Das Staatsoberhaupt ziert sich. Macht Herr Gauck weiter? Das Volk weiß es nicht, während der Präsident kokett in seine eigene Autoritätslücke lächelt.

Derweil hat die Kanzlerin ihr legendäres Geschick bei der Dressur von Machomännern verloren. Ein überflüssiges Kleingedicht bewies der Republik, dass Angela Merkel schwächelt, genauso wie ihre Koalitionspartner.

Der Vizekanzler flüchtet in jenes Gekränktsein, das noch jeden SPD-Vorsitzenden erwischt hat.

CSU-Chef Seehofer überhört angestrengt die Jagdhörner der Erben.

Die grüne Parteispitze dankt Winfried Kretschmann, dass ihre Unauffälligkeit nicht auffällt.

Bei den Linken streitet man sich immer noch über den Umgang mit Flüchtlingen.

Und die AfD bekommt nicht mal etwas Programmähnliches notiert.

Drastischster Beleg für Deutschlands Machtvakuum: Der gut frisierte Liberale Lindner wirkt wie ein Relevanzriese.

Machtbewusstsein? Nicht mal im Referat Satire. Da hat der aufmerksamkeitshungrige Jan Böhmermann in seiner kurzen Karriere die Chance, jene großen Cojones zu zeigen, die er bei andern gern sieht. Doch mutlos verkriecht sich der Maulheld, anstatt die Sendungen seines Lebens zu machen. Deutungsmacht kann man auch wegwerfen.

Macht besitzt, wer erstens Handlungsoptionen hat und zweitens durchzusetzen vermag. Macht fehlt dem, der getrieben wird, hektisch in Auswege flieht, gefesselt nach der Pfeife anderer tanzt.

Angela Merkel hat gezeigt, dass sie sich gegen die EU-Staaten nicht mehr behaupten kann und gegen den türkischen Staatspräsidenten auch nicht. Sigmar Gabriel wird von seiner deprimierten Partei vorgeführt. Früher war auch mehr Ruck bei Präsidentenreden.

Ob an der Spitze des Staates, in Parteien, Vorzeigeunternehmen wie VW und Deutscher Bank – auffällig oft regieren derzeit Ohnmachthaber. Es herrscht weniger eine demokratische Legitimationskrise als ein Mangel an Führungsfreude und -willen.

Müdigkeit ist erlaubt, aber nicht am Steuer. Alle Mannschaftsteile der Republik können frische Lenker gebrauchen.


Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute.
Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute. © Reto Klar | Reto Klar

Schumachers Woche

Wie Firmen dank Kundenschusselei Gewinn erzielen
Wer Verträge nicht kündigt, der verlängert. Denn: Wer ein faires Tarifsystem anbietet, kann sich am Markt nicht halten.

Warum richtig helfen gelernt sein will
Wer ernsthaft helfen will, der weiß: Das Gegenteil von gut gemacht ist oftmals leider gut gemeint, meint Hajo Schumacher.

Erst einmal Nein sagen! Der Erfolg egomanischer Querleger
Moderne Politiker wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin oder Frauke Petry setzen auf Protest, Provokation, Protzerei.

Uli Hoeneß ist frei: Der Ex-Bayern-Chef verdient Respekt
Uli Hoeneß' Zeit im Gefängnis ist vorbei. Er hat Haltung gezeigt, reif und demütig. Das macht ihn sympathisch, meint Hajo Schumacher.

Wenn das Smartphone unser Leben übernimmt
Unser Smartphone kann einfach alles, freut sich Hajo Schumacher. Dumm nur, wenn man Pin, Passwörter und seinen Schlüssel vergisst.