Wer in der Talkshow von Markus Lanz auf eine theologische Einordnung des verstorbenen Papstes hofft, braucht Geduld. Dreimal kündigt Lanz am Donnerstagabend das Thema an, dreimal biegt die Diskussion vorher ab – bis zum Schluss, als doch noch ein stiller, berührender Moment folgt. Bis dahin geht es um Weltwirtschaft, Schulden, Trump. Und um die Frage: Wie unabhängig kann Europa werden?
Julia Löhr, Wirtschaftsjournalistin der FAZ, analysiert nüchtern das deutsche Schuldenpaket. Es sei „ein Freibrief“, sagt sie, das neue Finanzkonstrukt führe zu einer Summenexplosion. Die Koalition verfehle damit ihren eigenen Anspruch, strukturelle Reformen durchzusetzen. Löhr nennt es eine „Fehlannahme zu glauben, man könne mit Schulden Wohlstand erzeugen“.
Experten kritisieren bei „Markus Lanz“ Schuldenpaket der Bundesregierung
Ökonom Hans-Werner Sinn geht noch weiter. Für ihn verursacht das aktuelle Finanzgebahren ein Glaubwürdigkeitsproblem. Schließlich hatte sich Friedrich Merz noch vor der Wahl gegen eine Aussetzung der Schuldenbremse ausgesprochen. Die neuen Schulden summieren sich laut seiner Rechnung auf 2000 Milliarden. „Das sind zweitausend Elbphilharmonien!“, sagt er entsetzt. Das Problem sei aber nicht nur das Geld – sondern der Mangel an Fachkräften. „Man kann nicht gleichzeitig Brücken und Panzer bauen“, warnt Sinn. Die Ressourcen seien endlich.
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verteidigt die Haltung seiner Partei nur bedingt. Er spricht von einer überfälligen Neustrukturierung. „Deutschland ist momentan drittklassig“ – es müsse dringend mit einer neuen Regierung wieder handlungsfähig werden.
Trump als Vorbild für Kommunikation: Altmaiers Sicht auf Amerika

Markus Lanz wirft ein, dass die Menschen schon jetzt sehr enttäuscht von Friedrich Merz seien. „Der Vertrauensverlust in der Bevölkerung ist erheblich“, so Lanz – rund 40 Prozent nähmen Merz sein Verhalten übel. Altmaier verweist auf die strukturellen Zwänge einer Regierungsbildung mit mehreren Partnern. Löhr hält dagegen: Die Schuldenbremse sei gelockert worden, ohne dass der versprochene Umbau folgte.
Dann weitet sich der Blick auf die globale Bühne. Altmaier spricht über Donald Trump – mit spürbarem Respekt für dessen kommunikative Fähigkeiten. „Ich habe nicht zu denen gehört, die sich über Trump lustig gemacht haben, weil er schon ein genialer Wahlkämpfer und Kommunikator ist.“ Der US-Präsident habe es seit vielen Jahren geschafft, mit wenigen Tweets die Weltöffentlichkeit zu interessieren. Es gebe derzeit keinen westlichen Politiker, der „imstande wäre, da mit ihm gleichzuziehen und ihm Paroli zu bieten“.
Protektionismus erklärt: Talk-Gast nutzt Lanz’ Anzug als Beispiel
Politisch aber sei seine Zollpolitik gefährlich. Es sei eine „Fehlkalkulation“ von Trump zu denken, „dass alle anderen Länder das ohne Weiteres mitmachen“. Der US-Präsident verspreche sich einen protektionistischen Effekt, dass Firmenverlagerungen in die USA stattfinden und neue Arbeitsplätze entstehen würden.
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„Protektionismus ist ein süßes Gift, weil es eine einfache Lösung für wirtschaftliche Probleme vorgibt. Anfangs ist es eigentlich immer erfolgreich. Dadurch machst du die Waren von anderen Ländern teurer und holst verloren geglaubte Industriestellen wieder zurück“, ist Altmeiers Einschätzung.
Gedanke eint die Runde: Schutz Europas könne nicht mehr auf den USA beruhen
Sinn bricht es für Markus Lanz herunter, der verstehen will, warum Altmaier Protektionismus als Gift bezeichnet. „Sie haben eine Leistung, die sie anbieten, nämlich diese Talkshow zu verkaufen. Von dem Gewinn kaufen sie sich diesen Anzug. Den machen Sie ja nicht selbst. Genauso läuft das in der Wirtschaft. Der Nutzen für die Volkswirtschaft ist nicht etwa das, was man an die anderen liefert, sondern was man sich dafür kaufen kann. (...) Das wird ausgehebelt durch diese Zölle.“
Das hat nicht nur finanzielle Konsequenzen für Deutschland: Der Schutz Europas könne in Zukunft nicht mehr auf den USA beruhen, so die einhellige Analyse in der Runde. Europa müsse handlungsfähig werden, politisch wie militärisch. „Nur eine gemeinsame Armee wird Trump beeindrucken“, meint Sinn. Löhr bleibt skeptisch. „Das ist unrealistisch.“
Markus Lanz spricht über Papst Franziskus – und wird leise
Dann, nach knapp einer Stunde, bekommt Lanz endlich Raum für das Thema, das ihm offenkundig am Herzen liegt: der Tod von Papst Franziskus. Über sich selbst habe dieser gesagt: „Erst einmal bin ich ein Sünder“. Mit dieser Authentizität habe er die Menschen beeindruckt, sagt Manfred Lütz, Theologe und Buchautor. Er erinnert sich an seine persönliche Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt – ein halbstündiges Gespräch, an dessen Ende der Papst für eine nahestehende Person gebetet habe. „Er ist gegangen, kam wieder und hat mir einen Rosenkranz gegeben – für diesen Mensch“, seine Stimme bricht. Er sei noch ganz gerührt, wenn er davon erzähle, sagt Lütz. „Diese Authentizität spendet Trost.“
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Papst Franziskus sei mehr bei Menschen außerhalb der Kirche beliebt gewesen als innerhalb. Seine Kraft habe darin gelegen, anderen auf Augenhöhe zu begegnen – im Hintergrund sieht man den Papst, wie er Gefangenen die Füße wäscht und küsst. Lanz wirft die Frage auf, ob eine solche Demut auch strategisch gewesen sein könnte – Lütz widerspricht entschieden. „Das ist keine Inszenierung.“
Lütz über Frauen in der Kirche: „Ein echtes Problem“
Und wie steht es um die Frauen in der Kirche? „Wenn die Frauen nicht gleichberechtigt sind, hat die Kirche ein Problem“, ist sich Lütz sicher. Franziskus habe das erkannt – und vorsichtige Schritte unternommen.
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Am Ende berichtet auch Lanz von einer flüchtigen Begegnung. Beim Buffet habe ihm der Papst den Vortritt gelassen. „Ich fand ihn sehr warmherzig“, sagt er. Ein stilles Ende einer Sendung, die von der großen Weltpolitik zur persönlichen Erinnerung überleitet.







