Es heißt ja, lachen sei gesund. Das glaube ich sofort, schließlich kennt jeder die befreiende Wirkung, wenn man sich mal wieder richtig schön prustend auf die Schenkel geklopft hat. Schluss mit lustig heißt es derzeit allerdings an mehreren Fronten in Berlin. Was angesichts der sonst existierenden Lockerheit hier irgendwie seltsam ist.

Am vergangenen Wochenende zum Beispiel. Da wurde bekannt, dass die BVG gerade Kritik einstecken muss, weil auf einem ihrer Werbeplakate eine Frau im Dalmatiner-Overall neben einem Dalmatiner auf der Bank in der Bahn sitzt. Völlig unlustig fand das ein Berliner, immerhin hätten Hunde auf den Sitzen nichts zu suchen. Und überhaupt würden sich permanent Vierbeiner in Waggons und Bussen daneben benehmen. Die BVG konnte angesichts dieser Humorlosigkeit nur den Kopf schütteln – was mir ehrlich gesagt ganz genauso geht.

Komische Vögel in Berlins Bahnen gibt es schließlich ständig – da kann man ruhig mal über ein bisschen Selbstironie der BVG lachen. Oder über den komischen Vogel in der Türkei, der wegen einer Satire bei uns gerade für eine Staatsaffäre sorgt.

Mode für Blogger und Hunde

Humor ist halt eine ziemlich knifflige Angelegenheit. Insbesondere seine kluge Unterform, die Ironie. Wer bewusst das Gegenteil von dem sagt, was er meint, läuft Gefahr, komplett falsch verstanden zu werden. Ebenso kann es gehen, wenn man Dinge bewusst zuspitzt – und sie damit so absurd werden, dass sie eigentlich kaum wahr sein können. Nicht jeder merkt das und nimmt das Gesagte dann für bare Münze.

War das vielleicht auch der Fall beim Flughafen-Pressechef Daniel Abbou? Mein Lieblingszitat aus seinem Skandalinterview ist: „Kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen.“ Noch immer rätseln Beobachter, ob der Mann das alles ernst gemeint haben kann. War hier vielleicht auch ironische Überspitzung am Werk, die Abbous Chefs schlichtweg nicht verstanden haben?

Der Schoko-Döner aus Kreuzberg

In meiner Nachbarschaft in Prenzlauer Berg sind sie damit ja auch ganz groß. Hier werden sämtliche Prenzl­berg-Klischees nicht nur bedient, sondern ständig überboten. Da gibt es zum Beispiel seit einiger Zeit einen Vintage-Klamottenladen „for men, women and bloggers“. Klar.

Ein Hundebekleidungsgeschäft nicht weit entfernt wirbt dagegen damit, alles zu haben „von XXS bis XXL“. Damit auch ein Bernhardiner beim Gassigehen am Kollwitzplatz nicht frieren muss. Neu ist bei uns auch ein Delikatessengeschäft für Hunde. Da gibt es zum Beispiel Wachtel und Perlhuhn. Die Theke sieht aus wie die Feinkostabteilung im KaDeWe.

Beim Rohkost-Restaurant für Menschen um die Ecke wird dagegen nichts über 45 Grad erhitzt. In der Döner-Metropole Kreuzberg kann man unterdessen auch den Schoko-Döner kaufen. Schlimm. Aber vielleicht ist das alles ja auch nur die kluge ironische Brechung sämtlicher Klischees.

„Wer zu viel lernt, hat zu wenig Talent“

Oder man sagt einfach – Abbou-Style ohne Ironie – ab jetzt schlichtweg immer die Wahrheit. Ich hätte da auch ein paar Ideen. So könnte man Berlins neuen supi Marketing-Claim „365/24 Berlin“ erweitern um „365/24 Berlin – aber wehe, Spätis machen sonntags auf und Ihr nehmt ein Wegbier mit auf die Straße“.

Die Regierungskoalition aus SPD und CDU könnte sich dagegen bis zur Wahl im September diesen Slogan auf die Fahnen schreiben: „Jetzt machen wir erstmal nichts und dann warten wir ab.“ Die Bürgerämter können es versuchen mit: „Wenn man uns früh genug Bescheid gibt, sind wir auch spontan.“

Für Gefängnisausbrüche und Kriminetten aller Art empfehle ich Justiz und Polizei die Reaktion „Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen“. Wie wäre es mit „Too late to apologize“ für die Bahn? Und warum stellt sich ein Lehrer nicht einfach mal vor die Schulklasse und sagt: „Wer zu viel lernt, hat zu wenig Talent“?

Auch beim BER wäre doch jetzt, nach allem, was war, ein ehrlicher Slogan angebracht: „Wir haben zwar keine Lösung, aber wir bewundern das Problem.“

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