Stopp! Nicht weiterlesen. Es wird schrecklich. Sinnfrei. Geschmacklos. Was? Sie sind noch da? Super. Es hat geklappt. Die paradoxe Intervention funktioniert immer.
Väter kennen das Phänomen: Wenn Töchter in ihrer modisch problematischen Phase stecken, so zwischen fünf bis fünfundzwanzig Jahren, dann sollte Papa von seinem zwanghaften Verkumpelungswahn ablassen und exakt das Gegenteil dessen sagen, was er denkt.
Trägt das Kind plötzlich schwarze Fingernägel, schwarze Naturlochstrumpfhosen und drüber eine schwarze Darth-Vader-Kutte, würden Traditionalisten grollen, toben, enterben. Falsch. „Das sieht ja apart aus“ – dieser Satz irritiert wirklich.
Paradoxe Intervention zeigt Wirkung
Oh Schreck, denkt das Kind, wenn der verspießte Dad diesen Aufzug gut findet, muss alles falsch daran sein. Sie wird in den lachsfarbenen TV-Shopping-Overall umsteigen. Kleiner Kollateralschaden. Aber die paradoxe Intervention hat funktioniert.
So heißt eine in der Psychotherapie erfolgreich angewendete Technik, die den feinen Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht anerkennt. Passiert aber auch im täglichen Leben, zum Beispiel an diesem ersten Wochenende im Mai.
Junge Menschen mit Tagesfreizeit und moralisch edelsten Absichten, die in Stuttgart gegen den Parteitag der AfD möglichst medienwirksam protestieren, machen am Ende kostenlos Reklame für die neue Partei.
Lesen Sie diese Kolumne nie wieder
Auch die Bundeskanzlerin hat das paradoxe Prinzip noch nicht in Alltagshandeln umgesetzt. Gemeinsam mit dem künftigen Ex-Präsidenten der USA lobte Angela Merkel jenes mysteriöse Vertragswerk namens TTIP, für das auch Vizekanzler Sigmar Gabriel kämpft. Damit dürfte das Freihandelsabkommen endgültig erledigt sein.
Hätte Obama in Hannover einen kleinen Stepptanz aufgeführt und gesungen: „Kill TTIP“, hätte Angela Merkel die Raute geöffnet und dazu geklatscht und der Vizekanzler ein Schmähgedicht auf TTIP angestimmt, dann, ja dann, hätte sich’s der Bürger noch mal überlegt.
Merke: Was die da oben ärgert, die doch nur Knechte von Illuminaten und Investmentbankern sind, muss folgerichtig gut für uns hier unten sein. In diesem Sinne: Lesen Sie diese Kolumne nie wieder.

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