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Måneskin und das virtuose Spiel mit dem Kokainskandal

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Ulrike Borowczyk
Damiano David, Victoria De Angelis, Ethan Torchio und Thomas Raggi (v. l. n. r.) sind Måneskin.

Damiano David, Victoria De Angelis, Ethan Torchio und Thomas Raggi (v. l. n. r.) sind Måneskin.

Foto: Ilaria Ieie / dpa

Die italienische Rockband Måneskin gewann 2021 den Eurovision Song Contest. Nun meldet sie sich mit einem neuen Album zurück.

Wenn Måneskin-Frontmann Damiano David die Zeile „Cocaine is on the table“ singt, haben alle die Szene vom Eurovision Song Contest 2021 vor Augen. Darin wischt der extravagante Rockmusiker mit nacktem Oberkörper zerbrochenes Glas vom Tisch. Millionen Zuschauer glaubten zunächst gesehen zu haben, wie David im Green Room Kokain geschnupft habe. Deshalb forderte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den französischen Kommentator auf, er solle etwas unternehmen, damit das römische Quartett disqualifiziert und den zweitplatzierten Franzosen den Sieg zuerkannt werde. Was den Triumph der Italiener etwas getrübt hat. Aber letztlich bewies ein Drogentest Davids Unschuld.

Auf dem gerade erschienenen neuen, nunmehr dritten Album „Rush!“ (RCA/Sony Music) spielt Måneskin frech mit der Kontroverse. Der rasanten Karriere der Band hat der vermeintliche Skandal keineswegs geschadet. Im Gegenteil: Es hat sich hat sich für das Quartett gelohnt, soviel Aufmerksamkeit zu bekommen. Dazu passt auch Måneskins telegener Weg zum Ruhm: Erst 2017 der zweite Platz bei „The X Factor“. Schließlich 2021 gleich zwei Siege. Erst beim „Sanremo Festival“, dann beim Eurovision Song Contest mit dem Song „Zitti e buoni“. Jetzt eine Nominierung in der Kategorie „Best New Artist“ für die „Grammy Awards 2023“.

Hinter den Erfolgen steht ein schwedischer Hit-Garant

Anders als die meisten ESC-Gewinner hat Måneskin nicht nur national, sondern auch international viele Erfolge zu verbuchen. Die Römer können bereits zwei britische Top-10-Singles vorweisen, mehr als 6,5 Milliarden Streams, Welttourneen, eine Zusammenarbeit mit Iggy Pop sowie einen Support-Slot mit den Rolling Stones in Vegas. Eine Tendenz, die sich auf „Rush!“ mit 14 englischen und nur drei italienischen Songs fortsetzt. Roter Faden des in gleich sechs Varianten erhältlichen Albums ist Damiano Davids markante, rauchige Stimme. Wobei der 24-Jährige in seiner Muttersprache einen Tick intensiver klingt, wie die Ballade „Il Dono Della Vita“ sowie „La Fine“ und „Mark Chapman“ beweisen.

Dass die Glam-Rocker dennoch mindestens eine europa-, wenn nicht gar eine weltweite Karriere anstreben, wird indes klar bei der Wahl des Produzenten: Der schwedische Hit-Garant Max Martin hat unter anderem schon mit Britney Spears, Katy Perry und Coldplay zusammengearbeitet. Er sorgt dafür, dass die Tracks den typischen, Mainstream-kompatiblen Måneskin-Sound haben: Tanzbarer Glam-Rock, ins Heute geholt zu poppigen Melodien mit dem wuchtigen, treibenden Groove von Drummer Ethan Torchio und den kompromisslosen Basslinien von De Angelis zu den unverkennbaren Riffs von Gitarrist Thomas Raggi. Auf der vorab veröffentlichten Punkrock-Single „Gossip“ steuerte zudem kein Geringerer als Rage Against The Machine-Legende Tom Morello ein furioses Gitarrensolo bei.

Måneskin kommt am 6. März nach Berlin

„Rush!“ zeichnet sich durch viele druckvolle Titel wie „Kool Kids“ aus. Verschnaufen kann man bei den Balladen „Timezone“ und „If Not For You“. Zum Abschluss setzen die Musiker sogar noch eins mit der Powerpop-Hymne „The Loneliest“ drauf. Eine Hymne für die ganz großen Hallen. Also auch bestens geeignet für Måneskins Konzert am 6. März in der Mercedes-Benz Arena.