Der Schock ist groß. Immens groß. Gerade nach Hause gekommen, sucht die Tochter ihre Mutter. Geht nichtsahnend in deren Schlafzimmer. Und findet sie dort im Bett – mit ihrem Chef. Der Chef, der sich immerzu als Arschloch erwiesen hat. Der Chef, vor dem die Mutter sie einst gewarnt hat. Weshalb die Tochter ihm gerade erst gekündigt hat. Und jetzt liegt er plötzlich nackt auf ihrer Mutter. Obwohl er ihr Sohn sein könnte. Daraus wird in diesem amerikanischen Film eine „Family Affair“. Und die ist besonders pikant, weil Nicole Kidman die Mutter spielt.
Eine Hausfrau und ein Filmstar - kann das gutgehen?
Zugleich geht es in diesem Netflix-Film um einen Filmstar, bei dem jede Affäre immer gleich groß in der Öffentlichkeit ausgewalzt wird. Aber nicht Kidman spielt hier den Star, sondern Zac Efron. Der war lange ein Teeniestar und verkörpert hier den Actionstar Chris Cole, dem die Frauenherzen zu Füßen liegen und die Paparazzi immerzu auf den Fersen sind. Hübsch werden hier einige Film-im-Film-Momente ausgespielt.
Vor allem aber geht es um ein Luxusleben im Goldenen Käfig. Abgeschirmt von allem normalen Leben, hat dieser Promi keine echten Freunde. Und kennt keine wahren Gefühle mehr. Ist er vielleicht auch nur so oberflächlich wie seine Filme von der Stange? Seine Damenbekanntschaften jedenfalls sind nie von Dauer. Die bricht er bald ab, und damit das Herz nicht zu doll bricht, schenkt er zum Abschied kostbare Ohrringe.
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A Family Affair | Offizieller Trailer | NetflixYes or No: Zac Efron als Chef ABER er geht mit eurer Mutter aus? 👀 Nicole Kidman, Zac Efron und Joey King in A Family Affair, ab 28. Juni.
Posted by Netflix on Wednesday, May 29, 2024
Dafür muss dann immer Zara (Joey King) herhalten, seine junge Assistentin und Mädchen für alles. Die steckt mit dem Abschiedsgeschenk aber einmal im Stau, weshalb das Trennungsprozedere länger dauert als gewöhnlich. Und es zum großen Streit kommt. Bis Zara schließlich kündigt.
Ältere Frauen mit jüngeren Männern: Der neue heiße Trend im Kino
Diese Grundkonstellation muss man in diesem Film von Richard LaGravenese´hinnehmen. Denn warum sollte ein Superstar wie Efrons Cole eine 24-jährige und zwar nassforsche, aber noch recht unerfahrenere Assistentin haben – und nicht gleich, wie in dieser Branche üblich, mehrere abgebrühte, bärbeißige PR-Agenten? Nur aus einem Grund: Damit der Star sein Verhalten bereut. Und an der Tür seiner Ex-Assistentin klopft. Die ist dann aber nicht zu Hause. Wohl aber deren Mutter Brooke (Kidman).

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Die ist gerade im Unterhemd schwitzend mit dem Putzeimer zugange. Das ganz normale Alltagsleben – wie es der Filmstar nicht kennt. Weshalb er faszinierend hereinkommt, auf der Couch auf Zara wartet. Und mit der Mutter einen Drink nach dem anderen nimmt. Auch die ist fasziniert von diesem Mann. Das hat sie seit dem Tod ihres Mannes vor elf Jahren nicht mehr erlebt. Und so knutschen sie bald, leicht angeschickert, plumpsen ins Bett. Und Coitus interruptus!
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Sex mit Jüngeren – endlich dürfen das auch die Frauen. Nachdem man das über Dekaden nur andersherum erlebt hat: Alte Männer mit jungen Frauen, was dann auch noch als Traumpaar verklärt wurde wie Rudolf Prack und Sonja Ziemann. Seit jüngstem gibt es endlich den Trend andersrum. Und viele haben das schon im Film absolviert: Emma Thompson in „Meine Stunden mit Leo“, Fanny Ardant in „Im Herzen jung“, Cécile de France in „Wild wie das Meer“, Sophie Rois in „A E I O U – Das Alphabet der Liebe“.
Der Film gehört nicht den Stars, sondern dem Nachwuchs zwischen ihnen
Nun legen auch die Amerikaner nach, die in so was ja immer etwas prüder sind. Gerade erst sah man Julianne Moore in „May December“. Und jetzt stellt sich auch „A Family Affair“ dem Thema. Und doch auch wieder nicht. „Der ist doch 20 Jahre jünger als du“, mault zwar die Tochter in diesem Film, und die verneint energisch: Es sind nur 16.
In Wirklichkeit trennen Kidman und Efron tatsächlich 20 Jahre, aber während letzterer sein früheres Jünglings-Image vor allem mit reichlich Muskelaufbau abgelegt hat, das ihn älter erscheinen lässt, als er ist, wirkt Kidman, nicht nur dank der richtigen Kosmetik, wesentlich jünger, als sie laut Geburtsregister sein müsste. Irgendwie wirken die 57-Jährige und der 36-Jährige doch gar nicht so nennenswert auseinander.
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In LaGranaveses Film steht aber auch gar nicht, wie in den anderen aufgeführten Filmen, die Dame im Vordergrund, die noch mal einen zweiten Frühling erlebt. Und auch nicht der Mann. „A Family Affair“ wird vielmehr erzählt aus der Sicht der Tochter, gespielt von Joey King, ein einstiger Kinderstar („Schwesterherzen“, 2010), der spätestens seit dem Actionknaller „Bullet Train“ (2022) zu den ganz heißen Nachwuchsstars in Hollywood zählt.
Eine Komödie über Sex und Liebe, vor allem aber über Identität
Und die darf hier, während die Mutti, um zu gefallen, immerzu die Dame spielt und der Filmstar sowieso nur künstliche Posen einnimmt, hier hübsch normal neurotisch sein, darf ständig Krisen bekommen und die dann mit Süßigkeiten verarbeiten. Das ganz normale Leben halt. Oder ist das doch nur eine verschämte Art, wie man das erzählt und auch ein bisschen veralbert?
Zac Efron zeigt auch sonst, wie sein Star im Film, meist nur Muskeln statt Mimik. Aber auch Nicole Kidman nimmt sich stark zurück. Der Film, der ein wenig zu vorhersehbar und in seinen wenigen Sexszenen dann doch recht keusch ist, ist ganz auf Joey King zugeschnitten. Die Einzige, die auch wirklich so alt wirkt, wie sie ist. Sie ist es, mit der sich das Publikum identifiziert. Sie ist es, mit dem das Publikum diese scheinbar unmögliche Liebe doch irgendwann irgendwie für möglich hält. Eine Komödie über Sex und Liebe, vor allem aber über Familie – und Identitätsfindung. Und das gilt für alle Protagonisten.
Komödie, USA 2024, 156 min., von Richard LaGravanese, mit Joey King, Zac Efron, Nicole Kidman, Kathy Bates. Auf Netflix





