Im Berliner Alltag kommen manchmal Dinge zusammen, die in ihrer Gesamtheit eine ziemlich gute Mischung ergeben. Zum Beispiel: Laue Sommernächte, kühle Getränke und die Spree. Oder: Eine pünktliche Tram, genügend freie Sitzplätze und das Lieblingsbuch in der Tasche. Kleine Momente des Glücks, die der Zufall ganz unverhofft arrangiert, in die man sich fallen lässt und denkt: Warum kann es eigentlich nicht immer so sein?
Naja, weil es sich eben um den Berliner Alltag handelt und nicht um den im Paradies – und damit ist schon alles gesagt. Insofern gibt es auch Momente wie jenen, den ich neulich Ecke Schönhauser in Prenzlauer Berg erleben durfte: Tram vor der Nase weggefahren, die Kreuzung mit Autos und Lkw verstopft und dann auch noch eine Hitze, die sich – vom Asphalt reflektiert – anfühlte, als stecke man in einer finnischen Sauna. Aber in einer Sauna, in der es nicht nach Eukalyptus riecht, sondern nach Abgasen Hunderter Autos, komprimiert auf ganz engem Raum.
Doch dann drehte ein Mann in einem Kombi – ich sag' jetzt mal Typ Familienvater – sein Radio laut. Sehr laut. Und beschallte alles und jeden mit dem 90er-Jahre Gassenhauer „I'm a Scatman“ von Scatman John, dessen Markenzeichen der Schnauzer war – und tiefschürfenden Refrains wie dieser hier: „Ba-da-ba-da-ba-bee bop bop bodda bop, bop ba bodda bop, be bop ba bodda bop...“ Schlimm, aus heutiger Sicht. Aber 1995 war der Song ein ziemlicher Renner und verkaufte sich in Deutschland mehr als eine halbe Million Mal. Platin. Absoluter Massengeschmack.
Ein Soundtrack zum Stau
Wohl deshalb haben an der Ecke Schönhauser sämtliche Menschen dieses Lied wiedererkannt. Innerhalb weniger Sekunden wurde aus dem ekligen Hitze-Abgas-Stau-Moment ein ziemlich guter – weil er einen absurd-komischen Soundtrack bekam. Fußgänger, die sich an den Autos vorbei auf die andere Straßenseite quälten, taten dies mit einem Grinsen und tänzelndem Schritt. Die Menschen an der Tramhaltestelle (nächste Bahn in 13 Minuten) warteten immerhin kopfnickend weiter. Und auch meine Laune wurde besser. Und das, obwohl auf der ganzen Welt wohl kein uncoolerer Song existiert als dieses „bee bop bop bodda bop“. Was Musik alles bewirken kann.
Dazu passt eine Geschichte, über die jüngst die „Times of India“ berichtete: Eine 15-Jährige machte in der Region Bundelkhand von sich Reden, weil sie acht Stunden lang ununterbrochen in knietiefem Wasser tanzte – für einen möglichst viel Regen bringenden Monsun, um den Bauern zu helfen. Was für ein wunderbarer, proaktiver Zugang zu einem Problem!
Der natürlich viel mit Scatman John an der Schönhauser Allee zu tun hat. Denn: Tanzen ist viel schöner als Meckern. Und kann zumindest stimmungstechnisch eine ganze Menge verbessern. Dass es glücklich macht, herumzuzappeln und zu singen, weiß jeder aus eigener Erfahrung. Außerdem ist Tanzen gut für die Gesundheit, wirkt Übergewicht entgegen, hilft bei der Stressbewältigung – und bringt potenzielle Liebespaare zusammen.
Kuscheltanz vor dem BER
Also, Berliner, tanzen und singen wir, um uns glücklich und diese Stadt schöner zu machen. Machen wir uns frei von Ärger und Alltagsfrust. Der Bus kommt nicht? ZZ Top hat dafür den Soundtrack parat: „Waitin' for the bus“. Ewige Rumgurkerei im Kiez, um einen Parkplatz zu finden? Der „Mambo“ von Herbert Grönemeyer ist der Song der Stunde.
„I'll be waiting“ von Lenny Kravitz ist auf viele Situationen anwendbar: Das Bürgeramt, die Schlange im Supermarkt, der dichte Verkehr. Auch ein Kuscheltanz vor dem BER wäre denkbar – wer weiß, wofür es gut ist. Die Berliner Polizei könnte sich bei ihrem nächsten Einsatz gegen Raser am Kudamm oder bei einer Razzia gegen Koks-Dealer mit Falcos „Der Kommissar“ ankündigen. Mit entsprechenden Dancemoves natürlich. Und wenn alles nichts mehr weiterhilft, grölen wir einfach „bee bop bop bodda bop“. Geht garantiert immer.

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