Eigentlich war hier ein skandalhaltiger Fünfzeiler vorgesehen, in dem Papst, Kanzlerin, Lukas Podolski und ein nymphomanisch veranlagter Grottenolm Strip-Poker spielen. Der britische Spectator hat 1000 Pfund für den fiesesten Erdogan-Limerick ausgelobt. Ja, sorry, aber die Restlaufzeit will finanziert werden. Macht ja sonst keiner.
Schön, dass Kuschelministerin Nahles die Rente historisch großzügig anhebt, während die Chefin das Thema aus dem Wahlkampf 2017 raushalten will. Aus dem Leben von 20 bis 30 Millionen Deutschen ist es nicht rauszuhalten. Bundes-Yoda Schäuble, 73, hat alles Richtige gesagt: Bis 70 arbeiten, weniger Rente bekommen, gerade die 1964er. Denn wir sind die meisten. 1,35 Millionen Deutsche wurden in jenem Jahr geboren, als Willy Brandt die SPD übernahm, Afghanistan eine demokratische Verfassung bekam und Wirtschaft Wunder vollbrachte. Wir Babyboomer waren immer Schwemme, 40 in der Klasse, jetzt als Arbeitnehmer, die die Rentenkasse speisen, um später nicht mehr viel daraus zu kassieren. Armani bezahlen, KiK bekommen – so sieht’s aus.
Denn die Einzahler von morgen sind dummerweise unsere wenigen Kinder, in deren Lebensplan eine rentenrelevante Festanstellung nicht zwingend vorgesehen ist (Stichworte: „Projekte“, „Work-Life-Balance“, „Chillen“). Aus der Rentenpipeline wird ein Gartenschlauch. Ersparnisse? Gerade lernten wir das schöne Wort „Nullzinsphase“. Obendrein Seehofers Geständnis, dass eine vermeintliche Innovation namens Riester-Rente vor allem dem Assekuranzgewerbe aufhalf. Und damit es auch auf gar keinen Fall reicht später, haben wir mit steigender Lebenserwartung zu rechnen.
In zehn Jahren werden wir Babyboomer die Tugenden von früher wiederentdecken und uns in WG’s bei Dosenravioli zusammenrotten. Limericks entwerfen sich am Küchentisch bei Tetra-Pak-Wein ohnehin viel einfacher.
In seinem Besteller „Restlaufzeit“ (Eichborn, 19,99Euro) befasst sich Hajo Schumacher mit der Frage, wie ein gutes, lustiges und bezahlbares Leben im Alter aussehen kann.




