„Trump will mit Putin und den großen Jungs Geschäfte machen!“, wettert Michael Mittermeier am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“. Der Comedian ist aus München zugeschaltet, während im Studio in Berlin über Donald Trump, den Ukrainekrieg und die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA diskutiert wird. Eine ungewöhnliche Besetzung für eine außenpolitische Gesprächsrunde.
Auch interessant
Mittermeier attackiert Trumps Ukraine-Kurs: „Zum Fraß“
Doch während die übrigen Gäste überwiegend nüchtern analysieren, spricht Mittermeier aus, was ihn offenbar umtreibt: Fassungslosigkeit. „Leute wie Selenskyj sind ihm einfach lästig“, sagt er über Trump. „Mein Herz tut wirklich weh, dass er die Ukraine einfach zum Fraß vorwirft.“
Dass dort täglich Menschen sterben, interessiere den US-Präsidenten offenbar nicht. Stattdessen gehe es ihm gerade darum, bei den Midterms Stimmen zu gewinnen. „Es ist eine reine Wahlkampftaktik.“
Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, betrachtet die Lage deutlich diplomatischer. Illner konfrontiert Laschet mit dessen früherer Aussage, wonach Selenskyj einen Weg finden müsse, die Amerikaner bei der Stange zu halten.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Betreibt Laschet Täter-Opfer-Umkehr?
„Man könnte sagen: Täter-Opfer-Umkehr“, hält Illner dem CDU-Politiker entgegen. Schließlich sei die Ukraine das angegriffene Land. Laschet bleibt bei seiner Position: „Ist es in einem solchen Moment besonders geschickt, wenn man in amerikanischen Medien Bemerkungen macht, von denen man weiß, dass der amerikanische Präsident darauf allergisch reagiert?“
Mittermeier kann mit dieser Argumentation wenig anfangen. „Sind wir so abgestumpft?“, fragt er. Dass Trump dem ukrainischen Präsidenten mittlerweile sogar die Schuld am Krieg gebe, macht ihn fassungslos. „Das ist so krass! Das ist so schäbig!“ Trump könne Niederlagen nicht ertragen und werde deshalb „noch ein bisschen mehr durchdrehen“. Sein Fazit: „Auf jeden Fall bleibt er sehr gefährlich!“
„Mit dieser Realität muss man umgehen“,
Laschet widerspricht der Kritik an Trump dabei nicht einmal grundsätzlich. „Ich habe keine gegenteilige Meinung“, stellt er klar. „Die Beschreibung ist ja richtig.“ Allerdings müsse man zwischen der moralischen Bewertung und den politischen Konsequenzen unterscheiden. „Die Frage ist nur, wenn man politische Verantwortung trägt: Was folgt daraus?“, fragt Laschet.
Auch nach den Zwischenwahlen werde Trump US-Präsident bleiben und in den diplomatischen Verhandlungen eine entscheidende Rolle spielen. „Mit dieser Realität muss man umgehen“, sagt er. „Wir können jetzt jeden Tag schimpfen, wie schrecklich das alles ist, aber damit ändert man keine politische Position.“
News aus den USA
Ex-Kommunikationschef Scaramucci: Trump von Putin kompromittiert?
Den schwerwiegendsten Vorwurf des Abends erhebt allerdings ein anderer Gast. Anthony Scaramucci, während Trumps erster Amtszeit gerade einmal zehn Tage Kommunikationsdirektor im Weißen Haus, ist aus New York zugeschaltet. „Ich denke, er ist kompromittiert worden von Wladimir Putin“, behauptet der inzwischen selbsternannte Trump-Gegner.
Scaramucci verweist auf eine ganze Reihe politischer Entscheidungen, die dem russischen Präsidenten zugutekämen. „Da gibt es 25 bis 30 Punkte auf dieser Liste“, sagt er. Darunter Trumps Umgang mit der Nato, Kanada und der Ukraine.

Frederik Pleitgen: Trump steht Putin näher als Europa
CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen zeichnet ein ähnlich düsteres Bild von Trumps Russlandpolitik. „Ich glaube, dass Donald Trump innerlich schon immer an der Seite von Wladimir Putin war“, sagt er. Der US-Präsident fühle sich dem Kremlchef näher als den europäischen Staats- und Regierungschefs.
Wirtschaftswissenschaftlerin Stormy-Annika Mildner sieht hinter Trumps derzeitigen Entscheidungen vor allem innenpolitische Motive. „Viel, was zurzeit aus dem Weißen Haus kommt, ist Wahlkampfkalkül.“ Schließlich habe Trump seinen Wählern sinkende Preise und ein schnelles Ende des Ukrainekriegs versprochen. Beides sei ausgeblieben.
„Mister Orange“ – Illner bremst Mittermeiers makabren Trump-Witz
Die Diskussion verläuft an diesem Abend ausgesprochen ruhig. Dass ausgerechnet ein Comedian zugeschaltet werden muss, um etwas Temperament in die außenpolitische Debatte zu bringen, hat durchaus Komik. Besonders bemerkenswert ist dabei ein Moment, in dem er von seiner Tochter erzählt. Von einer jungen Generation, mit der sich ernsthaft über Politik diskutieren lasse. Zwischen all den düsteren Prognosen über die USA und Europa klingt plötzlich Zuversicht durch.
Ganz ohne einen makabren Scherz geht es dann aber doch nicht. Zum Schluss hofft Mittermeier, dass in zwei Jahren vielleicht „Mister Orange“ verschwunden sei. „Keine Ahnung, wo der dann hingeht und auf welchem Golfplatz er sich begraben lässt“, spottet er. Illner greift sofort ein: Den Tod wolle man Trump nun auch nicht wünschen.
Laschet versucht es am Ende nochmal mit Optimismus. Europa hole bei seiner Verteidigungsfähigkeit auf. „Wir werden das bestehen!“, versichert er. „Unser System wird das gewinnen, wenn wir hier die richtigen Entscheidungen fällen.“ Bis dahin müsse man allerdings die Amerikaner weiter einbinden.









