Auf einem Youtube-Video ist ein Vermummter zu sehen, der verzweifelt eine EU-Flagge in Brand zu setzen versucht. Klappt aber nicht. Weil die Fahne den Brüsseler Richtlinien gemäß aus schwer entflammbarem Material gewirkt ist. Manche EU-Regel ist offenbar sinnvoll. Zündeln fürs Vaterland eher nicht.

Der Kampf um England hat die irre Phase erreicht: corgihaftes Festlandswinseln trifft auf stolzen Empire-Fimmel. Jedes EM-Foul der Briten ein Menetekel. Auch der Hitler-Vergleich ist erledigt von Londons verstrubbeltem Ex-Bürgermeister Johnson, der gern Premierminister werden würde. Nun der erste Mordfall. Die demokratisch gewählte Labour-Abgeordnete Cox ist bei ihrer Bürgersprechstunde von einem offenbar verwirrten Täter ermordet worden – Eskalation des Irrsinns.

Warum diese Hysterie? Es geht um den Austritt eines ohnehin nie EU-begeisterten Landes, nicht um das Ende der Welt. Auf der Insel wird jenes Unbehagen laut, das viele EU-Bürger teilen. Die Menschen wollen Wohlstand und Sicherheit. Doch Brüssel bastelt an der Terrordatenbank so schleppend wie am Ende des Roa-mings. Hooligan-Datei? Fehlanzeige. Es gibt negative Zinsen, dafür verarmt Südosteuropa. Was genau preist Pathos-König Martin Schulz so inbrünstig? Den Geist des Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, der in Luxemburg jahrelang das systematische Steuervermeiden für Konzerne mitgemacht hat? In seinem Besteller „Bürokratie“ beschreibt der Soziologe David Graeber, dass mächtige Beamtenapparate nicht zwingend zu guter Nachbarschaft und Wachstum führen.

Studien hin, Stimmungen her – niemand weiß, was nach einem Brexit passiert. Keep calm and carry on, sagt der Brite. Also sachlich auf den Ausstieg vorbereiten. Man kann mit den USA ohne TTIP handeln und mit Großbritannien ohne EU. Eine starke Gemeinschaft hält den Brexit aus und fortan womöglich besser zusammen. Ergibt dieser Stresstest, dass die Briten ohne EU besser fahren – gut. Andernfalls lautet die selbstbewusste Botschaft Brüssels: Ihr könnt jederzeit zurück. Kostet dann aber das Pfund.


Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute.
Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute. © Reto Klar | Reto Klar

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