Sahra Wagenknecht und Carsten Schneider sind beide in Thüringen geboren. „Thüringen ist Heimat“, sagt Wagenknecht. Schneider erzählt von einer „glücklichen Kindheit“: Die Menschen hätten „versucht, das Beste draus zu machen“. Doch das wars dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten an diesem Abend bei „Maischberger“.
Eine gute Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD mit 43,8 Prozent stärkste Kraft wurde, geht es um die Gründe für ihren Erfolg – und darum, wie Politik jetzt mit ihr umgehen soll. Denn: Die AfD kommt auf 39 der 83 Sitze und verfehlte damit die absolute Mehrheit.
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Sahra Wagenknecht über hohe Spritpreise: „Jeder Gang ist ein Horrortrip“
„Dass für viele Menschen in Sachsen-Anhalt die Kosten des täglichen Lebens ein entscheidender Punkt sind, ist klar“, sagt Schneider. Die Bundesregierung werde „jetzt was tun“, kündigt der Umweltminister an. Wagenknecht reicht das nicht: „Jeder Gang zur Tankstelle ist ein Horrortrip. Die Leute werden immer ärmer.“
Dass ausgerechnet jetzt Entlastungen versprochen würden, nennt sie „etwas unglaubwürdig“. Schneider reagiert empört: Das sei „unverfroren“. Beim Thema Energie kippt das Gespräch endgültig.

Russland-Streit bei „Maischberger“ eskaliert
„Diese ganze Energiepolitik ist so abgrundtief unehrlich“, wirft Wagenknecht vor. Deutschland habe russisches Pipelinegas gegen amerikanisches Fracking-Gas getauscht. „Warum haben wir das gemacht?“, fragt Schneider. „Weil Sie Sanktionen verhängt haben“, antwortet Wagenknecht. „Nein“, fährt Schneider dazwischen. „Es gibt keine einzige Sanktion auf russisches Gas.“
Wladimir Putin habe „den Hahn zugedreht“, um Deutschland zu erpressen. Im Kern hat Schneider damit recht: 2022 gab es kein EU-Importverbot für russisches Pipelinegas, die Lieferungen über Nord Stream 1 waren bereits Anfang September auf null gesunken – Wochen vor den Explosionen an den Pipelines. Ein schrittweises EU-Verbot russischer Gasimporte wurde erst 2026 beschlossen.
„Die Russen haben immer wieder angeboten, Gas zu liefern“, hält Wagenknecht dagegen. Schneider entgegnet, das meiste Gas komme leitungsgebunden aus Norwegen. Ob er wieder russisches Gas beziehen würde, will Wagenknecht wissen. „Auf gar keinen Fall!“ Er sei erst vor drei Wochen in der Ukraine gewesen: „Das sind Menschen, die wirklich um ihr Leben kämpfen.“ Dann wird er persönlich: „Ich weiß nicht, ob Sie schon mal für Ihre Freiheit kämpfen mussten oder nur hier im Studio, wo es schön warm ist, darüber reden.“
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„Jetzt reicht’s mir aber“ - Streit um die AfD
Wagenknecht fordert „Dialog“ mit Russland und dreht den Vorwurf schließlich um: „Sie sind mitverantwortlich dafür, dass die AfD so stark ist“, sagt sie zu Schneider. Da platzt ihm hörbar der Kragen. „Jetzt reicht’s mir aber“, sagt Schneider. Wagenknecht habe das BSW gegründet und versprochen, die AfD von der Macht fernzuhalten. „Jetzt sind Sie die Steigbügelhalterin der AfD.“
Von da an reden beide zeitweise übereinander hinweg. Schneider verweist auf die jüngsten Austritte aus dem BSW in Thüringen: „Fragen Sie doch mal Ihre Kolleginnen und Kollegen in Thüringen, warum sie ausgetreten sind.“ Sie hätten „keine Lust“, von Wagenknecht „manipuliert“ zu werden und „von Berlin aus den Befehl zu kriegen“, wie sie abstimmen sollten.
„Die widert das an, dass Sie mit der AfD kuscheln gehen“, legt Schneider nach. Wagenknecht reagiert scharf: „Ich muss mir solche Dinge hier nicht bieten lassen.“ Niemand im BSW „kuschelt mit der AfD“. Die Wahl von Siegmund schließt sie aus - genau wie eine Koalition. Die Enthaltung aber nicht.
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Wagenknecht: „Brandmauer-Politik ist komplett gescheitert“
Gleichzeitig will Wagenknecht Sachmehrheiten mit Stimmen der AfD nicht grundsätzlich ausschließen. „Die Brandmauer-Politik ist komplett gescheitert“, sagt sie. Nicht das BSW habe die AfD so stark gemacht, sondern die Politik der anderen Parteien. „Sie haben diese Politik gemacht“, wirft sie Schneider vor. „Wenn man den Menschen so ins Gesicht schlägt, muss man sich nicht wundern, dass die Wut im Land wächst.“ Dafür gibt es Applaus aus dem Publikum.
Maischberger fragt mehrfach nach, wie Wagenknechts Modell nun konkret funktionieren soll. Einen Ministerpräsidenten Siegmund wolle sie nicht, stattdessen einen überparteilichen Kandidaten. Einen Namen nennt sie nicht: „Wenn ich jetzt einen Namen nenne, dann ist der verbrannt.“ Schneider bleibt bei seinem Vorwurf. „Sie suchen gezielt Mehrheiten mit der AfD. Das wird die SPD nicht tun. Das ist der Unterschied“, sagt er.
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Haseloff und die Ruhe nach dem Streit
Danach wirkt Reiner Haseloff fast wie die Ruhe nach einem Gewitter. Der frühere Ministerpräsident nennt das Wahlergebnis die „Artikulation der Wählerinnen und Wähler“. Maischberger zeigt eine Brandrede vom Juni 2025, in der Haseloff der AfD entgegenhielt: „Dies ist mein Heimatland. Das werden Sie nicht verhunzen und verstümmeln.“
Nun verweist Haseloff auf die Verfassung und die offene Regierungsbildung. Das möchte der „Tagesspiegel“-Journalist Christoph von Marschall nicht so stehen lassen. Eigentlich ist er nur für die Kommentierung der Sendung eingeladen. Aber die Energie, die von dem Streit der ersten Sendungshälfte ausging, scheint auch ihn aufgebracht zu haben.
Bliebe Sven Schulze (CDU) weiter als Ministerpräsident im Amt, sei er nach seiner überraschenden Wahl, sowohl Exekutive als auch Fraktionschef. „Wie ist das mit unserem System der Gewaltenteilung zu vereinbaren?“ Haselhoff reageirt ruhig: „Die Frage ist berechtigt. Wie sich das auflösen lässt, das werden wir sehen“, sagt Haseloff.
AfD in Sachsen-Anhalt: Es gibt keine einfache Antwort
Das klingt weder optimistisch noch resigniert. Eher wie die nüchterne Anerkennung einer politischen Lage, für die es gerade keine einfache Antwort gibt. Genau darin liegt am Ende die Stärke dieser „Maischberger“-Ausgabe. Schneider und Wagenknecht liefern sich zuvor ein hartes, stellenweise lautes, aber fast durchgehend schlagfertiges Duell darüber, wer die AfD groß gemacht hat und wer ihr nun den Weg ebnet.
Dann sitzt Haseloff da und verweigert die nächste einfache Antwort. Nach all den Vorwürfen, Unterbrechungen und großen Sätzen bleibt ausgerechnet der leiseste Gedanke hängen: 43,8 Prozent lassen sich weder wegstreiten noch mit einer Brandmauer-Formel lösen. Und vielleicht wirkt Haseloff gerade deshalb an diesem Abend so außergewöhnlich abgeklärt – weil er nicht so tut, als könnte er es.












