Die fast neuen Designer-Dessous im Zeltformat und das lila Sakko in Kunstlederoptik haben mal ein Vermögen gekostet. Egal, ab in den blauen Müllsack damit. So verdichtet sich das Frühjahrsausmisten zu einer nennenswerten Spende. Helfen kann so schön sein.

Andere gute Menschen machen umsonst Musik oder lassen sich mit Politikern fotografieren, oft für Kinder in Afrika. Toll. Wer meckert, ist ein Unmensch. Nur die gute Absicht zählt.

Ja, es gibt viele großartige Helfer in diesem Land. Und manche, die gern so aussähen. Da will ein gutes Dutzend Webseiten die Flüchtlingshilfe koordinieren, alle halb gut programmiert, mäßig besucht, oft eher phlegmatisch betrieben. Eine wirklich professionelle Plattform hätte allen geholfen. Dann hätten sich aber nicht so viele gut fühlen dürfen.

Warnung vor Moralaktivisten

Internationale Wissenschaftler warnen seit Jahren vor Moralaktivisten und fordern, Hilfsgelder ganz abzuschaffen. Afrikanische Musiker rufen in einem brüllkomischen Video auf, Heizlüfter fürs kalte Europa zu spenden. Schleimige Spendensongs zu Weihnachten haben nicht nur kulturelle Schäden angerichtet.

Der britische Journalist Peter Gill wies nach, dass viel Geld plus „besserwisserischer Ignoranz“ des Band-Aid-Edlen Bob Geldof vor allem Elend über Äthiopien brachten. Darf man aber nicht sagen. Sonst werden Anna Loos und Campino böse. So lebt der Fluch der guten Absicht weiter und die Kleiderkammern der Flüchtlingsunterkünfte bersten vor Textilmüll, der sich als milde Gabe tarnt.

Was lohnt sich wirklich?

Wo dampfende Herzenswärme den Blick vernebelt, hilft buchhalterische Kühle. Erstmals fragt an diesem Wochenende das Hello-Festival in Berlin: Was hilft wem wann wo wirklich und zu welchem Preis?

Ja, es gibt tatsächlich eine messbare Rendite von guten Taten. Hilfsexperten aus aller Welt, die sich ehrlicherweise „Sozialunternehmer“ nennen, berichten von globalen Erfahrungen, die seit jeher mit Projekten für Geflüchtete gesammelt wurden: Was lohnt sich? Was ist Folklore? Und was lässt man besser? Wer ernsthaft helfen will, der weiß: Das Gegenteil von gut gemacht ist oftmals leider gut gemeint.


Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute.
Moderator: Hajo Schumacher fragt sich, ob es auf den Schultoiletten schon immer so aussah, wie heute. © Reto Klar | Reto Klar

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