondine: „Manche schlafen nur den ganzen Tag. Andere machen dagegen für alle was.“ Einen Sympathiepunkt für Herrn Boyce.

Grund 5

Am lässigsten war plötzlich Sara Kulka. Ja, genau, das Möchtegern-Model mit der großen Klappe, das sich anfangs zum „Opfer der Nation“ stilisiert hatte. Nicht mehr viel übrig davon. Als Angelina nach dem Streit mit Benjamin Boyce weinte und ankündigte, das Camp am nächsten Tag zu verlassen, klopfte Sara ihr nur kumpelhaft auf die Schulter und ging hinfort, um sich lieber zu amüsieren. Der Schnaps, der gerade am Lagerfeuer von den anderen getrunken wurde, war ihr dann doch wichtiger als das Gemoser von Angelina. Sara, das wurde deutlich, hatte schlichtweg keine Lust, sich das noch länger anzuhören.

Grund 6

Ganz klar: Zum ersten Mal gab es Alkohol. Gin Tonic. Als Belohnung für die Schatzsuche von Angelina und Patricia. Eigentlich ein fieser Trick von RTL, um mal etwas Stimmung in das Camp zu bringen. Es funktionierte aber.

Grund 7

Angelina Heger. Schien sie am Donnerstag noch als Wackelkandidatin, verließ sie das Dschungelcamp am Freitagmorgen schließlich ganz. Damit hat sie immerhin mehr Entschlossenheit an den Tag gelegt, als Vorgänger wie Ailton oder der Wendler. Die hatten nämlich immer nur angekündigt, das Camp „ganz bestimmt morgen endgültig, definitiv“ zu verlassen, es aber entweder gar nicht oder erst nach vielen Tagen des Herumlavierens in die Tat umgesetzt. Angelina Heger nervt ihre Mitcamper damit nun jedenfalls nicht mehr. Ebenso wenig mit ihren Allüren, was das karge Dschungelessen betrifft.

Grund 8

Das Mitleid, das man vielleicht mit einigen Teilnehmern der Show kurzzeitig hatte, ist jetzt endgültig verflogen. Die Camper sprachen von ihren Gagen, fast alle im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich – außer bei Patricia Blanco, die keinen Manager und deshalb offenkundig schlecht verhandelt hat („RTL hat mir gesagt, wir würden alle das Gleiche kriegen.“). „Bei solchen TV-Formaten verdient man natürlich mehr Geld, als wenn man in einer Ausbildung ist“, erklärte Tanja Tischewitsch dann altklug. „Diese Kellnerjobs sind total ätzend. Du arbeitest den ganzen Tag und hast nicht viel davon. Total undankbar.“ Tja. Willkommen in der realen Welt. Fraglich, ob genau diese Leute mit den normalen Einkommen ab Freitag 50 Cent pro Anruf bezahlen, damit Tanja noch weiter im Camp bleiben darf.

Grund 9

Die coolste Sau im Dschungelcamp ist ab sofort Walter Freiwald. Oh ja. Mit Oma-Frisur und Kriegsbemalung kam er zu seiner Prüfung „Des Teufels Küche“. In der er in alten Schränken wühlen musste, um unter Waranen, Krokodilen, Flusskrebsen und Skorpionen Schlüssel zu finden. Mit denen schloss er dann – ein fröhliches Lied auf den Lippen – große Plastiktonnen auf, um seelenruhig altes totes Fleisch zu einer Wage zu tragen. Man merkte: Irgendwie war ihm das alles herzlich egal. Sollte er nicht drüber stehen über den Dingen, so hat er es zumindest ziemlich gut gespielt. Am Ende holte er nur einen Stern. Was die anderen Camper wohl dazu sagen werden? „Ach, die werden das schon fressen.“ Jawoll.

Grund 10

Endlich kann man sich wieder auf die nächste Folge freuen. Bis einschließlich Mittwoch hatte man sich ja gefragt, was RTL eigentlich gesendet hätte, wenn nicht wenigstens Walter oder Maren Gilzer im Camp wohnen würden. Sie waren die einzigen, die sich durch kleine Streitigkeiten aus der friedvollen Einheitssuppe der Bewohner hervortaten. Nach Tag 7 sieht alles ein bisschen anders aus. Diese Mal hatten auch die Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow wieder deutlich weniger Sendezeit.