Berlinale 2019

Abschied von Dieter Kosslick: „Wir sind nur wegen dir hier“

Zum letzten Mal hat Dieter Kosslick die Berlinale eröffnet – und der Saal feiert ihn mit Standing Ovations.

Sichtlich bewegt: Berlinale-Chef Dieter Kosslick zwischen der Moderatorin Anke Engelke (r.) und Jury-Präsidentin Juliette Binoche.

Sichtlich bewegt: Berlinale-Chef Dieter Kosslick zwischen der Moderatorin Anke Engelke (r.) und Jury-Präsidentin Juliette Binoche.

Foto: Pascal Le Segretain / Getty Images

Berlin. Sonst kommt man ja wegen der Stars zu einem Filmfestival. Auf der Berlinale, das wird ja immer wieder gesagt und in den letzten Tagen besonders häufig, ist dann auch noch das Publikum der Star. Aber an diesem Donnerstagabend im Berlinale-Palast, da gibt es eigentlich nur einen Star. Und das ist der Chef selbst, Dieter Kosslick, der zum 18. und definitiv letzten Mal eine Berlinale eröffnet.

Dieser Anfang zeigt: Das wird ein sehr emotionales Festival

Gleich zu Anfang singen denn auch Anke Engelke, die wie bei so vielen Kosslick-Berlinalen die Eröffnung moderiert und überhaupt seinem Festival ein Gesicht gab – gleich zu Anfang also singt Anke Engelke gemeinsam mit Max Raabe ein schönes Couplet mit dem Refrain „Wir sind nur wegen dir hier“, das natürlich auf Dieter Kosslick gemünzt ist. Der derart Angesungene steht derweil neben der Bühne und ist sichtlich gerührt. Nach dem Song steht dann auch das gesamte Auditorium auf. Standing Ovation zum Abschied. Das lässt keinen ungerührt. Da stehen allerdings auch viele, die im Sommer 2017 den offenen Brief gegen Kosslick mitunterzeichnet haben. Aber das scheint an diesem Abend alles vergessen. Vielleicht steht aber auch so manch schlechtes Gewissen mit auf. Dieser Anfang zeigt: Das wird wohl eine sehr emotionale Berlinale. Und Kosslick wird sich noch manches Mal ein Tränchen aus dem Gesicht wischen müssen.

Erst mal geht Anke Engelke, mit türkisen Samtstreifen interessant in ein weißes Kleid eingeschnürt, wie gewohnt durch die Sitzreihen und verteilt Frotzeleien in alle Richtungen. Nennt die Festivalsponsoren „Berlinale-Bitches“, freut sich, dass Außenminister Heiko Maas (SPD) in Berlin wohnt und nicht mit dem Regierungsflieger kommen musste („Wo würde er landen?“) und nennt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) einen „Black Panther“. Die traut sich was! Und auch das machte die Kosslick-Berlinale ja immer aus: dieser freche, unkonventionelle, unsteife Ton. Es ist kaum vorstellbar, dass die Engelke in den nächsten Jahren weiter moderieren wird. Man darf sich jetzt schon fragen, wie die Nachfolger Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek das 2020 angehen werden.

Dann kommt der „Black Panther“ auf die Bühne und beginnt mit einer großen Eloge auf den „Dieter“. Man sei heute nur seinetwegen hier, sagt Monika Grütters, und er verdiene es, einmal als Herr der Bären im Rampenlicht zu stehen. Moment mal, wundert man sich da ein bisschen: War es nicht die Staatsministerin, die, statt Kosslick den Rücken zu stärken, nach dem offenen Brief verkündete, sie würde seinen Vertrag nicht noch einmal verlängern? Der hatte ohnehin nie vor, nach 2019 weiterzumachen. Aber so wie sie das damals postulierte, klang es wie ein Rausschmiss. Kosslick hat nie verlauten lassen, was er davon hielt.

Am heutigen Abend aber hat er sich schon auf dem Teppich demonstrativ mit ihr geherzt, als sei nie ein Arg zwischen ihnen gewesen. Nun ist ihre ganze Rede ein einziges Loblied auf ihn, das in den Worten gipfelt: „Danke, Dieter, hätte ich wie du einen schwarzen Hut, ich würde ihn heute zur Eröffnung deiner letzten Berlinale ziehen.“

Dann kommt er endlich selbst auf die Bühne, der so viel Gepriesene, Hand in Hand mit Engelke. Erst winken die beiden den neuen Berlinale-Chefs zu, die im Juni ihre Posten antreten werden, dann busseln sie auf der Bühne. Und Kosslick erheitert noch mal mit seinem abenteuerlichen Englisch. Aber viel sagen darf er nicht, kann er wohl auch nicht, so bewegt ist er. Dass er sich dann ausgerechnet bei seinem wichtigsten Satz verhaspelt, dass eben die Festspiele hiermit eröffnet sind, ist nur allzu menschlich.

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