Psychologie kann mörderisch langweilig sein. Da geht‘s zwar um die ganz großen Fragen, wer wir sind und welche Rollen wir im Leben spielen. Das wird an der Uni aber gern von blassen, weltfremden Professoren gelehrt! Was machen die eigentlich in der Freizeit, also im wahren Leben? Auf diese Frage bietet „A Killer Romance“ von Richard Linklater eine höchst vergnügliche Antwort. Da verdient sich ein Psycho-Prof nämlich ein Zubrot – als scheinbarer Killer.
Ein falscher Killer-Lockvogel, der echte Morde verhindern soll
Wie? Linklater, der Kultregisseur von „Before Sunrise“ und „Boyhood“ und filmische Chronist der Slacker-Generation, macht einen Killer-Film? Das wird natürlich gleich ironisch gebrochen. Auftragskiller gibt’s nämlich gar nicht, wird dem Zuschauer hier gleich anfangs erzählt. Niemand würde lebenslange Haft riskieren, nur um für einen anderen zu töten. Damit wird zugleich ein ganzes Kinogenre in die Pfanne gehauen.
Die Leute glauben aber dennoch dran, auch in Linklaters Film, und wollen Morde ordern. Das aber wird von einer Polizei-Einheit in New Orleans im Keim erstickt. Mit einem falschen Killer als Lockvogel, der nur so tut, als ob er sich drauf einlässt. So dass der Auftraggeber noch beim Auftraggeben verhaftet werden kann.
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Professor Gary Johnson (Glen Powell) bedient dabei eigentlich nur die Abhör-Mikros, weil er ein Technikfreak ist. Eines Tages aber schießt sich der Fake-Killer Jasper (Austin Amelio) selbst ins Aus, kann nicht mehr in der Öffentlichkeit eingesetzt und muss unmittelbar vor einem Einsatz ersetzt werden. Mangels Alternativen wird so der Herr Professor zum Lückenbüßer-Lockvogel. Und muss son einen „Hitman“, wie das im Amerikanischen heißt, vorgeben.

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Was gar nicht seine Sache ist. Er hält zwar Seminare über Nietzsches Philosophie der Selbstverwirklichung, ist aber ein braver, unauffälliger, etwas steifer und ungelenker Typ, der ein ziemlich spießiges Durchschnittsleben führt, allein mit seinem Haustier
Woher nur hat der Herr Professor seinen Waschbrettbauch?
Aber aufgehorcht, werte Studentinnen und Studenten der Psychologie, ein Studienfall: Als Lockvogel muss der Softie in immer neue Verkleidungen schlüpfen – und findet zunehmend Gefallen daran. Durch die Verstellungen verliert er Hemmungen und gewinnt Selbstbewusstsein.
Der vermeintliche Killer wird zu einem anderen, cooleren, männlicheren Ich. Bis sich eine junge Auftraggeberin, Madison Masterson (Adria Arjona), in sein Alter Ego verliebt, aber dennoch ihren Ex um die Ecke bringen will. Da gerät der in ein moralisch-psychologisches Dilemma.
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Eins muss man so hinnehmen in diesem Film: Während Glen Powell im Film erst durch seine Charaden attraktiv wird, ist es in Wirklichkeit natürlich genau andersherum: Die größte Verstellung für den Schauspieler ist der steife Uni-Professor! Wenn der Langeweiler aber sein Shirt auszieht, kommt ein Waschbrettbauch zum Vorschein. Bei solchen Dozenten würden Studenten die Auditorien wohl in Massen stürmen! Über dieses Detail muss man gnädig hinwegsehen, dann aber macht es großen Spaß, wie der Psycho-Prof doch noch zur Selbstverwirklichung kommt, ganz ohne Nietzsche.
Schon wird die Wiederkehr des Stars alter Schule gefeiert
Linklater ist eine herrlich schwarze, aber auch tiefgründige Komödie gelungen, die mit Sein und Schein auch genuine Themen des Kinos verhandelt. Und für Powell könnte das der Durchbruch sein. Der charismatische Schauspieler durfte bisher nur Nebenrollen spielen, wie in „Hidden Figures“ und „Top Gun: Maverick“ auf. Die Romanze „Wo die Lüge hinfällt“ erwies sich erst als Flop und dann als Überraschungsdauerhit.
Dies wird nun sein Sommer, in zwei Wochen folgt noch der Katastrophenfilm „Twisters“ mit ihm in der Hauptrolle. Schon wird Powell als neuer Cary Grant gehandelt und mit ihm die Rückkehr des Stars alter Schule gefeiert. Die längst sieche RomCom erfährt durch seinen Killer frisches Blut. Und er selbst einen Karrieresprung: Ein Hit-Man in doppelter Bedeutung.
Komödie, USA 2023, 115 min., von Richard Linklater, mit Glen Powell, Adria Arjona, Austin Amelio, Retta, Sanjay Rao





