Filmfestspiele

Die letzte Kosslick-Berlinale: Eine Ära geht zu Ende

Nach 18 Jahren eröffnet Dieter Kosslick seine letzte Berlinale - und will es seinen Kritikern noch einmal zeigen.

Festivaldirektor Dieter Kosslick führt zum letzten Mal durch die Internationalen Filmfestspiele.

Festivaldirektor Dieter Kosslick führt zum letzten Mal durch die Internationalen Filmfestspiele.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Servus sagt man gewöhnlich erst zum Schluss. Dieter Kosslick hat freilich schon vor zehn Tagen bei der Berlinale-Pressekonferenz erste Abschiedsworte gefunden. Und das gab wohl schon den Ton für die nächsten Tage vor. Denn das 69. Filmfestival, das er am heutigen Donnerstagabend am Potsdamer Platz eröffnen wird, ist zugleich das letzte, das er zu verantworten hat. Am 31. Mai wird er, einen Tag nach seinem 71. Geburtstag, sein Büro räumen.

Damit geht wirklich eine Ära zu Ende. Denn es ist ja nicht nur Kosslick, der geht. Die Spitze der Panorama-Sektion hat schon letztes Jahr gewechselt. Der ehemalige Forum-Chef leitet inzwischen das Filmfestival in Marrakesch, sein Posten wird noch kommissarisch vertreten. Und auch die Leiterin der Kurzfilmabteilung geht andere Wege. Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, die nächstes Jahr die Berlinale erstmals als Doppelspitze leiten, werden also mit einer richtigen Stunde null beginnen müssen. Und das in einem Jahr, in dem auch noch ein großes Festival ansteht: der 70. Geburtstag der Berlinale.

Kosslick hat die Berlinale groß gemacht

Bevor man dann einen großen Rückblick werfen wird auf die lange Geschichte des Festivals, wird man in den nächsten elf Tagen vor allem auf die letzten 18 Jahre zurückblicken. Kosslick plant zwar anders als sein Vorgänger Moritz de Hadeln 2001 keine besonderen Events zu seinem Abschied. Aber an anderen Stellen, so hört man, ist sehr wohl geplant, Kosslick zu würdigen und zu huldigen. Es wird also eine sehr emotionale Berlinale mit vielen sentimentalen Momenten.

Dieter Kosslick hat das verdient. Den Auftrag, den man ihm bei Amtsantritt gab, hat er mehr als erfüllt. Den nämlich, das Festival groß zu machen. Kosslick hat die Berlinale über ihr Epizentrum am Potsdamer Platz hinaus über die Stadt ausgedehnt, ist in Kieze gedrungen, hat auch alle anderen Künste miteinbezogen und aus einem eher elitären Filmfestival ein populäres Stadtfestival gemacht.

Vor allem hat er auch das deutsche Kino mit dem Festival versöhnt und auch den Nachwuchs gleich mit eingebunden. Filmförderung mit den Mitteln eines Festivals. Und er hat das Publikumsfestival – was die Berlinale ja schon immer war und was sie von anderen A-Festivals signifikant unterscheidet – noch mal entscheidend ausgebaut. Das alles sind unbestreitbare Verdienste, die man Dieter Kosslick nicht hoch genug anrechnen kann.

Zeigen, was mit ihm verloren geht

Freilich gab es auch immer wieder Kritik an seiner Programmauswahl, die in den letzten Jahren immer lauter wurde. Den bösen Brief zahlreicher Filmschaffender, der 2017 an die Öffentlichkeit gelangte und den Berlinale-Chef vor aller Welt diskreditierte, hat Kosslick allerdings nicht verdient. Auch nicht, dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ihm nicht den Rücken stärkte, sondern danach verkündete, sein Vertrag werde über 2019 nicht weiter verlängert. Kosslick hatte das ohnehin nie vorgehabt. Die Wogen haben sich, das ist zu hoffen, etwas geglättet.

Ein Festivalchef genießt bei seiner letzten Ausgabe so etwas wie Narrenfreiheit, das war auch bei de Hadeln so. Natürlich wird Kosslick noch mal allen zeigen wollen, was in ihm steckt und was mit ihm verloren geht. Und auch seine Kritiker werden nicht ruhen und nach möglichen Schwächen und Verschleißerscheinungen suchen, um sagen zu können, sie hätten es schon immer gewusst. Unter diesen Prämissen und Reibungen kann das ein sehr spannendes Festival werden. Am Ende werden aber wohl doch die verklärenden Momente überwiegen.

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