„Wie froh sind Sie, diesen Job im Bundeskanzleramt endlich los zu sein?“, fragt Markus Lanz gleich zu Beginn. Thorsten Frei (53) lacht. Er sei „sehr, sehr gerne Kanzleramtsminister“ gewesen. Als Frei erklärt, sein Radius sei kleiner geworden, hat Lanz schon die Pointe: „Das heißt, Sie haben etwas Auslauf bekommen als neuer Fraktionschef.“ Es ist ein erstaunlich lockerer Auftakt in einen Dienstagabend, an dem es politisch wenig zu lachen gibt.
Die Union steckt im Umfragetief, Friedrich Merz kämpft mit miserablen Zustimmungswerten, in Sachsen-Anhalt liegt die AfD deutlich vor der CDU. Darüber diskutiert Lanz mit Frei, „Table.Media“-Chefredakteur Michael Bröcker und Juristin Frauke Brosius-Gersdorf.
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Markus Lanz konfrontiert Thorsten Frei mit Merz‘ Urlaub
„Finden Sie eigentlich auch, dass Friedrich Merz zu lange im Urlaub war?“, will Lanz wissen. Frei hält die Debatte für „künstlich“ und „nicht besonders substanziell“. Nur weil ein Kanzler keine öffentlichen Termine wahrnehme, arbeite er schließlich nicht nicht.
Lanz hält die Waldbrände, den Drohnenfund am Flughafen Leipzig und die Rentenrebellion mehrerer ostdeutscher CDU-Ministerpräsidenten dagegen. Von Merz habe man öffentlich wenig gehört. Frei bleibt gelassen: Bei Politikern komme es am Ende „auf das Ergebnis an“.

Markus Lanz zu Thomas Frei: „Waren Sie geschockt?“
Besser funktioniert Lanz‘ Nachhaken beim Streit um die Rente mit 63 Jahren. Die CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Sven Schulze und Mario Voigt stellen sich gegen die geplante Abschaffung. „Waren Sie geschockt?“, will Lanz wissen. „Ich war überrascht“, sagt Frei. „Ok, das ist das Gleiche“, sagt Lanz. Frei lacht: „Nein.“
Dann versucht es Lanz noch einmal, mit einer kleinen Eskalationsleiter. War er „irritiert“? Ein bisschen. „Verstört?“ Nein. „Genervt?“ Nein. „Sie waren super sauer?“ Wieder nein. Das wirkt eher komisch als aggressiv. Trotzdem räumt Frei immerhin ein, dass ihn die Haltung der Parteifreunde irritiert hat.
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„Sie dementieren wieder nicht“ – Lanz nimmt Merz ins Visier
Unangenehmer wird es, als Journalist Bröcker die Führung von CDU und SPD als „zwei fast Dead Man Walking“ bezeichnet. Frei reagiert lieber auf die schwierigen politischen Rahmenbedingungen. Lanz lässt ihn damit nicht davonkommen: „Sie haben nicht widersprochen.“
Frei habe garantiert selbst schon darüber nachgedacht, ob Merz der richtige Kanzler sei, behauptet Bröcker. „Ich kenne niemanden Ernstzunehmenden, der so was diskutiert“, sagt Frei. Ob Merz selbst schon einmal darüber nachgedacht habe, hinzuwerfen? „Nein“, antwortet er knapp.
Die Zahlen sind brutal: In Umfragen vom August liegt Merz‘ Zustimmung in der Bevölkerung teils nur noch bei 13 oder 14 Prozent. Frei nennt die Werte selbst „schrecklich“ – nichts beschönigen, aber keinen Millimeter weitergehen als nötig, ist die gewählte Frei-Taktik. Und genau darin unterscheidet er sich auffällig von seinem Vorgänger Jens Spahn. Frei wirkt nicht angriffslustig oder beleidigt, selbst dann kaum gereizt, wenn Lanz ihn festnageln will. Und das will er an diesem Abend ziemlich oft. Aber Frei widerspricht, lächelt, formuliert diplomatisch – und nimmt damit vielen Angriffen die Schärfe.
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Frauke Brosius-Gersdorf kritisiert die Union bei „Markus Lanz“
Als Frauke Brosius-Gersdorf über den gescheiterten Richterwahlsommer 2025 spricht, wird es ernster. Die Juristin war von der SPD für das Bundesverfassungsgericht nominiert worden, zog ihre Kandidatur nach massivem Widerstand vor allem aus der Union aber schließlich zurück. Nun fordert sie bei Lanz eine bessere Debattenkultur – und wird konkret: Freis Fraktion habe damals einen „erfolgreichen Bogen um Sachargumente gemacht“.
Frei gesteht ein, dass Brosius-Gersdorf „Unrecht widerfahren“ sei und die Diskussion „nicht gut“ gelaufen sei. Lanz fragt sofort: „War das eine Entschuldigung?“ Frei verweist auf frühere Klarstellungen der Union. Als Lanz wissen will, warum niemand eingegriffen habe, als die Juristin als „ultralinks“ oder „linksradikal“ diffamiert wurde, wird Frei deutlich ausweichender.
Hier stößt seine freundliche Diplomatie an Grenzen. Denn so sympathisch Frei über weite Strecken wirkt: Verantwortung klingt überzeugender, wenn sie konkret übernommen wird.
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Thorsten Frei zieht bei der AfD eine klare Grenze
Zum Schluss geht es um die sogenannte Brandmauer zur AfD. In Sachsen-Anhalt wird am 6. September gewählt, Umfragen sehen die AfD mit mehr als 40 Prozent deutlich vor der CDU. Frei bleibt bei der offiziellen Linie: Eine Zusammenarbeit werde es nicht geben. Bei der Linkspartei klingt er differenzierter. Ein CDU-Kandidat werde nicht dadurch schlecht, dass ihn die „falsche Partei“ mitwähle, sagt Frei über ein mögliches Ministerpräsidenten-Votum.
Wirklich die Kontrolle verliert der neue Fraktionschef an diesem Abend nicht. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses überraschend fluffigen Abends: Thorsten Frei kann ausweichen, ohne dabei sofort unsympathisch zu wirken. Für die Union ist das nach Jens Spahn möglicherweise schon ein ziemlich guter Anfang.








