Alexander Gauland diente erst der Politik, dann führte er einen Potsdamer Verlag. Dass der Narzisst in Tweed weder FAZ-Herausgeber wurde noch ein großer Politiker, wird er diesem Land nie verzeihen.

Man kann den AfD-Vordenker wunderlich finden, aber dumm ist er nicht. Sein Boateng-Zitat, das wir nicht wiederholen wollen, bedient sich jener Tricks und Muster, die neue Rechte weltweit nutzen, ob Trump oder LePen, ob AfD-Politikerin von Storch mit ihrem Schießbefehl oder Parteichefin Petry, die im Mai im Münchner Hofbräukeller auftrat, wo Adolf Hitler als politischer Redner debütierte.

Keiner dieser Aufreger geschieht zufällig, alle folgen einem strikten Drehbuch. Ein Blick in die demagogische Werkzeugkiste.

1. Opfer sein: Der Oberton: Egal, worum es geht, immer sind es „die da“, die unsere Existenz bedrohen, entweder als Macht von oben (Eliten) oder als Massen von unten (Einwanderer). „Wir“ im nahezu aussichtslosen Kampf gegen „die“ und ihre globale Verschwörung.

2. Kulturelle Hegemonie: Der Kampf um die Kulturhoheit wurde vom marxistischen Denker Gramsci ausbuchstabiert, aber vom Rechten Benoist gekapert. Ziel: den gesellschaftlichen Konsens nach rechts zu verschieben.

3. Tabus brechen: Tabubrecher zeigen Mut im Kampf gegen angebliche Redeverbote (vgl. „Opfer“) und erweitern die Grenzen des Sagbaren.

4 . Insinuieren: Unverschämtes andeuten ohne es auszusprechen. Die Übersetzung von Gaulands Boateng-Spruch lautet: Ob deutscher Paß oder in Berlin geboren – ein Dunkelhäutiger wird immer „die da“ bleiben, oder noch knapper: Raus!

5. Querfront: Begriffe der Gegenseite besetzen, etwa „Imperialismus“.

6. Delegitimation: Den Gegner für unzurechnungsfähig erklären („linksversiffte Achtundsechziger“).

7. Detorsion: Minderheiten zu Angreifern machen, etwa: Der Feminismus will den Mann abschaffen.

8. Symbolische Provokation: Hofbräukeller – wo ist das Problem? Man wird doch noch mal. Vom Neonazi bis zum Schlussstrichbefürworter; alle vermögen die Chiffren zu lesen und mopsen sich, auch weil die Medien sich auf Knopfdruck so schön empören.


Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute.
Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute. © Reto Klar | Reto Klar

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