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Dschungelcamp 2015 – RTL setzt jetzt ganz auf Sonja Zietlow

An Tag 6 bekommt Moderatorin Zietlow auffällig viel Sendezeit – sogar mit Gesangseinlage. Die Camper verhalten sich dagegen unauffällig. Nur Walter Freiwald schafft es, wieder aus der Reihe zu tanzen.

Von Nina Paulsen

Und dann hatte man das Gefühl, plötzlich wieder bei „Wetten, dass..?“ zu sein. In einer dieser letzten Sendungen mit Markus Lanz, in denen er sich ehrlich, aber unbeholfen bemühte, der Show etwas Unterhaltung und Glamour einzuhauchen – und sich dabei doch immer wieder der Gedanke breit machte: Oh Gott, wie ist das peinlich.

So ähnlich war es auch an Tag 6 im Dschungelcamp. Leider. Und das lag nicht nur an den elf Kandidaten, sondern auch am Moderatoren-Duo Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Die Witze, die ihnen der Gag-Beauftragte bei RTL ins Drehbuch geschrieben hatte, drehten sich um den Welt-Jogginghosentag und zum einhundertsiebenundsechzigsten Mal um die Muskeln von Aurelio, den krummen Rücken von Walter – und Brüste. Gähn.

Die Sendezeit, die den Moderatoren eingeräumt wurde, war dabei gefühlt länger als sonst: Sonja Zietlow durfte singen, um die Dschungelprüfung einzuläuten. Irgendwie war die kleine Show-Einlage ja ganz nett. Aber am Ende bleibt man verstört zurück: Markus Lanz lässt grüßen.

Fehlende Gruppendynamik im Camp

Langsam, aber sicher zeichnet sich ab: In diesem Jahr ist es zäh. Wenn elf sich weitestgehend fremde Menschen aufeinander losgelassen werden und sie zwei Wochen lang auf engstem Raum und unter Extrembedingungen zusammenhocken müssen, ergeben sich eigentlich fast zwangsläufig Allianzen, Freundschaften und eben auch Feindschaften. Unvergessen sind die hasserfüllten Dialoge von Winfried Glatzeder und Larissa Marolt im Camp 2014. Oder die theatralischen Szenen zwischen Peer Kusmagk und Mathieu Carrière, die sich 2011 erst verbrüderten und dann entzweiten, sogar von Mobbing war die Rede. Garniert mit schönen Frauen und paarungswilligen Männern entstand so Jahr für Jahr eine Melange, die das Dschungelcamp zu einem der erfolgreichsten Formate im deutschen Fernsehen gemacht hatte. In diesem Jahr gibt es bislang von alldem: fast nichts.

Und so setzte RTL für den sechsten Tag der neunten Staffel eben auf die singende Sonja Zietlow – und auf Zusammenschnitte von alt Bewährtem: Auf Tränen von DSDS-Sternchen Tanja Tischewitsch, die ihre Mama vermisst. Auf den Italiener Aurelio, den Sonja freimütig „eine einzige Enttäuschung“ nannte, wohl weil er sich nicht annähernd so sexuell aufgeschlossen zeigt, wie es RTL von ihm erwartet hatte. Dafür sah man ihm beim Duschen zu. Und dabei, wie die Damen des Camps seine Tattoos bewunderten. Auch Bachelor-Finalistin Angelina Heger kam wieder mit ihrem naiv-kindlichem Tonfall zu Wort: „Ich hab’ ne ziemlich große Fanbase auf Facebook jetzt. Überleg’ mal, wie viele Millionen hier zuschauen – dann – wächst das nochmal.“

Walter Freiwald mit verbalem Ausrutscher

Auch die Dschungelprüfung hielt keinen wirklichen Thrill- oder Ekelfaktor bereit: Tanja Tischewitsch und Walter Freiwald – sie kreischend, er stoisch – mussten in einer Kiste sitzen, in der sie von allerlei Krabbeltieren überschüttet wurden. Dabei mussten sich sich Gegenstände merken, die auf einem Laufband an ihnen vorbeifuhren: Einen Koffer zum Beispiel, einen Fön, Dschungel-Arzt Dr. Bob, zwei Klobürsten oder einen Schaukelstuhl mit einem Skelett drauf. Sechs Sterne gab es dafür.

Am Ende war es wieder einmal Walter, der aus der Reihe tanzte. Allerdings mit einigen verbalen Schlägen unter die Gürtellinie, mit denen er den schmalen Grat zwischen Unterhaltung und Fremdschämen in die falsche Richtung verließ. Denn zur Belohnung für die sechs Sterne gab es einen Hasen für die Camper – der jedoch den Streit darüber entfachte, wer denn für die Zubereitung zuständig sei.

Walter wollte Maren Gilzer vom Kochen abhalten, mit den Worten: „Die hat ein Bedürfnis sich nach vorne zu drängeln, das ist schon krankhaft.“ Als Maren wiederum sich nicht aus der Ruhe bringen ließ, legte Walter nach: „Die geht mir auf die Eier.“ Und ließ sich dann über das Geschäft aus, dass Maren angeblich auf dem Dschungelklo hinterlassen hatte: „Da kannste Schwabing mit ersticken“ – und damit wird an dieser Stelle nur der halbwegs erträgliche Part seiner Schimpftirade zitiert. Mein Gott, Walter! Ekelhaft. Am Donnerstag muss er wieder in die Dschungelprüfung. Das geschieht ihm recht.

Die SPD stellt Walter Freiwald bloß

Und ein bisschen auch, dass sich die SPD am Mittwoch einen gemeinen Scherz auf Walters Kosten erlaubt hat. Am Dienstag hatte er gestanden, sich 2010 bei der SPD als Kandidat für das Bundespräsidentenamt beworben zu haben. Wobei man auch nicht so genau wusste, ob das jetzt ein großartiger Witz war oder nicht, also ob man mit Walter lachen sollte oder lieber über ihn.

Doch siehe da: Am Mittwoch stellte die SPD – offenbar das Briefgeheimnis mir nichts dir nichts ignorierend – tatsächlich Walters Bewerbungsschreiben ins Netz, datiert auf den 3. Juni 2010. Dort schreibt er: „Ich bin ein Arbeitstier und reise gerne, spreche Englisch und bin es gewohnt, vor großem Publikum zu reden. Ich bin gesund und habe jede Menge Humor.“

In der Tat, Walter, in der Tat.